19. Nordische Baumtage in Rostock

Senator für Bau und Umwelt der Hansestadt Rostock Holger Matthäus
Prof. em. Helmut Schreier „Bäume als Emblem"
Vorführung der Pflanzung von Linden auf dem Kirchenplatz in Warnemünde
Prof. Michael Rode und Dipl. Biol. Holger Ringel in der Diskussion
Berg-Ahorn bei Burg Schlitz
Stamm der Linde in Pölchow
Dipl.-Ing. Patra Jaskula und Dipl.-Ing. Oliver Gaiser
Auf dem Oberwall in Rostock

Veranstaltungsprogramm

Zum 19. Mal fanden in diesem Jahr die Nordischen Baumtage vom 10. bis 12. Juni 2009 in Rostock-Warnemünde statt. Veranstalter waren die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschafts-kultur (DGGL), Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. und das Amt für Stadtgrün, Natur-schutz und Landschaftspflege der Hansestadt Rostock. Das Konzept der Veranstalter, einerseits eine gewisse Schwerpunktsetzung an den jeweiligen Tagen, andererseits aber eine große thematische Vielfalt anzubieten, scheint sich bewährt zu haben. Denn dies ist ein Garant dafür, die unterschied-lichsten Sichtweisen der in zum Teil konträren Kontexten arbeitenden Fachleute aus Forschung, Verwaltung und Praxis kennen zu lernen und zu diskutieren. Mehr als 100 Fachleute aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen deshalb auch in diesem Jahr die Möglichkeit wahr, an 3 Tagen an Fachvorträgen, Vorführungen und Exkursionen teilzunehmen und in einen fachlichen Diskurs einzutreten.

Erstmals hatte der neue Senator für Bau und Umwelt der Hansestadt Rostock Herr Holger Matthäus die dankbare Aufgabe übernommen, die 19. Nordischen Baumtage zu eröffnen, die Bedeutsamkeit der Veranstaltung für die bundesdeutsche Fachwelt hervorzuheben und seine Bereitschaft, auch die 20. Nordischen Baumtagen im Juni 2010 zu eröffnen, erklärt. 

Die in diesem Jahr vorbereiteten Themenschwerpunkte der drei Veranstaltungstage lassen sich schnell auf einen gemeinsamen Nenner bringen- Der Baum als Lebewesen, Kulturdenkmal und Lebensraum- wobei eine Gewichtung auf das Thema „Alleen“ aus Sicht der Kulturgeschichtliche und des Umweltschutzes erfolgte.

Der Schwerpunkt des ersten Tagungstages lässt sich kurz mit einem Zitat von Frederic Mistral umschreiben: „Die Bäume mit tiefen Wurzeln sind die, die hoch wachsen“. So ging es also in dem Vortrag von Klaus Schröder, Lotte, Osnabrück um die Optimierung von Baumstandorten. Trotz grundlegender Veränderungen in der Straßenbautechnik, von Straßenbaumaterialien, Verkehrsdichten und Verkehrsbelastungen (Vibrationen und Lasten), wurde die grundlegende Technik der Baumpflanzung beibehalten und nur in unwesentlichen Details verändert. Das führte in der Vergangenheit zu massiven Wachstumsstörungen und Schäden, welche zum Teil erst jetzt sichtbar werden und u.a. hohe Kosten verursachen. So kann es zu massiven Beeinträchtigungen der Verkehrssicherheit auf Gehwegen und Straßen und /oder zu Wachstumsstörungen und statischen Problemen kommen, wenn sich die Baumwurzeln auf Grund zu geringem durchwurzelbaren Bodenvo-lumen oder ungünstigem Wasser- Nährstoff-Sauerstoff- und Porenanteil oberflächennah ausbreiten. 

