14. Nordische Baumtage in Rostock

14. Nordische Baumtage in Rostock
14. Nordische Baumtage in Rostock
14. Nordische Baumtage in Rostock
14. Nordische Baumtage in Rostock
14. Nordische Baumtage in Rostock

Veranstaltungsprogramm

Zum 14. Mal fanden in Rostock vom 16. bis 18. Juni 2004 die Nordischen Baumtage statt. Veranstalter war die Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur, Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege der Hansestadt Rostock.

In der Branche rund um den Baum hat sich diese Fachtagung zu einem festen Treffpunkt im Norden entwickelt. Die Veranstalter hatten ein sehr interessantes, praxisorientiertes Programm zusammengestellt und fachkompetente Referenten aus der gesamten Bundesrepublik zusammengeholt. Die erneut gestiegene Teilnehmerzahl unterstreicht die Bedeutung der Veranstaltung, die in diesem Jahr am neuen Tagungsort, dem Technologiepark Warnemünde ausgetragen wurde. In 12 Vorträgen wurde jeweils an den drei Vormittagen Neues aus Wissenschaft und Forschung präsentiert. Für die Nachmittage hatten die Veranstalter Vorführungen und Exkursionen organisiert, die die Möglichkeit boten, das Gehörte am Praxisbeispiel zu vertiefen sowie anstehende Probleme direkt am Baumstandort mit den Referenten zu diskutieren. Traditionell gehörten auch zwei Abendveranstaltungen zu den Nordischen Baumtagen, die die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch zwischen Referenten und Tagungsteilnehmern in gemütlicher Runde bieten und dazu beigetragen haben, dass den Nordischen Baumtagen der Ruf einer familiären Atmosphäre anhängt.

Baum des Jahres 2004

Eingeleitet wurden die 14. Nordischen Baumtage in Rostock mit einem Vortag zum Baum des Jahres 2004. Der Leiter des Forstamtes der Hansestadt Rostock, Herr Harmuth stellte die Weißtanne (Abies alba) näher vor, berichtete unterhaltsam über ihre Geschichte, botanische Besonderheiten und die Probleme, die zum Rückgang der Baumart führten. Er verwies auf das Vorkommen im Rostocker Stadtwald und die mit 120 Jahren und 35m Höhe älteste Weißtanne Rostocks.

Einsatz von Formgehölzen und die Verwendungsmöglichkeiten von Nadelgehölzen

Herr Rahenbrock, Westerstede, stellte in seinem Vortrag Formgehölze vor und plädierte für eine verstärkte Beachtung moderner Pflanzengestaltung als Fortführung der sehr alten Tradition des Formschnitts an Gehölzen. "Die Gestaltung von Gehölzen ist ein ideales Mittel, um ohne großen finanziellen Aufwand für interessante Effekte zu sorgen. Die klassischen Formen wie Kugeln oder Pyramiden bleiben auch in heutigen Zeiten noch wichtige Gestaltungselemente in privaten Gärten. Aber die moderne Pflanzengestaltung hat viel mehr Möglichkeiten der Formgebung, wie zum Beispiel Gehölzflächen oder bizarre Gehölzformen und eine weitaus größere Auswahl an formbaren Gehölzen." (Zitat des Referenten)

Anhand umfangreicher Fotos konnte sich das Auditorium einen Überblick über die Vielgestaltigkeit moderner Pflanzengestaltung verschaffen.

Herr Professor Walser vom Institut für Landschaftsarchitektur der TU Dresden ging in seinem Referat auf die Verwendung von Nadelgehölzen im öffentlichen Raum ein. Mit zahlreichen Fotos analysierte er gelungene Pflanzenkombinationen und hob dabei geeignete Arten und deren Begleitpflanzen hervor. Aus seiner Sicht sollte mit dem bewährten, bisher verfügbaren Pflanzgut im Stadtraum gearbeitet werden, aber bewusst in neugewählten Kombinationen. Als geeignete Arten für das Verkehrsgrün hob Herr Professor Walser besonders die Gattungen Pinus und Juniperus hervor.

Baumwurzeln und Wegebeläge

Einen besonderen Schwerpunkt stellten in diesem Jahr aktuelle Forschungsergebnisse rund um die Wurzeln der Bäume dar. Frau Dr. Reichwein aus Hannover referierte über ihre Untersuchungsergebnisse zur Anhebung von Wegedecken durch das Wurzelwachstum der Bäume. Von den mehr als 2800 untersuchten Bäumen wiesen 52% Schäden an Verkehrsflächen auf. Nachgewiesen werden konnten unter anderem Zusammenhänge zwischen Stammstärke, Gattung, Baumscheibengröße sowie Bauweisen der Wegedecken und entsprechenden Schadensquoten. Dabei erstaunt, dass der Asphalt mit 38% Schadensquote gegenüber Pflasterbelägen (49%) recht gut abschneidet. Festgestellt wurde bei den Untersuchungen auch, dass die artspezifischen Wurzelsystemtypen durch lokale Bodenbedingungen überlagert werden und mit größerer Wurzeltiefe auch die Schadensquote an den Wegebelägen sinkt.

Die Referentin plädierte dafür Baum, Wegedecke und Wurzelraum im Gesamtzusammenhang zu sehen und die Schadensquote durch baumgerechte Bauweisen zu reduzieren.

