21. Nordische Baumtage in Rostock

Das Auditorium im TZW
Forstlicher Wettkampf auf dem Köhlerhof im Regen
Detlef Thiel, Dresden
Vorführung einer Großbaumverpflanzung
Baumpflanzung mit Wurzelstern

Veranstaltungsprogramm

Und wieder ein fachlicher Gewinn- die 21. Nordischen Baumtage in Rostock- Warnemünde.

Zum wiederholten Male fanden die Baumtage unter der erfahrenen Federführung des Amtes für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege der Hansestadt Rostock und der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur Landesverband M-V e.V. statt.

Das erfahrene Dreiergespann Steffie Soldan, Stefan Patzer und Wolf-Peter Polzin hatte wieder ein abwechslungsreiches und spannendes Programm zusammengestellt. Aber es wäre auch vermessen zu behaupten, dass nicht auch das „Drumherum“ in Form von tollen Exkursionen und den berühmten Abendveranstaltungen zum Erfolg und dem guten Ruf der Baumtage beigetragen hätten.

Auch in diesem Jahr mischten sich wieder Vorträge zu rechtlichen Problemen der Baumkontrolle mit fachlichen Erfahrungen. Es gab Neues zu Krankheiten und Schädlingen und alte Theorien und Tests wurden auf den Prüfstand gehoben.

Nach dem wissenschaftlich hervorragend untersetztem Anfangsvortrag von Prof. Dr. Franz Gruber zur Bruchsicherheit freigestellter Bäume beschrieb Dr. Iris Wagner die Probleme des Wild-Apfels (Malus sylvestris). Diese liegen vorrangig in seiner Seltenheit und dem Vorkommen als Einzelbaum. Mangelnde Kartierungen und geringe Stückzahlen erschweren die genaue Bestandsaufnahme und gezielte Schutzmaßnahmen. 

Johannes Stuffrein referierte über die Probleme und Erfahrungen der Stadt Köln bei der flächigen Baumkontrolle. In der anschließenden Diskussion wurde schnell deutlich, dass es große Unterschiede in der Herangehensweise der verschiedenen Kommunen gibt.

Der Niedergang und Aufstieg der Elsbeere ist sicher nicht wörtlich zu nehmen, vielmehr war dies das Thema des erfahrungsgemäß außerordentlich spannenden und hervorragend recherchierten Vortrages von Wolf-Peter Polzien. Nach einem intensiven und für den „Laien“ ziemlich chancenlosem Ausflug in die Welt der Taxonomie wurde schnell deutlich, dass W.P. Polzien bei seiner Begeisterung für alles „Hölzerne“ eine tiefe Zuneigung zur Elsbeere hegt. Wunderbare Bilder kombiniert mit unterhaltsamem Wissen und Elsbeer - Artikeln zum Anfassen schafften einen flüssigen Übergang zur anschließenden Busexkursion in die Rostocker Heide.

Neben dem Informellen, welches der Amtsleiter des Stadtforstamtes Jörg Harmuth unterhaltsam vermittelte, konnten die Tagungsteilnehmer nach kurzem Suchen ein Exemplar der Elsbeere in der Rostocker Heide bewundern. Nach kurzer Busfahrt querfeldein wurden alle im Forst- und Köhlerhof erwartet, wo auch direkt nach der Ankunft stärkere Niederschläge einsetzten. Diese hielten zuverlässig an, bis alle nach einem trotzdem sehr lustigen Abend bei gutem Essen und noch besseren Gesprächen wieder in den Bus stiegen.

„Die Mistel- das unbekannte Wesen“ dachten viele Tagungsteilnehmer, als Prof. Andreas Roloff zu diesem interessanten Thema referierte. Sicher wussten die wenigsten, dass es 3 Unterarten der Mistel gibt, dass das Wurzelsystem der Mistel im Holz der Wirtspflanze weit verbreitet ist und die Etablierung auf dem Wirt in mehreren Schritten vonstattengeht. „Die Mistel ist ein ungemein faszinierendes Gehölz, vielleicht das ungewöhnlichste heimische überhaupt. Allein dies sollte einen gewissen Respekt vor ihrer Lebensweise und etwas Toleranz gegenüber ihren Schäden an Wirtsbäumen hervorrufen.“ (Roloff)

Einen ähnlich schwierigen Stand in den Augen der Baumkontrolleure und Baumpfleger hat der Efeu, er wurde Thema des Vortrages von Thomas Ludwig. Entgegen der landläufigen Meinung, dass ein efeubewachsener Baum die Kontrolle unmöglich macht, versuchte er eine Lanze für diese Kletterpflanze zu brechen. Sein Vorschlag, an gesunden und schadfreien Bäumen den Efeu zu belassen wurde in der anschließenden Diskussion intensiv debattiert.