Ergänzend und vertiefend zu den Ausführungen von Klaus Schröder referierte Herr Michael Honds, Sachverständiger für Baumwurzel-Rohrleitungsinteraktionen aus Mönchengladbach über das Problem “Bäume und erdverlegte Ver- bzw. Entsorgungsanlagen“ und stellte die Frage an den Anfang :“geht das?“ Sein Vortrag machte offensichtlich, dass die in den letzten Jahren durchgeführten Baumaßnah-men in privaten und kommunalen Leitungsnetzen heute und auch in den nächsten Jahren zu massiven Problemen nicht nur in Bezug auf die Baumgesundheit, sondern auch bezüglich der Sicherheit von Mensch und Sachgütern führen (Gasaustritt). Das ist unter anderem darauf zurückzu-führen, dass Wurzeln wirklich jede Chance nutzen, um in das Leitungssystem einzuwurzeln, unab-hängig von der Gattung, Art und Sorte. Warum das so ist, wurde betont- da besteht noch Forschungsbedarf. 

Und genau hier kommt es auch zur Symbiose der beiden ersten Vorträge und ihre praktische Relevanz: Was kann getan werden, um  zum einen das Durchdringen, Durchwurzeln oder Abdrücken von Ver- und Entsorgungsleitungen zu minimieren, aber gleichzeitig dafür zu sorgen, dass Bäumen ein optimaler Bodenraum zur Verfügung gestellt wird. Prävention ist u.a. durch Absprachen im Vorfeld neuer Verlegungen im kommunalen Bereich, durch Kenntnisnahme vorhandener Ver- und Entsor-gungsleitungen im privaten Hausgarten, durch Einsatz nicht durchdringbarer Dichtungs- und Oberflä-chenmaterialen möglich und ist neben der Anwendung neuer Bau - und vegetationstechnischer Verfahren, der Verwendung von Pflanzsubstraten und der Schaffung eines ausreichend großen durchwurzelbaren Bodenraumes für sorgfältig ausgewähltes Pflanzenmaterial als praktikabel für die Umsetzbarkeit dieser Erkenntnisse einzuschätzen.

Der schon zur Tradition gewordene alljährliche Krankheitssteckbrief beschäftigte sich in diesem Jahr mit dem Thema: „Kahle Fichten und vergilbte Thuja“, vorgestellt von Dr. Robert Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Rostock. Wobei der Begriff „Krankheitssteckbrief sich als irreführend herausstellte. Denn zu kahlen Fichten und vergilbten Thuja kommt es nicht auf Grund von Krankheitserregern, sonder es handelt sich zum einen um einen Schädling- die Sitkafichtenlaus oder Fichtenröhrenlaus an Picea-Arten und zum anderen um abioti-sche Schadursachen- Trockenschäden besonders im Frühsommer oder Sommer an Thuja- Arten. Das Vorstellen der Blattlausbiologie, des Schadbildes und vor allem geeignete Bekämpfungsmöglich-keiten sowohl im Kleingarten- als auch im gewerblichen Bereich rundeten den Vortrag ab. Besonders eindrucksvoll war die Erwähnung der auffälligen roten, vorstehenden Augen der Sitkafichtenlaus als Erkennungsmerkmal („Schau mir in die Augen, Liebling“) Wobei am Ende festgestellt wurde, dass eine Fällung bei mehrjährigem starkem Befall meist unumgänglich ist, da sowohl die Vitalität als auch das Aussehen des betroffenen Baumes stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Das Problem vergilbter Thujatriebe lässt sich ganz einfach dadurch beheben, dass die Menschen dafür sensibiliert werden, dass immergrüne Pflanzen auch zu jeder Jahreszeit ausreichend Wasser zur Verfügung haben sollten- ist aber ein altes Problem.

Der dritte und letzte Vortrag dieses ersten Tages beleuchtete das Tageszitat von F. Mistral aus einer ganz anderen Sicht. Unter dem Titel „Bäume als Embleme individueller Naturerfahrung- Über Transaktionen einer nichtkommerziellen Dimension“ wurde sich dem Baum als Kulturerbe, als spirituelle Dimension, als Emblem der Erinnerung, als Mythos für das kollektive nationale Gedächtnis (nach H. Münkler 2009). , als Teil einer nach Ernst Bloch so genannten „Naturallianz“ genähert, was das ökonomische Kalkül weit überschreitet. Vertiefend wurde eine sprachphilosophische Seite beleuchtet, welche sich mit der Frage beschäftigt, ob individuelle Begegnungen mit nichtmenschlichen Kommunikationspartnern in einem Kontext Platz findet, welcher nach dem aktuellen linguistischem ductus (Vertreter der linguistischen Wende der Philosophie) meint, dass die Grenzen der Welt gleichzeitig die Grenzen der Sprache darstellen. Das wäre dann nicht möglich, sondern Einbildung. Als Gegenbeispiel, die Überschreitung eben jener o.g. „Unmöglichkeit“ wird auf das Naturtagebuch von Annie Dillard „Der freie Fall der Spottdrossel“ 1974, dt. 1994) verwiesen. Als Resümee dieses Vortrages kann festgestellt werden, dass die Darstellung einer individuellen Annäherung an den Baum mittels Kunst, durch Malerei oder Literatur und damit eine besondere Sicht auf Bäume, einen persönlichen Blick auf etwas Einmaliges, Symbolhaftes markieren und der Verständigung zwischen beiden Lebewesen dienen.

