Gärten des Jahres – so charakteristisch wie eigenständig

Was sind die aktuellen Trends in der privaten Gartenkultur? Gibt es in Privatgärten vielleicht schon Anzeichen auf zukünftige Entwicklungen hinsichtlich der Gestaltung, der Materialwahl oder der Pflanzenverwendung? Sind Problemlösungen zu aktuellen ökologischen Fragen erkennbar, beispielsweise dem Umgang mit Ressourcen oder der Vermeidung von Eingriffen in sensiblen Landschaftsbereichen?

Diese Fragen stellte sich im Juli 2015 unter anderem auch die Jury bei der intensiven Begutachtung und Auswahl der „50 besten Privatgärten 2016“ aus dem deutschsprachigen Raum. Über 150 Gartenprojekte waren von Landschaftsarchitekten und Betrieben des Garten- und Landschaftsbaus  um Wettbewerb eingereicht worden, der 2015 zum ersten Mal vom Callwey Verlag und Garten+Landschaft sowie weiteren Partnern ausgelobt wurde. Da die Wettbewerbsauslobung bewusst keine einschränkenden Vorgaben hinsichtlich der Größe, Lage oder der Gartenstile gemacht hatte, wurde eine große Bandbreite von unterschiedlichen Gartentypen eingereicht. Eine Auswahl der besten Gärten wird in der Dokumentation Gärten des Jahres erstmals gezeigt.

Die Beispiele reichen von repräsentativ bis naturnah, von architektonisch-streng bis informell-dynamisch oder von pflanzenreich-üppig bis puristisch-minimalistisch. Dennoch muss man sich bewusst sein, dass die Auswahl bei weitem nicht die ganze Palette gegenwärtiger Privatgartengestaltung abbildet. Obwohl gut 36 Millionen Deutsche (über 14 Jahre) einen Garten besitzen oder zumindest bewirtschaften, leisten sich nur die Wenigsten davon einen Landschaftsarchitekten. Natürlich ist dies nicht zuletzt auch eine Frage des Geldbeutels. Die im Buch präsentierten Gärten sind also eine eigene Liga für sich: Meist wurden sie im Kontext zu architektonisch anspruchsvollen, modernen Wohnhäusern in Traumlagen oder in Verbindung mit aufwändig renovierten historischen Gebäuden und gutbürgerlichen Stadtvillen angelegt. Sie sind keinesfalls Mainstream, sondern Avantgarde, sie zeugen vom guten Geschmack und den soliden finanziellen Möglichkeiten der Auftraggeber.

Geplant und realisiert wurden die Gärten ausschließlich von Profis, allerdings nicht ausschließlich von größeren, namhaften Planungsbüros, sondern häufig auch von weniger bekannten, kleineren Büros und Ausführungsbetrieben. Wenn man sich die durchweg hochkarätig gestalteten Privatgärten anschaut, wird man feststellen, dass auf den ersten Blick keine einheitlichen Trends zu erkennen sind. So vielfältig die Wünsche der Bauherren und so charakteristisch die Handschriften vieler Planer sind, so eigenständig scheinen auch deren Lösungen hinsichtlich der Freiraumgestaltung zu sein. Jede Planungsaufgabe hat eben ihre eigenen Anforderungen und Herausforderungen. Darauf sollte der Architekt reagieren, indem er beispielsweise den Genius Loci, den Geist des Ortes, intuitiv erfasst und planerisch berücksichtigt. Dies kann sich in der geschickten Einbeziehung oder Überhöhung der örtlichen Gegebenheiten, der Verbindung von Garten und umgebener Landschaft oder dem Herausarbeiten regionaler Eigenheiten durch Materialien und Pflanzenauswahl widerspiegeln. Erst all diese Kriterien zusammen, machen einen guten Gartenentwurf einzigartig, unverwechselbar und letztlich nicht wiederholbar.

So wundert es nicht, dass die vorgestellte Palette der Projekte vom Familien- und Reihenhausgarten bis zum großzügigen Villengarten reicht und der kleine Gartenhof oder die Dachterrasse in der Stadt genauso vorkommt, wie der ländliche Garten am Stadtrand. Außerdem sind weitläufige, parkähnliche Gärten mit grandiosen Fernblicken vertreten. Einige wenige Beispiele setzen sich aber auch mit historischen Kontexten auseinander, und manchmal gewähren uns die Planer sogar seltene Einblicke in ihren eigenen Privatgarten.

Die für das Buch ausgewählten Beispiele belegen eindrucksvoll, dass sich gerade im Bereich der Privatgärten die vielfältigsten Möglichkeiten für eine differenzierte Pflanzenverwendung bieten. Dafür ist es allerdings notwendig, dass sich Gartenbesitzer wie auch Landschaftsarchitekten weiterhin intensiv mit dem Pflanzenmaterial auseinandersetzen, etwas Neues ausprobieren und dazulernen. Das vorliegende Buch bietet dazu eine Fülle von inspirierenden Anregungen.

