Mitgliederversammlung und Vortrag Postfossile Landschaften

Windräder in den Alpen (Reschenpass, Italien)
ein ungewohnter Anblick, verstellte Bergkulisse
Protest der Anwohner, Plakat unten links im Bild

Gleich nach der Mitgliederversammlung startete der erste Vortrag dieses Jahres. Passend zum DGGL-Jahresthema „Energielandschaften“ zeigt Prof. Dr. Martin Prominski vom Institut für Freiraumentwicklung der Leibniz Universität Hannover, Fachgebiet Entwerfen urbaner Landschaften, in seinem Vortrag „Wie können wir postfossile Landschaften gestalten“ auf, wie sich Landschaften im Verlauf der Menschheitsgeschichte veränderten. Je nach Energiesystem und kultureller Selbstorganisation der Bevölkerung entwickelten sich nach Rolf Peter Sieferle aus der Naturlandschaft (bis etwa 10 000 v. Chr.) die Agri-Kulturlandschaft (bis etwa 1750) und die Totale Landschaft (ab 1750). Die 2011 beschlossene Energiewende und der für Niedersachsen beabsichtigte totale Umstieg auf erneuerbare Energien bis 2040 impliziert derzeit eine vierte, die Postfossile Landschaft, mit Windrädern, Solarkraftwerken, Biogasanlagen, großflächigem Mais- und Rapsanbau etc.

Die Landschaft als Träger und Produktionsort für Energie rückt insbesondere im näheren Umkreis der Verbraucher, also im Bereich von Siedlungs- und Wirtschaftsräumen, in den Focus der Planer, die einer ungeordneten Verspargelung, Vermaisung und Verspiegelung entgegen wirken können. Anhand fundierter Untersuchungen und Berechnungen im Rahmen von Studienarbeiten sind Beispiele gut gestalteter postfossiler Landschaften entworfen worden, in denen die visuelle Qualität und Identität einer Region gefördert wird und damit auch die Akzeptanz erneuerbarer Energie steigt. Als Varianten werden sowohl Energiealleen als auch abwechslungsreich gestaltete Energieregionen mit sinnvoll angeordneten Strukturen aus Energieträgern und –erzeugern vorgestellt.

 

Text: Angelika Weißmann 20.02.2013
Fotos: © Martina Gollenstede 12.04.2012