Nachlese zu den 24. Nordischen Baumtagen in Rostock Warnemünde

Begrüßung durch die Organisatoren
Rainer Hilsberg (Augsburg)
Klaus Körber (Veitshöchheim)
Prof. Dr. Dirk Dujesiefken (Hamburg)
Dr. Horst Stobbe (Hamburg)
Dr. Phillip Schönfeld (Veitshöchheim)
Dr. Marcus Streckenbach (Bochum)
Dr. Ralf Bill (Rostock)
Klinikpark Gehlsdorf
Baumpflanzung auf dem Alexandrinenplatz in Warnemünde
Vorführung der Alpina AG zusammen mit dem ASNL
Drone für die Photogrammetrie
Aufgrabung des Wurzelbereiches einer Linde am Alten Strom
Erläuterungen durch Eckhard Zemke (Schwerin)
Empfang durch Dr. Wolfgang Nitzsche, Präsident der Bürgerschaft
geselliges Beisammensein in der Petrikirche

Herzlich Willkommen liebe Baumtage – Familie …

das waren die ersten Begrüßungsworte von Stefan Patzer. Wer hätte gedacht, dass wir einmal die 25 voll kriegen mit dieser Fachveranstaltung? Viel hat sich seit den Anfängen getan in der Brunche, die Tagung ist wichtiger denn je und hat ihren festen Platz im Kalender vieler Baumpfleger, Planer, Förster, Behördenmitarbeiter und Gutachter, nicht nur aus Mecklenburg / Vorpommern. Da ist es eben auch sehr wohltuend, dass man sich kennt und in meist lockerer Atmosphäre über Probleme redet und auch eigene Themenvorschläge einbringen kann. 

Für uns vom Team Stadtbäume aus dem Amt für Stadtgrün Rostock gab es an allen drei Tagen Vorträge und Vorführungen,  die für unsere Arbeit ausgesprochen wichtig waren. Allein das Thema Rechtsprechung zur Verkehrssicherheit bei Bäumen, vorgetragen von Herrn Rainer Hilsberg aus Augsburg, hat uns allen wieder einmal die Augen für die Brisanz dieser Thematik geöffnet. Wer möchte schon, dass Menschen durch Bäume zu Schaden kommen? Die Idee von Bäumen in der Stadt ist ja eigentlich mit der Wohlfahrtswirkung der grünen Riesen verbunden. Doch wie findet man das richtige Maß zwischen Baumschutz und der Vermeidung von Haftungsansprüchen? Herr Hilsberg hat in diesem Zusammenhang über richtungsweisende Rechtsprechung berichtet. Der Klimawandel macht z.Zt. viel von sich reden und beschert uns nicht nur neue Krankheiten und Schädlinge, sondern erfordert auch ein Umdenken bei der Verwendung von Arten und Sorten. Dies ist sicherlich ein Planungsthema der Zukunft aber oft kommen Ideen und Anregungen von den Praktikern, die wiederum gut einschätzen können, was sich am Standort bewährt hat oder nicht. Es gibt also Alternativen bei der Wahl der Baumart/ - sorte, über die Herr Klaus Körber aus Veithshöchheim referierte. Viele Ideen aus diesem Vortrag wurden von uns notiert, um sie bald auszuprobieren. Bei der Liste der vorgestellten Arten und Sorten gibt es auch eine erstaunliche Übereinstimmung mit dem Straßenbaumtest II der GALK. Offensichtlich kommen die Fachleute aus verschiedenen Projekten zu ähnlichen Ergebnissen. Passend zum Klimawandel auch die Vorstellung des neuen Rosskastaniensterbens von Prof. Dr. Dirk Dujesiefken vom Institut für Baumpflege Hamburg. Hier handelt es sich um eine Krankheit, die inzwischen auch in unserem Bundesland angekommen ist und unsere Kastanien innerhalb kürzester Zeit zum Absterben bringt. Unsere Kollegen können nach diesem Vortrag noch sicherer an die Baumkontrolle gehen, weil sie etwas über die Symptome und  Erreger gelernt haben. Beängstigend ist diese Erkrankung und es bleibt die Frage, ob es Einzelbäume geben wird, die überleben, damit diese Baumart nicht aus unseren Städten verschwindet. Auch beängstigend zwei  eingeschleppte Schädlinge aus Asien, die in Deutschland bereits ihr Unwesen treiben und in einzelnen Kommunen zu einer großflächigen Rodung von Baumbeständen geführt haben. Über den asiatischen Laubholzbockkäfer und den Citrusbockkäfer berichtet ausführlich Herr Dr. Robert Schmidt vom Landespflanzenschutzdienst. Wie unterscheidet man die Schadbilder? Welche Gegenmaßnahmen müssen durchgeführt werden? Wir hoffen sehr, dass uns diese Schädlinge erspart bleiben und wenn, dass sich in einigen Jahren auch unsere heimischen Spechte um diese Käfer kümmern. Dr. Horst Stobbe vom Institut für Baumpflege berichtet über die aktuellen Erkenntnisse zum Einsatz von Stammschutzfolie und Stammanstrichen. Das Anbringen von Stammschutzfolie bei Anfahrschäden wurde viel diskutiert, ist aber seit einigen Jahren Stand der Technik. Neu untersucht wurde nun, ob die Farbe der Folie eine Rolle spielt. Außer bei der Farbe Weiß gab es jedoch keine gravierenden Unterschiede, so dass weiterhin die Empfehlung für dunkle, lichtundurchlässige Folie von den Fachleuten ausgesprochen wird. Auch der weiße Stammanstrich ist mittlerweile bei Baumneupflanzungen Stand der Technik. Bei richtiger Anwendung des Stammanstriches sollten Ausfälle, Pilzbefall u.a. Misserfolge auch weitestgehend ausgeschlossen sein und sind zumindest nicht auf den Anstrich zurückzuführen.

