Der Georgengarten und die Meisterhäuser in Dessau, April 2013

Am Blumengartenhaus.
Die erneuerte Allee zum Sphingenportal und dem Mausoleum.
Der Ionische Tempel.
Die umstrittene Mauer des Meisterhäuser-Ensembles.
Baustelle des Hauses Gropius (Direktorenhaus).

 

Wie in jedem Frühjahr stand wieder der Besuch einer Anlage des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs auf dem Programm. In diesem Jahr besichtigten wir den Schlosspark Georgium, welcher sich in Trägerschaft der Stadt Dessau-Roßlau befindet. Frau Dr. Lott (Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Denkmalpflege, Abt. Freiraum und Grünflächen) stellte uns die jüngsten Resultate gartendenkmalpflegerischer Projekte vor, die im Zusammenhang mit der Weltkulturerbeförderung umgesetzt werden konnten.


Schloss und Garten Georgium entstanden im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts für Prinz Johann Georg, den jüngeren Bruder des u.a. als Schöpfer des Wörlitzer Parks bekannten Fürsten Franz von Anhalt-Dessau. Nachdem während der letzten beiden Jahrhunderte einige Ergänzungen und Veränderungen erfolgt waren, ist man seit einiger Zeit bestrebt, den Garten im ursprünglichen Stil zu bewahren und instandzusetzen. Dies zeigt sich jetzt u.a. beim neu bepflanzten Schlossvorplatz mit den Plastiken der Venus de Medici und des Apollino. Die Ausstattung des Blumengartens wurde im Zuge der Erneuerung wieder dem Staudensortiment des 18. Jahrhunderts angenähert. Auch das Schloss Georgium selbst ist derzeit Gegenstand einer Baumaßnahme, über die Frau Lüttich (Untere Denkmalschutzbehörde) informierte. Vorerst sind umfangreiche Ertüchtigungen (Statik, Brandschutz) beabsichtigt sowie eine Optimierung hinsichtlich der weiteren Nutzung durch die Anhaltische Gemäldegalerie. Weitere Stationen des Rundgangs bildeten u.a. der Gesenkte Sitz am Roten Bogen, das Vasenhaus, das Fremdenhaus, der Ionische Tempel, der Heilige Hain (mit dem wieder aufgestellten Dreifuß-Altar) und die Sieben Säulen.


Von den Sieben Säulen aus fällt der Blick nicht nur (in der programmatisch beabsichtigten Weise) auf den Amaliensitz als point de vue, sondern zuerst auf die nun wiedererrichtete Mauer am Grundstück der Meisterhäuser mit der von Mies van der Rohe ergänzten Trinkhalle. Dieses Bauvorhaben hatte in der Bevölkerung ebenso kritische Anteilnahme erfahren, wie die Diskussion um den Umgang mit den kriegszerstörten Häusern Gropius (Emmer) und Moholy-Nagy. Die Optionen, den Nachkriegszustand zu akzeptieren, die Verluste durch detailgetreue Rekonstruktionen zu kompensieren oder (im Sinne der Bauhaus-Philosophie) mit zeitgenössischen Mitteln das Ensemble der Meisterhäuser zu vervollständigen, waren in den letzten Jahren Gegenstand einer weit überregional geführten Debatte. 2011 wurde mit der Realisierung des „Artefakt-Konzepts“ begonnen, mit dessen Fertigstellung bald die „Städtebauliche Reparatur der Gesamtanlage der Meisterhäuser“ vollendet sein wird.


Autor und Fotos: Michael Keller