Herr Dr. Heidger referierte anschließend über konkrete Maßnahmen zur Vermeidung von Durchwurzelungen. Ausgehend von dem Paracelsus-Zitat: "Dieses Gewächs (ein Baum) gleicht dem Menschen. Es hat seine Haut, das ist die Rinde; sein Haupt und Haar sind die Wurzeln; es hat seine Figur und seine Zeichen, seine Sinne und seine Empfindlichkeit im Stamme. ..." verdeutlichte der Referent auf sehr unterhaltsame Weise, das Pflanzen sozusagen ‚auf dem Kopf stehen'. Nicht der Mangel an Wasser, sondern an Bodenluft ist wachstumsbegrenzender Faktor für die Wurzelausbreitung, erläuterte Dr. Heidger seine Erkenntnisse, und plädierte für die Gelegenheit, durch dauerhafte und tiefreichende Belüftungsmaßnahmen Stadtstrassen als erweiterten potentiellen, d.h. durchwurzelbaren Standraum technisch nutzbar zu machen.

Bei den Praxisvorführungen wurde ein Baumsubstrat vorgestellt, dass sowohl den Anforderungen des Baumes an die Bodenluft als auch den technischen Anforderungen des Strassenbaus an die Verdichtung standhält. Dr. Heidger bezeichnete die Substratform als Vegetationstragschicht und empfiehlt zur Lenkung des Wurzelwachstums in die Tiefe einen aus Humusstoffen bestehenden speziellen Wurzellockstoff einzubauen. Die Tagungsteilnehmer konnten sich im konkreten Fall ein Bild darüber machen, wie für eine Neupflanzung die Wurzeltrasse angelegt wird, der Einbau von Wurzellockstoff und Vegetationssubstrat erfolgt.

An einem weiteren Praxisbeispiel wurden Maßnahmen zur Lenkung der Wurzeln eines Altbaumes in die Tiefe demonstriert, wie sie bei Sanierungen schadhafter Wegebeläge bei alten Bäumen notwendig wird.

Baumkontrolle und Rechtsprechung

Mit dem Vortrag von Herrn Dr. Dujesiefken (Institut für Baumpflege Hamburg), wurde die Vorgehensweise zur Kontrolle von Bäumen im Hinblick auf die Verkehrssicherheit darlegt. Begrifflichkeiten wurden näher erläutert und aufbauend auf der gültigen Rechtsprechung in einem detaillierten Ablaufschema zu ggf. erforderlichem Handlungsbedarf von der Baumkontrolle über mehrstufige Baumuntersuchungen bis zu baumpflegerischen Maßnahmen dargestellt. Anschließend demonstrierte Frau Jaskula (Institut für Baumpflege) am Beispiel eines Pen-Computers, Inhalt und Ablauf der Zustands-Erstfassung im Rahmen des digitalen Baumkatasters für den Stadtbezirk Hamburg- Bergedorf.

Dr. Günther vom Umweltministerium NRW, stellte in seinem Referat Grundsätze der Verkehrsicherungspflicht zusammen und legte dazu die aktuelle Rechtssprechung dar. Mit Bezug zu einem Urteil des BGH vom 4.3.04 stellte er klar, dass die Frage der Frequenz der Baumkontrollen bisher offen ist. Eine Entscheidung des BGH zur Kontrolle der Bäume im belaubten und unbelaubten Zustand, also zwei Mal im Jahr, liegt nicht vor. Die Rechtsprechung verlangt "Vorkehrungen, welche im Rahmen des tatsächlich Vernünftigen und wirtschaftlichen Zumutbaren geeignet sind, Gefahren von Dritten abzuwenden" (Zitat des Referenten).

Krankheiten, Schädlinge und Schadstoffe, Stammschutz

Herr Dr. Schmidt (Pflanzenschutzamt M-V, Rostock) stellte in einem Diavortrag Krankheiten und Schädlinge der IGA 2003 vor und erläuterte detailliert am Krankheitssteckbrief 2004 den Gitterrost der Birne sowie Möglichkeiten seiner Bekämpfung. Mit dem "neuartigen Erlensterben" machte Herr Dr. Schumacher (Institut für Forstbotanik und Forstzoologie der TU Dresden) das Auditorium bekannt. Er stellte seine Forschungsergebnisse zur Erlen-Phytophtora im Spreewald vor, erläuterte Symptome und Möglichkeiten der Eindämmung. 

Die neuesten Forschungsergebnisse zur Problematik der Rosskastanien-Miniermotte stellte Herr Dr. Hommes (BBA Braunschweig) vor. Da eine Ausrottung des Schädlings nicht mehr möglich ist, geht er davon aus, dass sich in Zukunft ein natürliches Gleichgewicht einstellen wird. Zur Eindämmung der Befallsentwicklung bleibt als einfachste und wirkungsvollste Methode die sorgfältigste Beseitigung des Falllaubes. 

Herr Professor Balder (Technische FH Berlin) referierte über Schadstoffbelastungen des städtischen Grüns und seine Untersuchungsergebnisse aus Berlin. Gas, Auftausalze und Hunde-Urin wurden dabei als Wichtigste hervorgehoben. 

Über Versuchsergebnisse des LLG Quedlinburg zum Stamm und Rindenschutz referierte Herr Schneidewind. Aus des Versuchsergebnissen geht hervor, dass es zweckmäßig ist, zur Vermeidung von Rindenschäden direkt nach dem Pflanzen einen Stammschutz vom Wurzelhals bis zur Baumanbindung anzubringen. Dabei haben sich u.a. locker angelegte Schilfrohrmatten optimal bewährt, mit Überlappung im Norden.

Den Organisatoren Dank für diese gelungene Fachtagung.

04.07.2004
Eva Schubert
Nachtigallenweg 2
18437 Stralsund

Tagungsbände sind leider vergriffen.