Positionspapier und Stellungnahme der DGGL LV Bremen/Niedersachsen-Nord
Zum Erhalt der Platanen-Baumkulisse am Neustadtdeich

Seit vielen Jahren wird intensiv am Vorhaben Hochwasserschutz Weser im Bereich der Neustadt geplant und diskutiert. Dabei besteht Einigkeit darüber, dass der Hochwasserschutz an der Engstelle Stadtstrecke Vorrang vor anderen Nutzungsansprüchen haben muss.

Leider konnte das lobenswerte öffentliche Dialogverfahren mit dem Runden Tisch im letzten Jahr nicht zu einem befriedigenden Abschluss und Ergebnis gebracht werden. Im Focus des Runden Tisches stand die Frage, ob und wie die stadtprägende Platanenkulisse im Zuge der notwendigen Ertüchtigung des Landesschutzdeiches erhalten werden kann.
Im Beschluss vom 19.07.2022 stimmte der Senat letztlich der Fortsetzung und Konkretisierung der behördlichen Planung auf Grundlage der kostenoptimierten Wettbewerbsvariante der Machbarkeitsstudie von 2020 zu, die den Verlust der stadtprägenden Baumkulisse bedeutet.
Demnach wären mögliche Varianten, die den überwiegenden Erhalt der Platanen beinhalten vom Tisch und sollen im weiteren Planungsverfahren auch nicht weiter verfolgt werden.

Für den weiteren Planungsablauf erwartet die DGGL, dass von der Planungsbehörde noch vor dem Planfeststellungsverfahren Planungsvarianten mit Erhalt der Platanenkulisse in öffentlichen Bürgerforen (vorgezogene Bürgerbeteiligung) vorgetragen und diskutiert werden.

Die DGGL sieht realistische Möglichkeiten, den größten Teil der Bestandsbäume und damit auch die stadtbildprägende Baumkulisse bei der notwendigen Verbesserung des Hochwasserschutzes der Stadtstrecke zu erhalten. Folgende Eckpunkte sind uns dabei wichtig:

Ziel ist der weitgehende Erhalt möglichst vieler Platanen über einen möglichst langen Zeitraum.

Der besonders hohe städtebauliche Wert der imposanten Baumkulisse im Zentrum Bremens ergibt sich neben den wichtigen ökologischen und klimatischen Funktionen insbesondere auch aus den direkten Wohlfahrtswirkung des ca. 70jährigen Platanenensembles für die Menschen die vor Ort wohnen, arbeiten, spazieren gehen, radfahren , bootfahren, verweilen, sitzen, liegen, zu Besuch aus anderen Stadtteilen oder von außerhalb als Gäste/Touristen angereist sind. Die Baumkulisse wird von dem gegenüberliegenden Ufer (Schlachte), den Häusern der Altstadt und des Stephaniviertels, von den Booten auf der Weser, sowie vom Teerhof an der Kleinen Weser und last but not least von den BewohnerInnen der Neustadtbebauung als stadtbildprägende Baumkulisse war genommen und wertgeschätzt.
Alte Bäume erzeugen einzeln und besonders im Ensemble wie der Baumkulisse am Neustadtufer einzigartige Wohlfühl-Effekte wie Schutz, Geborgenheit, Schatten, Lichteffekte im Kronendach, Freude an der schönen Rinde, Vögel beobachten, dem Gesang der Vögel und dem Blätterrauschen lauschen, Ehrfurcht vor den Baumriesen…

und das mehr als ein ganzes Menschenleben lang.
All das erzeugt Freude und Identität mit dem Kulturgut Alte Bäume.

Die mögliche Lebensdauer von Platanen schätzen wir aufgrund diverser Quellen auf ca. 200 Jahre ein, sodass für die Platanen immerhin noch mehr als 100 Jahre Rest- Lebensdauer bei guten Standortbedingungen und weiterhin bester Pflege möglich sind.

Beim Variantenvergleich setzen wir voraus, dass neben der von der Planungsbehörde favorisierten „Wettbewerbsvariante“ eine „Binnendeichsvariante“ mit einer HWS-Wand am Deichfuß zur Bebauungsseite (Vorschlag BI/CDM) im gleichen Detaillierungsgrad dargestellt und vergleichend bewertet wird.Auch bei der Wettbewerbsvariante mit einer HWS-Wand außendeichs sieht die DGGL gute Möglichkeiten, die Platanenkulisse weitgehend und längerfristig zu erhalten. Die Lage der HWS-Wand muss sich dabei zum Zwecke des Baumerhaltes nach den jeweils geringsten Eingriffen in Krone und Wurzelwerk orientieren.
Mit fachlich qualifizierten Vorsorge- und Schutzmaßnahmen, deren konsequente Durchführung im Rahmen einer strengen Ökologischen Bauüberwachung der erforderlichen HWS-Baumaßnahmen ständig kontrolliert werden muss, lassen sich sehr wohl irreversible Bauschäden an den Bäumen vermeiden und damit die wertvolle stadtprägende Baumkulisse erhalten.

Unsere Forderungen sind daher:

  • Wiederaufnahme des Runden Tisches mit zusätzlichen sach - und fachkundigen TeilnehmerInnen sowie unabhängigen Sachverständigen
  • Weitergehende Untersuchungen zum Zustand, Schutz und Erhalt der Platanen vor, während und nach der Ausführung von Baumaßnahmen
  • Durchführung eines ausführlichen Variantenvergleiches auf Grundlage detaillierter Kriterien in den Bereichen: Hochwasserschutzanlagen, Stadtgestaltung, Ökologie, Verkehr, Landschafts- und Naturschutz, Umwelt- und Klimaschutz, Kosten-Nutzen Analyse mit der jeweiligen Begründung für alle Varianten rechtzeitig noch vor Beginn des Planfeststellungsverfahrens.
  • Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse des Variantenvergleichs im Dialogverfahren und in vorgezogenen Bürgerbeteiligungen.

Für Rückfragen oder zu einem Gespräch stehen wir gerne zu Ihrer Verfügung:

Johann Köhler Landschaftsarchitekt + Stadtplaner Tel. 0172-4296497
Dr. Lothar Naumann Tel. 04298-31312

Stellungnahme als PDF zum Download