Traditionell fanden am Nachmittag praktische Vorführungen passend zu den Tagesvorträgen statt. Michael Honds aus Mönchengladbach erläuterte gemeinsam mit dem Niederländer Marco Browers, wie man Bäume auch dort pflanzen kann, wenn der vorfindliche Standraum eigentlich zu klein ist. Sie stellten ein Baumpflanzsubstrat vor, was den Wurzeln eine ausreichende Ausbreitung in die Tiefe ermöglicht und gleichzeitig verhindert, dass mit viel Geld versiegelte Flächen wieder angehoben und aufgebrochen werde. Die 4 Linden, welche in diesem Zusammenhang gepflanzt worden sind, wurden von der Initiative „ Warnemünde kann schöner sein“ mit Hilfe einer Spende der Warnowtunnel-Gesellschaft gesponsert  

Die traditionelle Abendveranstaltung fand im Haus der Architekten Rostock statt und wurde vor allem zum Erfahrungsaustausch genutzt. 

Das Motto des zweiten Tages “Bäume sind der Erde endlose Anstrengung, mit dem lauschenden Himmel zu sprechen“ von R. Tagore soll als Laudatio auf den Baum als Individuum verstanden werden. Der Vortrag von Professor Dr. Michale Rode vom Institut für Umweltplanung der Leibniz Universität Hannover„ Alleen-gut geplant= gut gestaltet? Von der individuellen Freiheit zum Gruppen-zwang“ greift das Zitat auf und zeigt die Probleme von Alleebaumpflanzungen aus Sicht des Land-schaftsplaners auf. Er stellt fest, dass es zwar Gestaltungsideale gibt, welche von der Art des Weges/Straße, den umgebenden Strukturen, der Entstehungszeit und den Nutzungszielen der Allen abhängig sind. Diese aber aus den unterschiedlichsten Gründen nicht so einfach auf die Planungsar-beit übertragbar sind. Denn die Ziele von Alleen, zur Ästhetik, Nutzung, Schutzwirkung und Umwelt- und Naturschutz variieren stark. Standen in der Vergangenheit eher die Holz- und Obstproduktion, der Wind- und Sonnenschutz, die Gestaltung der Straßen und Landschaft u.a. durch Sichtachsen oder die Straßenrandsicherung als Gestaltungs- und Nutzungsziele im Vordergrund, liegt der Fokus heute auf der Gestaltung von städtischen Straßenzügen, Wegen, Promenaden und Parkanlagen, der Verkehrs-lenkung, dem Erhalt des Charakters von Kulturlandschaften und vor allem auf natur- und umwelt-schutzrelevanten Aspekten. So wird heute der Fähigkeit zur Staubfilterung, positiver mikroklimatische Auswirkungen und vor allem der Funktion als Nahrungsquelle, Lebensraum und zur Biotopvernetzung große Bedeutung beigemessen. Als Resümee dieses Vortrages kann festgestellt werden, dass die Ansprüche, welche an die Alleen gestellt werden, sehr vielfältig sind und sich zum Teil überlagern, sich gegenseitig widersprechen und sich auch noch mit der Zeit verändern. So dass in Abhängigkeit der jeweiligen Sichtweise- die Allee als Ganzes oder die Allee als Gemeinschaft von Individuen- sich spezifische Anforderungen sowohl an die Planung, Anlage und Unterhaltung ergeben. Aber „eine vorausschauende Planung und eine konsequente, nachhaltige Pflege können die langfristig gleich-mäßige Entwicklung einer Allee jedoch sehr unterstützen und damit maßgeblich zur Erfüllung der mit ihrer Anlage und ihrer Entwicklung verbundenen und gewachsenen Ziele beitragen“ (Zitat aus o.g. Vortrag) 

