Gartendenkmalpflege im Fokus: Das Parkpflegewerk Gartenfriedhof

Der Gartenfriedhof in Hannover

Gesucht wird nach einer gartenplanerischen Zielentwicklung für die Gestaltung des seit 1864 aufgelassenen und zur Grünfläche umfunktionierten Friedhofs in der hannoverschen Südstadt. Der Gartenfriedhof ist ein besonderer Ort, der zahlreiche Grabstellen auch überregional berühmter Persönlichkeiten beherbergt und dadurch Touristen anlockt, aber mangels weiterer Grün- und Erholungsflächen in der Umgebung von Anwohnern, spielenden Kindern, Hundehaltern und sozialen Randgruppen oft nicht angemessen genutzt und übernutzt wird. Zahlreiche DGGL-Mitglieder und Gäste, wie einige VertreterInnen der Vereins „Renaissance Gartenfriedhof“, folgten im gut gefüllten Vortragssaal der Stiftung Niedersachsen den Ausführungen von Dipl.-Ing. Andreas von Hoeren (von Hoeren/Handke, Grün- und Landschaftsplanung, Bad Salzdetfurth) zu seinem im Auftrag der Landeshauptstadt Hannover erstellten Parkpflegewerk für den als Gartendenkmal ausgewiesenen Gartenfriedhof.

Die Empfehlungen des Parkpflegewerks von Hoerens basieren auf detaillierten Untersuchungen zur Entwicklungsgeschichte des Gartenfriedhofs sowie umfangreichen Bestandsaufnahmen, die anhand von historischem Kartenmaterial, Fotos sowie Analyse- und Kartierungsplänen veranschaulicht werden. So entstand der Gartenfriedhof 1741 als „neuer Kirchhof vor dem Aegidientor“ außerhalb der befestigten Stadt in der von formalen Nutzgärten geprägten Gartenvorstadt. Er erhielt eine Hainbuchenhecke als Umgrenzung, folgte darüber hinaus jedoch nur einem damals üblichen, dem Gliederungsprinzip des „Herrnhuter Gottesackers“ entsprechenden, einfachen Grundmuster. Auf dem ursprünglich sechs Morgen großen Friedhofsareal entstanden wenige Jahre später das erste Kirchengebäude sowie ein Totengräberhaus mit Privatgarten und ein Schulgebäude. Mitte des 19. Jahrhunderts führte rasche Bevölkerungszunahme in Hannover zu ausgedehnter Bautätigkeit, sodass der Gartenfriedhof schon etwa 120 Jahre nach seiner Eröffnung von Bebauung umgeben war und 1864 geschlossen wurde. Nach seiner Auflassung entwickelte er sich zu einem Refugium der Erholung mit profanen Nutzungsformen. Wege wurden verbreitert, die Hecke entfernt und sogar ein Spielplatz eingerichtet, während allerdings auch einige Grabmale verfielen und Hundekot und Müll die Fläche verschandelten. Diese Zustände haben nicht zuletzt bürgerschaftliches Engagement und Initiativen zur Erhaltung der Schönheit des Gartenfriedhofs hervorgerufen.

Eine Reihe von Maßnahmen sollen gemäß „schöpferischer Denkmalpflege“ den heutigen Missständen entgegenwirken, die hohe Bedeutung und Qualität des Gartenfriedhofs wieder zur Geltung bringen und dabei alle Nutzergruppen zum Zuge kommen lassen. Wichtigste Aufgabe sei es, so von Hoeren, den NutzerInnen den großen kulturellen und denkmalpflegerischen Wert dieses besonderen Ortes zur Kenntnis zu bringen und so ein angemessenes Nutzungsverhalten zu fördern. Die Empfehlungen des Parkpflegewerks zur zukünftigen praktischen Gestaltung der Friedhofsfläche umfassen zurückhaltende, an Vorhandenes oder früher Dagewesenes anknüpfende Mittel, wie beispielsweise die Wiederherstellung wichtiger Wege und platzartiger Situationen, die Überarbeitung des Bewuchses und Reduzierung des Großbaumbestands, die stilgerechte Einfassung der Fläche und wichtiger Gräber sowie das Aufstellen von Informationstafeln. Die MitarbeiterInnen der Landeshauptstadt Hannover haben bereits mit der Umsetzung der wichtigsten Arbeiten begonnen.

 

Text: Angelika Weißmann 10.04.2013
Foto: © Martina Gollenstede 03.06.2008