17. Nordische Baumtage in Rostock

Wolf-Peter Polzin während des Vortrags
Allee bei Bandelstorf
Podiumsdiskussion zum Baumschutz, von links: I. Lehmann (MLUV), U. Göllnitz (ASNL HRO), M. Fritsche (UNB Güstrow), M. Schulz-Benick (MLUV)
Rundgang durch den Botanischen Garten Rostock

Veranstaltungsprogramm

Wieder eine einprägsame Veranstaltung.
Die 17. Nordischen Baumtage fanden diesmal aufgrund des „Großweltereignisses Heiligendamm“ etwas später im Jahr statt, nämlich vom 27. bis 29. Juni 2007 im bewährten Technologiepark Warnemünde.

Veranstalter waren die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL), Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. und das Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege der Hansestadt Rostock.

Themenschwerpunkte der drei Veranstaltungstage in diesem Jahr waren: „Bäume in der Stadt“, „Alleenzukunft“ und „Zum Leidwesen der Bäume“.

Die Referenten des Mittwochvormittages waren Herr Prof. Dr. Roloff von der TU Dresden, Herr Dr. Schneidewind aus Quedlinburg, Herr Polzin von der Unteren Naturschutzbehörde Bad Doberan und Herr Lappen von der gleichnamigen Baumschule.

Für mich als Landschaftsarchitektin, die überwiegend in der Objektplanung und Gartendenkmalpflege tätig ist, bot bereits der Einstieg zu den Vorträgen der Nordischen Baumtage interessante Denkanstöße. Herr Roloff referierte als erstes über die Verwendung von Pionier- und Klimaxbaumarten im urbanen Raum. Die Vorstellung von Ergebnissen zu Untersuchungen von Frostrissen, Sonnennekrosen und Verticilliose an Bergahornstämmen wurde durch Herrn Schneidewind sehr ansehnlich dargestellt. Herr Lappen stellte in einem umfänglichen Bildervortrag die verschiedensten Baumsorten für den städtischen Bereich vor.

Ohne allen anderen Referenten der Baumtage zu nahe treten zu wollen war jedoch purer Hör- und Sehgenuss wieder ein Vortrag von Herrn Polzin, diesmal zum Baum des Jahres 2007 – die Waldkiefer. Es ist erstaunlich, über wie viele verschiedene Aggregatzustände eines Baumes erzählt und der Bogen von Kiefernschnaps, Bernstein bis zu Ikeamöbeln gespannt werden kann. Genauso sehenswert ist die mehrseitige Literaturliste in den Tagungsunterlagen. Mit einer interessanten musikalischen Untermalung des Vortrages konnte man einiges an mythologischem, philosophischem und physiologischem Wissen zur Pflanzengattung Pinus erlangen. Das weitet wieder den Blick im Alltagsgeschehen.

Auch Regenschauer konnte die Exkursionsteilnehmer am Mittwochnachmittag nicht abhalten, die vorgesehenen Besichtigungspunkte in der Rostocker Innenstadt zu besuchen. Besonderes Augenmerk wurde gemäß dem Tagesthema auf Neupflanzungen im innerstädtischen Straßenraum und deren spezielle Standortbedingungen gelegt. Dabei wurden gleichzeitig neuere Umgestaltungsbereiche von Rostock wie der Doberaner Platz vorgestellt.

Die Abendveranstaltung konnte aufgrund der stürmischen Witterung vom chinesischen Garten auf dem ehemaligen IGA-Gelände in die Kombüse des unweit davon gelegene Museumsschiff verlegt werden. So klang der Tag bei lebhaften Gesprächen und chinesischem Essen angenehm aus.

