01.01.1970

Neue Kraftquellen: Erinnern, Forschen und Hinhören

Hinüberscher Garten, Marienwerder

Hörhappen und der Blick hinter die Kulissen der Audioproduktion

An einem warmen Augustabend konnte die DGGL den innovativen Audiowalk durch den Hinüberschen Garten in Marienwerder vorab testen. Die Landschaftsarchitektin Stefanie Krebs (Tonspur Stadtlandschaft) und die Radiojournalistin Birgit Schütte haben einen Weg durch einen der frühesten Landschaftsgärten in Deutschland gelegt und verschiedene Stimmungen vertont. Am 15. September wird diese Audioproduktion veröffentlicht, vorher konnte die DGGL aber exclusiv erfahren, mit welchen Schwierigkeiten die Autorinnen des Pfades zu kämpfen hatten und wie sie ausgewählt haben, was wichtig und interessant ist. Ohne Zweifel wird sich hier ein Feld neuartiger Natur- und Gartenkulturvermittlung auftun, bei dem die Landeshauptstadt Hannover jetzt schon eine führende Rolle innehat.

Der Schöpfer des Gartens, Jobst Anton Hinüber, führt uns als junger Mann durch den Garten. Er bereist England als 20jähriger auf seiner Grand Tour und wollte dann als Mann der Aufklärung und als Freimaurer in Hannover eben diese Erlebnisse auch anderen zugänglich machen. Seine Beschreibungen von Landschaftsgärten beziehen sich auf berühmte englische Gärten, leider nicht auf Marienwerder, weshalb uns eine spätere Beschreibung von Christian Cay Lorenz Hirschfeld den Garten mit seinen Staffagen und Stimmungen näherbringt. Sperrige Zitate werden plötzlich dadurch verständlich, dass ein professioneller Schauspieler diese langsam und betont liest. Dazu kommen Musikkompositionen. Die Gartenbilder erscheinen vor unserem inneren Auge und wir können uns den Park im 18. Jahrhundert viel besser vorstellen als zuvor. Aber auch heutige Annäherungen an die Parklandschaft werden geboten. Schüler haben sich zum Beispiel mit der Aufklärung beschäftigt, an einigen ausgewählten Orten erfahren wir, wie junge Erwachsene mit dem Tod und traurigen Erlebnissen heute umgehen.

Auf die Frage, ob wir denn in Zukunft immer mit Ohrstöpseln durch die Landschaft marschieren sollen, antwortet Stefanie Krebs ohne Zögern: „Selbstverständlich nicht. Das Hörerlebnis ist einzigartig, man kann es einmal nutzen, wenn man gerade mehr wissen will. Man kann den Park dann aber immer wieder auch direkt und ohne Geschmacksverstärker genießen.“   

In der Diskussion wurden Ideen gesammelt, wo wir uns weitere neue Angebote wünschen, wo sie sinnvoll eingesetzt werden können und wo eher nicht: Spannend sind alle Orte, die besondere Geschichten für uns bereit halten, ein Friedhof zum Beispiel, bei dem man mehr über die Menschen erfahren will, die dort begraben liegen, oder das Figurenprogramm eines historischen Gartens, bei dem wir die antiken Erzählungen von Apollo und Diana wieder auffrischen oder einfach Orte, an denen es spannende Themen und verstecktes Wissen zu entdecken gibt.

Stefanie Krebs konnte uns dies sehr gut erklären und erzählen. Wir hatten die Konserve und die lebendige Autorin vor Ort. Die Hörhappen konnten so später in idealer Art und Weise mit realen Happen von Karin Degenhardt und einem Glas Wein kombiniert werden.  

 

Text: Bettina Oppermann 23.08.2013
Foto: © Bettina Oppermann 21.08.2013