Diplom Biologe Holger Ringel von der Universität Greifswald nähert sich dem Thema der Allee-baumplanung-, -gestaltung, und -unterhaltung aus ganz anderer Sicht und begibt sich im Vortrag “Schöne Bäume- auch für den Käfer?“auf die Ebene der Käfer. Ausgehend von einer Beschreibung der aktuellen Situation xylobionter Käfer in Mecklenburg- Vorpommern stellt er fest, dass gerade uniforme Alleen, welche den heutigen Nutzungszielen und vor allem den heutigen Verkehrssicherungspflichten genügen müssen, nicht den Ansprüchen xylobionter Käfer genügen. Herr Ringel machte dies am Beispiel des auf der Roten Liste stehenden und durch die FHH-Richtlinie geschützten Eremiten fest. Dieser findet in den Alleen des Landes Mecklenburg-Vorpommern Ersatzlebensräume- Mulch gefüllte Höhlen besonders starker heimischer Alt-Bäume wie Eichen, Linden- Buchen, da diese in den doch eher nutzungsintensiven Forsten kaum noch vorkommen. Er benötigt für sein Überleben kleinräumige, vielgestaltige, miteinander vernetzte Biotope, da er als schlechter Flieger nicht mehr als 200 m zwischen den Brutbäumen zurücklegen kann. So stellt für ihn ein ungenutzter Hohlweg oder ein Feldweg eher ein Biotop zum Überleben dar, als eine Fernver-kehrsstraße oder eine Allee in der Innenstadt, da zum einen meist nur eine Baumart gepflanzt worden ist und aus den Vorgaben zur Verkehrssicherungspflicht meist die Phasen des langsamen Absterbens und Zersetzens fehlen. So dass- und das soll hier das Resümee dieses Vortrages sein- genau die gestalterischen Vorgaben, welche sich aus der Sichtweise des Landschaftsplaners ergeben, nicht unbedingt förderlich für xylobionte Käfer, wie zum Beispiel dem Eremiten, sind.

Der 3. Vortrag des Tages, den Professor Dr. Hans Walter Louis zum Thema „Alleen und Naturschutz-recht“ musste leider entfallen. Schade, denn man erhoffte sich Antworten auf brennende aktuelle Fragen, die sich aus den Beiträgen der beiden Tage ergaben. Aber aufgeschoben ist nicht aufgeho-ben und zu den 20. Nordischen Baumtagen hoffen wir, Professor Louis in Rostock- Warnemünde begrüßen zu können. 

Statt dessen, so zu sagen als Ersatzvortrag, konfrontierte uns Wolf-Peter-Polzin von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Bad Doberan sehr kurzweilig, aber auch eindringlich mit der Tatsache, dass nicht alles, was in den Medien verbreitet wird, auch der Wahrheit entspricht. Am Beispiel von Pressemeldungen:“der Citrusbock hätte in Amerika ganze Wälder vernichtet“ oder der Prophezeiung, „er würde die Rostocker Heide bedrohen“ oder die Behauptung, der Citrusbock sei „eine tödliche Bedrohung aller heimischen Baumarten“ wurden diese Pressemeldungen auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft und festgestellt, dass alle diese Meldungen mehr oder weniger frei erfunden sind und nur den einen Zweck verfolgen, sich hervorzutun- auch wenn es mit frei erfundenen oder nicht verifizierten Horrormeldungen ist. Das Resümee des Vortrages: „Das einzige, was wirklich richtig ist: er ist in Deutschland angekommen, einige wenige Tiere wurden bisher gefunden. Punkt“ hat nichts mehr mit den ursprünglichen Horrormeldungen der Medien zu tun und stimmt schon recht nachdenklich.

