Besichtigung des „Eichenkranz“ in Wörlitz, April 2012

Stadtseite des "Eichenkranz"
Der "Eichenkranz" von Westen
Decke im Saal "Sonne"
Ausblick nach Neumarks Garten
Kamin-Detail

Die alljährliche Frühjahrsexkursion des Landesverbandes Sachsen-Anhalt in das Dessau-Wörlitzer Gartenreich war diesmal dem historischen Gasthof „Eichenkranz“ gewidmet. Als markantes „Tor“ bildet dieses Gebäude den Auftakt jedes Besuchs des weltberühmten Landschaftsparks. Doch war es seit den 1990er Jahren in einen „Dornröschenschlaf“ gefallen, der zunehmend den Charakter fortschreitenden Verfalls annahm. Der Rettung dieses wichtigen Bestandteils der Wörlitzer Kulturlandschaft hat sich seit einigen Jahren die Gesellschaft der Freunde des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches e.V. verschrieben, als deren Vertreter Herr Landgraf uns durch das in Restaurierung befindliche Gebäude führte.


Als angemessene Herberge für die Gäste des Fürsten Franz von Anhalt-Dessau war der stattliche Fachwerkbau um 1785-87 errichtet worden (wahrscheinlich nach Plänen Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorffs). Aus den Zimmern, deren Bezeichnungen sich auf populäre Reiseziele der damaligen Zeit bezogen (u.a. Amsterdam, Herculaneum, London, Paris und Petersburg), blickte man auf die Parklandschaft, so nach Neumarks Garten mit dem Südseepavillon. Neben den Baumeistern David und Friedrich Gilly sowie Friedrich Schinkel logierten hier auch die Dichter Ludwig Tieck, Friedrich Hölderlin und Novalis sowie der Schriftsteller Theodor Körner.


Während der jüngere Saalanbau und die Fassaden des „Eichenkranz“ sich schon in neuem Glanz präsentieren, war das Innere vom gegenwärtigen Baugeschehen bestimmt. Historische Leinwandtapeten mit einer Gesamtfläche von mehr als 200 m² sind geborgen und werden gegenwärtig außer Haus gelagert. Etliche Befunde, vor allem die Stuckdecke mit Tierkreiszeichen im Saal „Sonne“, gaben dennoch einen Eindruck von früherer und hoffentlich bald wiedererstehender Pracht. Zwar kann die Funktion des Gebäudes als Herberge nicht reaktiviert werden, doch sollen künftige Ausstellungs- und Veranstaltungsräume die kulturellen Angebote in Wörlitz abrunden.


Die Rettung des „Eichenkranz“ wird, neben Fördermitteln und Großstiftungen, nicht zuletzt durch eine Vielzahl von Einzelspenden ermöglicht. Dies dokumentiert eine Fachwerk- schauwand im angrenzenden Obstgarten, wo bereits zahlreiche Beiträge durch einen „Sponsorenstein“ gekennzeichnet werden. Diesem Engagement schloss sich der Landesverband Sachsen-Anhalt gern an und bedankte sich für die sehr gelungene Führung ebenfalls mit einer Spende.

 

Autor und Fotos: Michael Keller