13. Nordische Baumtage in Rostock

Abendveranstaltung am Nordischen Hallenhaus auf dem IGA-Gelände (Ausstellungsbereich des FGL)
IGA-Rundgang
13. Nordische Baumtage in Rostock
13. Nordische Baumtage in Rostock

Veranstaltungsprogramm

Zum 13. Male trafen sich etwa 100 Baumfachleute zu den Nordischen Baumtagen in Rostock. Schon Tradition sind die mit Anekdoten gespickten Ausführungen zum Baum des Jahres (Dr. Hübener, Universität Rostock) und der alljährliche „Pflanzenschutzsteckbrief“ (Dr. Schmidt, Landespflanzenschutzamt M-V, Rostock). Auf die strengen Kriterien des chemischen Pflanzenschutzes, die häufig doch noch nicht so verinnerlicht sind, muss immer wieder hingewiesen werden. Auch die Ausführungen von Herrn Hvass aus Dänemark über die Bemühungen des European Arboricultural Councils (EAC), den European Treeworker als einheitliches Berufsbild für die Baumpflege in Europa zu etablieren und eine weitere Qualifizierung zum sog. Europäischen Baumtechniker mit höherem theoretischen Anspruch zu installieren, wurden mit Interesse aufgenommen.

In erfrischender Weise stellte Hans-Joachim Schulz (Öbv Sachverständiger, Düsseldorf) die „Richtlinie für die Wertermittlung von Schutz- und Gestaltungsgrün, Baumschulpflanzen und Dauerkulturen, Teil A: Schutz- und Gestaltungsgrün“ der FLL vor. Mit dieser Richtlinie ist die Methode Koch mit geringfügigen Veränderungen als „Stand der Technik“ in der Gehölzwertermittlung eingeführt und sollte damit Grundlage der gutachterlichen Tätigkeit sein.

Nachdem die im letzten Jahr teilweise sehr auffällig gewordenen Baumkrankheiten an Rotdorn, Sorbus, Weide, Pappel und Rosskastanie von Herrn Kowol (Institut für Baumpflege, Hamburg) besprochen wurden, widmete sich ein Schwerpunkt der dreitägigen Veranstaltung in diesem Jahr den Jungbäumen. Wie üblich wurden die Vorträge auf Exkursionen an den Nachmittagen vertieft. diese führten nach Bad Doberan oder durch Rostock. Da in diesem Jahr das IGA-Gelände Veranstaltungsort war, konnten einige angesprochene Probleme beim Rundgang auf der Gartenschau mit deren technischem Leiter, Dr. Kubitz, überprüft werden. Sonnennekrosen, wie sie Dr. Dujesiefken (Institut für Baumpflege, Hamburg) als zunehmenden Schadfaktor für Ahorn, Rosskastanie und Linde vorstellte, wurden an den gepflanzten Bäumen nicht festgestellt. Diese von sommer- wie winterlicher Strahlungsexposition verursachten Schäden wurden rege diskutiert. Im windigen Seeklima der Küste scheinen sie jedoch seltener aufzutreten als in Mittel -und Süddeutschland und können durch einen mehrjährigen Stammschutz der Jungbäume durch Schilfrohrmatten, wie sie auch auf der IGA verwendet wurden, verhindert werden.

Kontrolle, Kontrolle und nochmals Kontrolle – und zwar sowohl der geplanten Baumarten und des Standorts als auch der Baumschulware und der eigentlichen Pflanzung – das kann als Resümee des Vortrags von Dr. Balder (Pflanzenschutzamt Berlin) festgehalten werden, der sich eingehend mit der Standort- und Pflanzenauswahl und der Pflanzung auseinandersetze. Ein Thema, das in der Praxis viel zu selten gebührend beachtet wird. Nahtlos schlossen sich Ausführungen zur Baumverankerung an. Anhand teils erschreckender Beispiele („Angebunden, wie man ein Schwein anbindet...“) zeigte Herr Schneidewind (Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt, Quedlinburg-Ditfurt), der sich auch eingehender mit Stammschutzmaterialien wie der o. g. Schilfrohrmatte beschäftigt hatte, wie durch eine schlechte Baumsicherung die Pflanzung ruiniert werden kann. Es ist bedenklich, wenn 90 % der eingekauften Substrate für die Bodenverbesserung an Baumstandorten nicht den Vorgaben entsprechen sollen (Balder) und 2/3 aller angebotenen und teils recht teuren Baumbindematerialien eher weniger geeignet sind. Lediglich eine neue Kunststoffbindung, das REMA-Baumband konnte hinsichtlich Verträglichkeit, Haltbarkeit und Kosten mit der guten alten Kokosbindung mithalten. Auch zeigte sich, dass Ein- oder Zwei-Pfahl-Systeme den Dreibock für Straßenbäume nicht ersetzen können.

Professor Roloff (Tu Dresden, Tharandt) zeigte die Grenzen des Verträglichen für Baumstandorte auf. Zwar können erstaunlich viele Baumarten auch auf Extremstandorten keimen und sogar zu größeren Bäumen heranwachsen, doch bei Großbaumverpflanzungen wird man Schiffbruch erleiden. Denn bereits ein Baum in noch gut handhabbarer Größe benötigt schon mindestens 5 Jahre, bis er an den Standort angepasst ist. In dieser Zeit dürfen aber keine extremen Sommer oder Winter auftreten. Für einen verlustfreien und zweckmäßigen Einsatz größerer Baumschulware ist also die gute Kenntnis der Eigenschaften und ökologische Amplitude der verschiedenen Bäume Voraussetzung. Hilfsmittel für die Pflanzenauswahl anhand ihrer Eigenschaften gibt es genügend, doch keine der derzeit vorhandenen Planungshilfen ist erschöpfend.

Wie man möglicherweise Schäden an Bäumen durch geeignete Festsetzungen in Bebauungsplangebieten vorbeugen kann, beleuchtete Herr Herrmann (Büro Bendfeldt, Schröder, Franke, Schwerin). Allerdings zeigte er auch, dass viele Festsetzungen in der Umsetzung problematisch sind. Tagungsbände sind leider vergriffen.

DGGL Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Herrn Stefan Patzer
Schwarzerlenweg18
18198 Kritzmow