Wie soll es aber denn nun mit unseren Alleen in Mecklenburg / Vorpommern weiter gehen? Ein von Naturschützern und Planern viel diskutiertes und z.T. sehr emotionales Thema – Lückenpflanzung ja oder nein? Wolf Polzin aus der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Rostock hat sich mit diesem Thema ausführlich auseinander gesetzt und sowohl die Geschichte der Alleen als künstliches, Landschaftsprägendes Element als auch das Wachstum der Bäume unter Lichtmangel beleuchtet. Fazit – Egal ob eine Entscheidung für oder gegen Lückenpflanzung in Alleen getroffen wird, muss man sich über die Folgen im Klaren sein. Eine Allee verändert ihr Bild für immer, wenn von dem einheitlichen System abgewichen wird. Wir müssen wissen, was wir wollen! Wenn wir uns dann entschieden haben, müssen wir die richtige Baumart wählen und einen optimalen Standort gestalten. Hierzu gehören die richtigen Substrate und die ausreichende Versorgung unserer Stadtbäume. Dr. Philipp Schönfeld aus Veitshöchheim hat hierzu ausführlich referiert. Ebenso zu beachten ist das Wurzelwachstum der Bäume im Straßenraum. Über interessante Untersuchungen zum Thema hat Prof. Martin Thieme – Hack aus Osnabrück berichtet und es bleibt auch in den nächsten Jahren ein spannendes Thema hinsichtlich weiterer Forschung und Entwicklung. Was passiert mit unseren Bäumen bei Veränderungen des Wasserhaushaltes/Grundwasserstandes, was bei Baumaßnahmen inzwischen leider immer häufiger vorkommt. Dr. Marcus Streckenbach, Sachverständiger aus Bochum hat dazu an mehreren Beispielen, die er persönlich begleitet hat, die Auswirkungen an den Bäumen (die ja nicht mehr weglaufen können) erläutert und dokumentiert. Dies war ein spannendes Thema für Bauleiter und Planer, die auf der Baustelle plötzlich mit diesem Thema konfrontiert sind.

