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Stellungnahme des DGGL-Landesverbands Hamburg/Schleswig-Holstein zur Teilbebauung von Planten un Blomen in Hamburg

Hinter verschlossenen Türen beraten Hamburgs Stadtoberen über eine Neubebauung auf der Marseiller Straße. Hauptnutznießer wäre wohl ein Privatinvestor. Ein 2015 durchgeführter freiraumplanerischer Wettbewerb zur Erweiterung von Planten un Blomen, der auf breiten fachlichen Konsens stößt, würde damit größtenteils hinfällig. Soll Hamburgs bedeutendste Parkanlage wieder wegen kurzfristigen Wirtschaftsprofits beeinträchtigt werden? Die DGGL fordert eine offene und breite Diskussion über die Zukunft Planten un Blomens und die städtische Planungskultur.

Mit täglich zehntausenden von Besuchern ist das denkmalgeschützte „Planten un Blomen“ zwischen Fernsehturm und Dammtorbahnhof so fest im Bewusstsein der Hamburger verankert, dass sein Name generalisierend auch für die anschließende Parklandschaft des Alten botanischen Gartens und der Kleinen und Großen Wallanlagen verwendet wird. Bis 1973 waren der Alte Botanische Garten am Gorch-Fock-Wall und das westlich gelegene Planten un Blomen durch die Straße „Bei den Kirchhöfen“ (heute Marseiller Straße) voneinander getrennt. Seit 1973 gibt südlich des heutigen „Radisson Blue“-Hotels eine durchgängige grüne Verbindung zwischen diesen Parks. Sie wurde zur Internationalen Gartenbau-Ausstellung IGA ‘73 als üppige Dachbegrünung über der Tiefgarage des damals errichteten Congress Centrums Hamburg (CCH) geschaffen. Die Tiefgaragenzufahrt der heutigen Marseiller Straße schneidet sich seitdem allerdings als vielspurige Schneise in das Gelände ein.

Im Zuge der geplanten umfangreichen Modernisierungen des CCH mit einer Verlegung dieser Zufahrt nach Norden an die Tiergartenstraße erschien es möglich, die Marseiller Straße vollständig zurückzubauen und als Parkerweiterungsfläche neu zu gestalten.

Bei dieser Gelegenheit soll auch der südliche Bahnhofsvorplatz – der Dag-Hammarskjöld-Platz – derzeit vor allem als Parkplatz genutzt, zu einem attraktiven urbanen Platz entwickelt werden, der zum Hauptzugang für die genannten Parkteile, das CCH und das Hotel wird. Zur Findung von überzeugenden Gestaltungslösungen für diese anspruchsvolle Aufgabe wurde im Jahr 2015 eine offener freiraumplanerischer Realisierungswettbewerb durchgeführt, aus dem das Berliner Büro POLA mit einem 1. Platz siegreich hervorgegangen ist. 

Wurde aber der Wettbewerb in dem Wissen durchgeführt, dass die Finanzierung dieser Maßnahmen nicht gesichert ist? Angeblich gibt es seitens der Stadt Überlegungen, durch eine Teilbebauung der Marseiller Straße oder Planten un Blomens mit einem Hotel oder einem Studierendenwohnheim die fehlenden Finanzmittel zu generieren. 

Die städtischen Beratungen mit Planern und dem möglichem Investor finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Da es auch keine offiziellen Verlautbarungen über die Planungen gibt, scheint jedwede öffentliche Einflussnahme aussichtslos. Es steht zu befürchten, dass hier Fakten geschaffen werden sollen, bevor sich Kritik regen kann. Würden die aus dem oben genannten Wettbewerb gewonnenen Planungen damit hinfällig? Klar ist, dass großflächige Verschattungen in Planten un Blomen oder der Entfall einer barrierefreien Parkverbindung zwischen St. Pauli/Karolinenviertel und Dammtor/Universität den Widerstand von Parkbesuchern und Studierenden hervorrufen dürften.

Mancher könnte ein Déjà-vu haben: Bereits vor rund zehn Jahren sollte eine neue Ausstellungs- und Messehalle am CCH die ökonomische Grundlage des Kongresszentrums verbessern. Wegen erheblichen Widerstands der Öffentlichkeit und der grünen Verbände konnte eine Zerstörung des beliebten Rosengartens in Planten un Blomen abgewendet werden, doch der zunächst angeblich unterirdische Baukörper rückte im Zuge der Planungen peu à peu aus dem Untergrund nach oben und präsentiert sich heute mit einer Sammlung unschöner Seitenausgänge, steilen Treppen und einer kargen Dachbegrünung als Fremdkörper im Park. 

Als wachsende Stadt und in Zeiten des Klimawandels muss sich Hamburg darauf besinnen, seine Flächensubstanz langfristig wertsteigernd zu sichern. Wo wäre dies sinnvoller - und tourismusfördernder - als in einer Parkfläche wie der Planten un Blomens? Wir fordern daher, dass die dortigen Planungen unverzüglich transparent gemacht werden, damit eine Beteiligung der Öffentlichkeit stattfinden und eine angemessene freiraumplanerische Lösung gefunden werden kann, die nicht vorrangig Investorenwohl und immer neue Bauvolumina im Auge hat.

Hamburg, 23.05.2016