Exkursion: Festung Magdeburg - die Anlagen des 19. Jahrhunderts an der Westfront, Mai 2014

Dass Magdeburgs Stadtgeschichte neben den beiden Ottos (Kaiser Otto I. und Otto von Guericke) auch eine wichtige Periode als brandenburgisch-preußische Festungsstadt beinhaltet, hat gerade in jüngerer Zeit schon einige Verbreitung erfahren. Doch ist außerhalb Magdeburgs auch knapp 10 Jahre nach der hier abgehaltenen internationalen Festungs-Tagung und trotz der alljährlichen, sehr erfolgreichen Festungstage noch immer recht wenig über die Wirkungen dieser militärischen Geschichte auf die Entwicklung der Elbestadt sowie zu Art und Umfang der erhaltenen baulichen Zeugnisse bekannt. Anknüpfend an bürgerschaftliche Initiativen und verschiedene Teilprojekte wurde ab 2011/12 begonnen, diese komplexe Materie in einem Denkmalpflegeplan zu fassen. Als Bearbeiter dieses Planwerkes führten Katja Trippler und Michael Keller entlang eines Teilabschnitts des früheren Festungsgürtels, der sogenannten Westfront. Erzwungen durch eine dringend nötige Stadterweiterung und für die Einrichtung des heutigen Hauptbahnhofs waren hier die ursprünglichen Festungswerke ab 1869 verlagert und in modernisierter Form neu errichtet worden. In Verbindung mit dem etwa zeitgleich angelegten Ring von Forts und Zwischenwerken vor der Festungsstadt entstand so ein frühes Beispiel für den Bautyp der preußisch-deutschen Großfestungen des 19. Jahrhunderts. Auch wenn der westliche Festungsabschnitt in den 1970er Jahren durch den Straßenbau (Magdeburger Ring) in Mitleidenschaft gezogen wurde, so beeindruckten auch bei dieser Führung die Ausmaße der stadtseitig erhaltenen Baulichkeiten (Kavaliere) und besonders der imposante Hauptgraben. An der Außenseite dagegen befindet sich mit den Glacis-Anlagen ein Gartendenkmal, welches im Unterschied zu den sonst üblichen Wallanlagen nicht in Nachnutzung fortifikatorischer Einrichtungen, sondern zeitgleich mit dem Neubau der Verteidigungsanlagen gestaltet worden war. Angesichts der Resultate von Freilegungen und Erschließungen der Festungwerke sowie Instandsetzungen der Gartenanlage, aber auch von noch ungelösten Problemstellungen entwickelte sich der Rundgang zum angeregten Austausch von Eindrücken und Ansichten. Demnächst soll die Zielbestimmung für die künftige Entwicklung der fortifikatorischen Anlagen der Westfront durch einen städtebaulichen Rahmenplan weiter konkretisiert werden.

Autor und Fotos: Michael Keller.