Verwaltung und Baummanagement wird immer wichtiger und somit war der Nachmittag des 1. Tages   Erfassungsmethoden und Baumkataster  - Systemen vorbehalten. Dazu wurde von Dr. Ralf Bill von der Universität Rostock die AUS – Photogrammetrie als 3D – Erfassungsmethode vorgestellt und von Maik Brandt das in Rostock verwendete Baumpflegemanagement pit – Kommunal als Baustein im digitalen Grünpflegemanagement. 

Bei den Nordischen Baumtagen sind Rundgänge, Exkursionen und Vorführungen oft das Besondere, weil praxisnah und zum Anfassen. So war der Rundgang durch den Klinikpark Gehlsheim nicht nur schön, sondern auch spannend, befasste er sich doch mit der Parkgestaltung im Spannungsfeld Baumschutz, Artenschutz und Denkmalpflege. Heiße Diskussionen und eine wunderschöne kleine und feine Gärtnerei bleiben uns in Erinnerung. Viele der angesprochenen Themen wurden am Nachmittag des zweiten Tages bei verschiedenen Vorführungen vertieft. Auch hier ist neben der lehrreichen und informativen Veranstaltung das Gespräch am Rande mit anderen Fachkollegen wichtig: „Welches System verwendet Ihr? Wo liegen die Probleme? Wie macht Ihr das mit den Aufträgen? Kann ich so ein Hand – Held – Gerät mal ausprobieren? Wie hat sich der Baumbestand in den letzten Jahren entwickelt? Hattet ihr viele Fällungen? Dort hätte ich gar keine Wurzeln vermutet! Was ist das für eine Baumart? usw.“ Egal ob die fachgerechte Baumpflanzung, die Untersuchung der Substrate und des Wurzelwachstums, die Baumerfassung aus der Luft oder die Erläuterung des Baummanagement pit – Kommunal, es waren für jeden interessante Angebote dabei. Letztendlich konnten auch bei der Abschlussexkursion nach Graal – Müritz noch einmal einzelne Baumthemen diskutiert werden. Landschaftsarchitekt Dirk Evert führte durch den Rhododendronpark, welcher einst von seinem Vater geplant wurde. Auch hier sind uns einige der bereits besprochenen Themen wieder begegnet. Es ging um Gestaltung, vor allem im Zusammenhang mit den Altbäumen, um Baumschäden und Verkehrssicherheit, um die Reaktion der Bäume auf Wasserstandsveränderungen u.v.a.m.

 

Die verbindenden Elemente der Nordischen Baumtage sind seit vielen Jahren der Büchertisch in den Pausen (Wahnsinnsauswahl von Baumbüchern und seit letztem Jahr mit Gummibärchen!) und die Abendveranstaltungen. Für letztere wird immer wieder eine neue Location gefunden, da staunt selbst der „Einheimische“. Die Bilder dazu sprechen ihre eigene Sprache … zufriedene, fröhliche Gesichter in entspannter Atmosphäre bei dem einen oder anderen Fachgespräch. Raum für Diskussionen ist wichtig und manchmal etwas knapp nach den Vorträgen. Aber die Nordischen Baumtage sind für uns ein wirklicher Motivationsschub. Vorträge, Fachsimpeln mit Kollegen und das „Jubiläumsbier“ bleiben in wirklich guter Erinnerung. Großer Dank gilt dem Organisationsteam, den Kollegen im Hintergrund, die Namensschildchen basteln und Essenmarken besorgen, die Bücher auspacken und Listen schreiben, die Technik bedienen und kleine Pannen beheben, die Rätsel und Tagesmotto erfinden. Macht weiter so, denn wir kommen wieder! 

 

Team Stadtbäume aus dem Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege Rostock