Thema des 2. Tages war die Allee – „Alleenzukunft“. Es wurde über den Stand der ESAB durch Prof. Schmidt aus Bonn berichtet und Vorschläge zum Alleenschutz der FLL dargestellt. Alleen in ihren verschiedenartigsten Ausprägungen stellen ein besonderes Kulturgut dar und prägen heute durch ihr Alter sowohl den städtischen als auch ländlichen Raum, so Herr Dr. Rohde aus Potsdam. Die verschiedenen Alleenbeispiele durch Herrn Hopp aus Schleswig-Holstein machten einmal mehr deutlich, dass jede Allee für sich ihre eigene Betrachtungs- und Wertungsweise erhalten muss. Eine abstraktes, pauschales Wertungsschema kann es nicht geben. Naturschutz und Denkmalschutz können dabei auch zu fachlich gegenteiligen Maßnahmen gelangen. Hier wird es auch weiterhin Meinungsaustausch geben müssen. Interessant war der Einwurf, dass die Erneuerung einer Schwarzpappelallee aus dem Gengut einer vorhandenen Pappel auch die Vervielfältigung von genetisch verursachten Schadbildern zur Folge haben kann. Ist das wirklich beabsichtigt oder sollte der Mensch über geeigneteres Material nachdenken?. Das wirft die Diskussion zur Verwendung von autochthonen Pflanzmaterial unter naturschutzfachlicher Sicht auf? Wie stark ist der Einfluss des Menschen auf die Natur bereits? Ist eine Allee natürlich? Wann ist eine Allee - eine Allee ...?

Auch Herr Polzin hatte am Anfang des Tages einen alternativen Gesetzentwurf für den Erhalt von Alleen vorgestellt. Richtungsweisend für die Definition einer Allee wurde dabei von einer straßenbegrenzenden Baumreihe, nicht von einer straßenbegleitenden -, beidseits der Straße gesprochen. Am Beispiel der L 13 wurde die Umsetzung der „neuen“ Alleenbepflanzung dargestellt, die als solche nicht mehr erkennbar ist. Die neueren Gesetzesvorschriften sehen Pflanzabstände von Bäumen an Straßen vor, die das Erreichen einer Allee unmöglich macht und zukünftig den Erhalt der Alleen bezweifeln lässt. Bedauerlich wäre eine Zukunft, in der „nackte“ Straßen das Landschaftsbild prägen, nur um der ungebremsten Raserei zu frönen. Vielleicht ist aber auch ein Wandeln der Landschaft in der Hinsicht zu erwarten, dass zukünftige Alleen heute mehr entlang von straßenbegleitenden Radwegen entstehen und nicht mehr an den Straßen selbst. Wir werden sehen.

Die lebhafte Diskussion wurde auf der nachmittäglichen Busexkursion zu alten Alleen im Osten von Rostock fortgesetzt und endete bei der Abendveranstaltung im Landschulmuseum Göldenitz sehr amüsant auf den alten Schulbänken.

Am 3. Tag war das Thema „Zum Leidwesen der Bäume“ gewählt. So wurde hier die rechtliche Seite des Baumschutzes beleuchtet. Schwerpunkt war die Änderung des Landesnaturschutzgesetzes M-V, die den Baumschutz in das Gesetz integriert. Hierzu waren zwei Vertreter des Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MV/Schwerin) eingeladen, die sich im Anschluss ihrer Vorträge einer intensiven Diskussion stellten. Die Meinungsäußerungen der Tagungsteilnehmer ließen deutlich werden, dass sich damit der Schutz der Bäume noch schwerer erwirken lässt als bisher. Auch die Festlegungen im Kompensationserlass, vorgestellt durch Herrn Lehmann, wirken willkürlich wie z. B. über die Wahl der schutzwürdigen Baumarten. Eine stärkere Mitsprache bei Gesetzen und Erlassen besonders von Fachleuten wurde gefordert.

Hoffentlich ist das Abschlussthema „Zum Leidwesen der Bäume“ nicht symptomatisch für die Zukunft zu sehen. Ohne in Depression zu verfallen ob der folgenden Fachvorträgen wie dem Krankheitssteckbrief von Herrn Dr. Schmidt aus Rostock und der Vorstellung einer Platanenkrankheit (Massaria) durch Herrn Prof. Kehr aus Göttingen konnte jedoch mit dem nachmittäglichen Rundgang durch den Botanischen Garten eine sehr optimistischer Abschluss der Nordischen Baumtage erzielt werden. Dazu wurden die Planungen für eine neuen Haupteingang und der Bau verschiedener Themengewächshäuser vorgestellt.

So ist auch bei den 17. Nordischen Baumtagen festzustellen: Es ist immer ein Erlebnis, die verschiedenen Sichtweisen der Vortragenden aus Forschung, Verwaltung und Bau(m)praxis zu erfahren. Diese ansehnliche Mischung ist ein großer Verdienst der Organisatoren, denen wieder eine rundum positive Veranstaltung gelungen ist. Dazu vielen Dank und weiter so.

Katja Trippler
Landschaftsarchitektin, Magdeburg, Sachsen-Anhalt.