Wolf–Peter Polzin war es auch, der uns, entsprechend der Tradition der Nordischen Baumtage, den Baum des Jahres unter dem viel versprechenden Titel “Der Schwur, das Auge und die Blechtrommel- Splitter aus dem Baum des Jahres 2009“ vorstellte. Der Bergahorn, Acer pseudoplatanus ist kein Baum der Superlative- er ist nur weit herumgekommen. In Chile wird er genau so kultiviert wie in Neuseeland. Trotz einer aktuellen Monographie in der Enzyklopädie der Holzgewächse gibt es, so scheint es, immer noch Ergänzungen und bedenkenswerte Abschweifungen, so meint Wolf- Peter Polzin und brachte sie uns dar. So zum Beispiel: 

-Allgemeines- zur Gattung Acer und zum Bergahorn

-Verständliches- zur Herkunft des Namens

-Ökologisches- zur Verbreitung und zur Waldgeschichte, was uns auf Grund der Tatsache, dass junge „Bergahörner“ bis zu 20 Jahre auf ihre Chance zum Wachsen warten auf Oskar Matzerat und seine Blechtrommel brachte. 

-Besonderes- von den Ahornböden des Karwendelgebirges

-Historisches- vom Grauen Bund, was uns den Bergahorn  an der St. Anna Kapelle in Trun nahe brachte. Unter seiner Krone soll Anno 1424 ein Schwur getan worden sein, welcher alle Gesandten der umliegenden Dorfer „allzeit einander und mit anderen Bünden Gerechtigkeit und Frieden walten zu lassen“(siehe Vortrag). Unter diesem mächtigen Baum wurde der Vertrag geschlossen und unter seiner Krone wurde er 1796 ein letztes Mal erneuert. 

-Sexuelles- von der Blüte und der Frucht

-Nützliches- vom Holz , welches sich gerade bei den Möbelherstellern großer Beliebtheit erfreut und auch dem entsprechend teuer ist. So ist Bergahornholz von heller Färbung und mit einer einheitlichen Textur versehen und kann bis zu 11340 Euro/Festmeter (siehe Vortrag) Erlös erzielen. Eine seltene Variante ist der Vogelaugenahorn, der, wenn er als Furnier poliert und bei wechselnden Lichtverhält-nissen betrachtet wird „nahezu dramatische Erscheinungen“ (Zitat aus o.g. Vortrag) darbietet.  

-Musikalisches-vom Instrumentenbau, wo der Bergahorn das klassische Material für die Zargen und den Boden der Streichinstrumente ist. Eine Stradivari, Amati oder Stainer würden nicht so hervorra-gend klingen, wenn nicht in den Jahren zwischen 1645 und 1715 die Kleine Eiszeit zu deutlich „schmaleren Jahresringen, zu veränderten Holzeigenschaften und damit zu einem spezifischen Klangbild der Instrumente“ aus Bergahorn geführt hätte. 

-Letztendlich kulinarisches-vom Sirup und vom Zucker. Wo mitgeteilt wurde, dass nach langwierigen Versuchen der Berg- und auch der Spitzahorn als geeignete Pflanze zur Zuckergewinnung in Europa angesehen wurden. Die Zuckerrübe aber als anspruchslose und ergiebigere Pflanze machte diese Pläne zunichte. Insgesamt eine Laudatio auf den Acer pseudoplatanus.

 

Der zweite Tag endete mit einer gemeinsamen Busexkursion in den Natur- und Umweltpark Güstrow und einem dort anschließenden gemütlichen Beisammensein. Unterwegs lernten die Tagungsteilnehmer die schönsten Gegenden des Landkreises Bad Doberan und Nordvorpommern kennen, bestaunten die altehrwürdige Linde auf dem Pölchower Friedhof und die Bergahornallee bei Warnkenhagen. Getränke und selbst gebackenen Kuchen wurden als Stärkung gereicht, bevor der Skulpturenweg Burg Schlitz- Görzhausen erwandert wurde. Danach trennten sich die Wege der Tagungsteilnehmer- eine Gruppe machte sich mit einem Bus auf den Weg zum Ort der Abend-veranstaltung und die andere Gruppe fuhr zurück nach Rostock.