Text: Cassian Schmidt

Fakten zum Wettbewerb:
Der Callwey Verlag und Garten + Landschaft lobten zum ersten Mal gemeinsam mit ihren Partnern, Mein schöner Garten, BGL Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V., bdla Bund Deutscher Landschaftsarchitekten,DGGL Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V., KANN GmbH Baustoffwerke und Schloss Dyck, den Wettbewerb GÄRTEN DES JAHRES aus und suchten die besten von Landschaftsarchitekten / Garten- und Landschaftsbauern gestalteten Privatgärten im deutschsprachigen Raum. Die überzeugend besetzte Jury erkor im Juli 2015 aus 153 Einreichungen 50 Projekte und benannte aus diesen einen Preisträger und drei Auszeichnungen. Dabei wurde Wert auf ganzheitliche Konzepte gelegt, die den Garten auf individuelle Weise zum erweiterten Wohn- und Genussraum des Nutzers werden lassen. Es sollte eine starke Idee dahinterstecken, der sich Pflanzen, Materialien, Produkte etc. unterordnen. Das Buch zum Wettbewerb präsentiert diese 50 besten Gärten – mit zahlreichen Fotos, Plänen und aussagekräftigen Projektbeschreibungen aus der Feder von Konstanze Neubauer. Und der in Wiesbaden lehrende Professor Dipl.-Ing. Cassian Schmidt steuert die Einleitung bei.

Den mit 5.000 Euro dotierten ersten Preis erhielt das Büro Orel + Heidrich (Herzogenaurach) für die Gestaltung eines großzügigen Hausgartens in Erlangen, dessen sehr schlüssiges Raumkonzept auf verschiedenen Ebenen aus dem Ort heraus entwickelt wurde und dessen Freiräume einen klarem Bezug zur Architektur des Wohnhauses zeigen. Ein vorhandener, hochstämmiger Kiefernbestand wurde geschickt in das Konzept integriert und trägt mit seinem lichten Schattenwurf ganz wesentlich zur besonderen Atmosphäre des Gartens bei. Streng formale Elemente wie Holzdecks, ein Pool und Mauern kontrastieren mit informellen, sensibel abgestimmten, üppigen Staudenpflanzungen.

Einen Sonderpreis der Jury erhielt ein Projekt des Büros Design Associates (Stephan Maria Lang, München), das sich mit der Renaturierung einer Feuchtwiesen-Landschaft in Seeshaupt befasste. Die Herausforderung war hier die besondere Berücksichtigung ökologischer Belange in einem sensiblen Seeuferbereich.

Ebenfalls mit Sonderpreisen ausgezeichnet wurden ein Hausgarten in Bad Zwischenahn in der Kategorie „Grüne Architektur“ (Koch & Koch Garten- und Landschaftsarchitekten, Pähl, mit Carsten Wragge) und ein weitläufiger Villengarten (Meerbusch) in der Kategorie „Englischer Landschaftsgarten“ (Büro WKM Weber Klein Maas, Düsseldorf).

Weitere Infos unter www.gaerten-des-jahres.com

Auch im Film zu sehen: www.mdr.de

Partner des Wettbewerbs sind BGL Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V., bdla Bund Deutscher Landschaftsarchitekten, DGGL Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V., KANN GmbH Baustoffwerke und Schloss Dyck sowie der Callwey Verlag, Garten + Landschaft und Mein schöner Garten.

Die Autoren
Landschaftsarchitekt und Staudengärtnermeister Cassian Schmidt leitet seit 1998 den Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim und lehrt an der FH Wiesbaden sowie an der Geisenheim University. Für dieses Buch hat er das Vorwort verfasst.

Konstanze Neubauer, gelernte Geografin und Landschaftsökologin, ist als freie Journalistin und Autorin für verschiedene Fachzeitschriften und Buchverlage rund um die Themen Garten und Natur tätig. Im Callwey Verlag ist von ihr das Buch „Gartenschätze in Bayern“ erschienen.

Die Jury
Andrea Kögel (Chefredakteurin „Mein schöner Garten“), August Forster (Präsident des BGL), Frank Wollmann (Kann GmbH Baustoffwerke), Jens Spanjer (Präsident DGGL), Elisabeth Lesche (Präsidium BDLA) und Konstanze Neubauer (Autorin).

Cassian Schmidt / Konstanze Neubauer
Gärten des Jahres
Die 50 besten Privatgärten 2016
2016. 272 Seiten, 472 farbige Abbildungen und Pläne
23 x 29,7 cm, gebunden mit Schutzumschlag
€ [D] 59,95; € [A] 61,70; sFr. 79,00
ISBN 978-3-7667-2204-1