10 Jahre nach dem ersten Vortrag zu diesem Thema erörterte Dr. Robert Schmidt den aktuellen Stand der Kastanienminiermotte in M-V. Auch wenn dieser Schädling im Norden bei weitem nicht so etabliert ist, wie in den südlichen Bundesländern ist man doch auch hier von einem gravierenden Lösungsansatz (natürliche Feinde oder Bekämpfung durch den Menschen) noch weit entfernt.

Kurz vor der Mittagspause hatte Prof. em. Helmut Schreier die Aufgabe, die Teilnehmer mit einem etwas emotionalen Thema zum Denken anzuregen. Was wäre, wenn Kinder mit ADHS statt eines Ganges in die Apotheke oder zum Neurologen bei einem Spaziergang mit ihren Eltern im Wald therapiert würden? Sein Vortrag warf einige Fragen und unterschiedlichste Ansichten auf, welche im Rahmen der Veranstaltung nicht beantwortet werden konnten.

Gemeinsam sprachen Dr. Ute Fischer-Gäde und Detlef Thiel dann über die Straßenbaumkonzepte von Rostock und Dresden. Trotz unterschiedlicher Verfahrensweisen und Budgets wurde deutlich, wie wichtig für die Kommunen zukunftsweisende Konzepte für den Umgang mit den Straßenbäumen (gesamtstädtisch oder in Teilbereichen) sind.

Im nachfolgenden Vortrag von Christoph Bennerscheidt und Dr. Markus Streckenbach wurde auf die Probleme dieser Straßenbäume Bezug genommen. In aufwendigen Forschungen wiederlegten sie die These, Bäume wüchsen allein wegen des Wassers in vorhandene Leitungssysteme. Für Mitarbeiter und Planer der Versorgungsunternehmen, aber auch alle anderen am Bau „nach unten“ Beteiligten, bot dieser anschaulich mit Testergebnissen und Bildern unterschiedlich durchwurzelter Leitungen untersetzte Vortrag viel Stoff zum Ansatz neuer Theorien. 

Obwohl vom Veranstalter Mitarbeiter aller örtlichen Versorgungsunternehmen mit Hinweis auf diesen Vortrag eingeladen waren, fiel die Beteiligung eher sparsam aus. Dies lässt vermuten, dass in diesem Bereich noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten ist.

Als Ausgleich zum regenreichen Vortag lösten sich die Wolken nach dem Eintreffen der Teilnehmer am Strand von Warnemünde auf und es konnte der Abend bei Grillfleisch, Bier und Meeresrauschen mit einem wunderbaren Sonnenuntergang beendet werden.

Am dritten Tag wurden praxisnahe Themen in Vorträgen und im Freien behandelt. Klaus Schröder erläuterte das Verfahren der Großbaumverpflanzung im Detail. Welche Vorbereitungen sind notwendig, um einen großen Baum zukunftsträchtig zu verpflanzen und welche Bäume sind für diese Maßnahme ungeeignet.

Dr. Jörg Schumacher hatte sich umfassend mit bodenbürtigen Krankheitserregern und ihren Auswirkungen für Nachpflanzungen am Originalstandport beschäftigt. Im Anschluss sprach Dr. Horst Stobbe über die 10jährige Erfahrung des Institutes für Baumpflege mit dem Anbringen von schwarzer Folie nach Anfahrschäden. Nach dieser langen Zeit wurden die betroffenen Bäume untersucht und eine Auswertung der Bildung des Flächenkallus vorgestellt. Das Ergebnis stellte überzeugen dar, dass die Folienbehandlung sicher kein Wundermittel, jedoch eine effiziente und wirksame Möglichkeit zur Unterstützung der Selbstheilung des Baumes darstellt.

Die anschließenden Praxisvorführungen im Barnstorfer Wald vertieften das soeben Gehörte. Großbaumverpflanzung, Stubbenrodung mit der „Wurzelratte“ und der Einsatz des „Wurzelsterns“ waren anschaulich und wurden von vielen fachlichen Diskussionen begleitet. Auch die Ausführungen von Prof. Dirk Dujesiefken zur Baumbiologie und unterschiedlichen Wundreaktionen waren am „Tatort Baum“ wie gewohnt spannend und interessant.

Nach so vielen Jahren bilden die Nordischen Baumtage einen festen Termin im Kalender. Das rundum gelungene Programm mit kompetenten Referenten, aber auch die sehr entspannten und immer mit viel Herzblut vorbereiteten Abendveranstaltungen tragen zum großen Erfolg dieser Tage bei.

Katrin Kröber, garten- und landschaftsarchitektur

Fotos: Stefan Patzer, Kai Lämmel