Der dritte Tagungstag stand unter dem Motto von William Butler Yeats: „Wenn das, was ich sage, in dir schwingt, dann nur, weil wir Äste desselben Baumes sind“

Als erster Vortragender trat Prof. Dirk Dujesiefken vom Institut für Baumpflege mit dem Thema „Das Codit-Prinzip –von Bäumen lernen für eine fachgerechte Baumpflege“ auf, übrigens, den regelmäßig an den Nordischen Baumtagen teilnehmenden aus den letzten Jahren gut bekannt. Er referierte über aktuelle Forschungen und deren Ergebnisse zu Einflussfaktoren auf die Abschottung, ausgehend von den ersten Reaktionen des Baumes nach einer Verletzung über die Wechselwirkungen zwischen Baum und Pilz bis zur endgültigen Abkapslung des kranken Bereiches vom gesunden. Die amerikanischen Forstbiologen Alex Schigo und Marx (1977) entwickelten dazu eine modellhafte Vorstellung- das CODIT- Modell. CODIT steht für Compartmentalization Of Decay in Trees (Abschottung von Fäule in Bäumen). Dieses Modell wurde in den Folgejahren sehr kontrovers diskutiert, teilweise auch abgelehnt, da es davon ausging, dass der Baum auf Fäulnis reagiert und Kompartimente zur Abschottung bildet. Neuere physiologische, anatomische und mykologische Aspekte hingegen, so Professor Dujesiefken, brachten die Erkenntnis, dass der Baum auf Lufteintritt in seinen Organismus reagiert. „Die Luftembolie in das wasserleitende Gewebe unmittelbar nach Verletzung ist die wesentliche Veränderung und bedeutet eine Funktionsstörung. Erst nachfolgend schottet der Baum gegen Fäule ab.“ (siehe Vortrag S. 2) Das CODIT -Prinzip als Weiterentwicklung des CODIT- Modells wird deshalb heute als Compartimentalization Of Demage In Trees (Abschottung von Schäden in Bäumen) bezeichnet. Das CODIT- Prinzip und das Prinzip der Wundreaktion von Bäumen stellen wesentliches Wissen zur fachgerechten Baumpflegedar Ausgehend von den 4 Phasen der Wundreaktion nach dem CODIT-Prinzip: Phase 1-Eindringende Luft; Phase 2- Eindringen von Schaderregern; Phase 3-Ausbreitung der Schaderreger; Phase 4- Einkapselung der Schaderreger werden als Resümee des Vortrages einige Einflussfaktoren und Konsequenzen für die Baumpflege vorgestellt und somit der Praxisbezug hergestellt. Grundsätzlich kann somit nach dem derzeitigen Stand der Forschung für die Praktiker von folgendem ausgegangen werden: Je nach Standort, Wundgröße, Alter, Vitalität, Baumart und Jahreszeit der Pflegemaßnahmen werden erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Effektivität der Abschottung und der Stärke der Überwallung festgestellt. 

Der zweite Vortrag des dritten Tages wurde von der Diplomingenieurin Petra Jaskula zusammen mit Dipl. Ing. Oliver Gaiser von Institut für Baumpflege Hamburg zum Thema „Umsetzung der baumpflegerischen Maßnahmen im Rahmen des DBU- Projektes: Schutz und Pflege historischer Alleen“ gehalten. 4 ausgesuchte historische Alleen des Landes Schleswig- Holstein wurden im Rahmen dieses Projektes nach folgenden Aspekten untersucht: - kulturhistorische und ökologische Aspekte historischer Alleen, - Vitalität, Stand- und Bruchsicherheitsuntersuchungen, - baumpflegeri-sche Maßnahmen unter Berücksichtigung diverser denkmal- und naturschutzrelevanten Aspekten; -Sensibilisierung der Eigentümer und zuständigen Fachbehörden bezüglich des Konfliktes zwischen der Verkehrssicherungspflicht zum Einen und der kulturgeschichtlichen, natur- und umweltrelevanten Aspekten zum Anderen. –Handlungsempfehlungen und Lösungsmöglichkeiten bezüglich des Umgangs mit historischen Alleen. Neben historischen Untersuchungen vom LFD Kiel, ökologischen Gutachten des Büros biola aus Hamburg und baumbiologische Untersuchungen des Institut für Baumpflege Hamburg wurden die erforderlichen baumpflegerischen Maßnahmen und eine Einschätzung zur Lebenserwartung herausgearbeitet. Als Resümee konnten die beiden Vortragenden feststellen, dass es trotz kontroverser Beurteilungen der beteiligten Akteure immer Kompromisse gefunden werden konnten, welche sowohl die Aspekte des Denkmalschutzes, des Naturschutzes als auch der Verkehrssicherheit berücksichtigten und es gleichzeitig möglich machte, individuelle Lösungsmöglichkeiten zum Erhalt von wertvollen Lebensräumen zu finden und umzusetzen. „Eine allgemeingültige Handlungsanleitung für den Umgang mit historischen Alleen zu erarbeiten, lässt sich hieraus nicht ableiten.“ (Vortrag JAskula/Gaiser) In der Diskussion wurde angemerkt, dass leider alle Maßnahmen auf die Projektlaufzeit begrenzt sind und somit keine Kontrolle oder sogar Weiterführung der Pflegemaßnahmen vorgesehen sind.

Der letzte Vortrag des dritten Tages beschäftigte sich mit dem Stammschutz an Jungbäumen und wurde von Dr. Horst Stubbe und Dr. Axel Schneidewind  gehalten. Nach einer Darstellung der unterschiedlichen Schadensarten, die Stämme von Jungbäumen zeigen können, wie „Sonnenbrand“ und „Frostplatten“ gingen die Vortragenden auf den aktuellen Standes des Wissens ein. Sie stellten fest, dass sowohl flexible Matten aus Schilfrohr, Bambusstäben, Weidenruten oder Kokosfasergeflech-ten neben Stammschutzanstrichen grundsätzlich als Stamm- und Rindenschutz geeignet sind. Neuste Forschungsergebnisse aus der Landesanstalt für Landwirtschaft Forsten und Gartenbau Quedlinburg-Ditfort zur Eignung bestimmter Stammschutzmaterialien erbrachten ganz konkrete Empfehlungen für die Verwendung von Stammschutzanstrichen und den fachgerechten Einbau von Stammschutzmatten und stießen bei Praktikern und Mitarbeitern der zuständigen Behörden auf großes Interesse. Am Schluss des Vortrages wurden von den beiden Vortragenden gleich häufige Fragen aus der Praxis zum Stammschutz beantwortet, wie zum Beispiel: Welche Baumarten sollten bzw. müssen geschützt werden? Wie viel Kostet Material und Anbringung?

An dieser Stelle erfolgte die Auflösung des Rätsels: Vierzig Ecu soll er kosten und angeblich schon immer gekostet haben. Behaupten jedenfalls die Franzosen steif und fest. Dabei ist es schon 250 Jahre her, dass der Preis derart hölzern in Paris taxiert wurde. Der Gedanke an Vogelfüße, Eier mit Seele oder gar Haartracht junger Mädchen kam ihnen nicht, es ging nur um Geld. Dabei hätte man gerade dort etwas mehr Poesie erwarten dürfen. In Deutschland übrigens hatte man es schon damals nicht so sehr mit der Orthografie: Schreibfehler…kein Problem! Nordisch-kühl bzw. sachlich-nüchtern sah, wie nicht anders zu erwarten, Carl den Fremden und ließ sich mit zwei Lappen ein. Wer war die 40 Silberstücke wert? 

Des Rätsels Lösung? Der Ginkgo!!

Nur wenige fanden die Lösung. Der Sieger erhielt einen extra für diesen Zweck hergestellten Trinkkelch aus Acer pseudoplatanus- Holz.

Zum Abschluss des letzten Tages wurde zur Exkursion in die Rostocker Wallanlagen geladen. In zwei Gruppen machten die Teilnehmer einen Rundgang durch die denkmalgeschützten Anlagen. Während eine Gruppe im Wallgraben und im Kloster Baumansprachen machte und sich überdenkmalpflegerische Zielstellung informierte, machte die zweite Gruppe einen Rundgang durch die Rosengarten Alleen und den Platanen des Oberwalls. 

Gegen 16. 00 Uhr endeten die 19. Nordischen Baumtage. Und ich kann, so denke ich im Namen aller Teilnehmer sprechen, dass auch diese Baumtage wieder für jeden Teilnehmer neue Erkenntnisse brachten, Erfahrungsaustausch ermöglichten und alle gespannt sind, was sich das Organisationsteam zu den 20. Nordischen Baumtagen einfallen lassen.   

Dorit Sorge
AFW Rostock und Doktorandin an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock