Stellungnahme zum Seilbahn-Projekt

Blick von der Elbe auf den geplanten Seilbahn-Pylon (Foto: Frank P. Hesse)
Vogelschau auf den Alten Elbpark mit geplantem Seilbahn-Pylon (Foto: Frank P. Hesse)
Ansichtskarte vom Alten Elbpark um 1916 (Privatarchiv J. Schnitter)

Zur derzeit diskutierten Frage einer Seilbahn vom Millerntor über die Elbe nach Süden nimmt der Landesverband Hamburg/Schleswig-Holstein e.V. der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur wie folgt Stellung:

Als denkmalgeschützte Grünanlage kommt dem Wallringpark im Hamburger Stadtgrün eine herausragende Bedeutung zu. Mit der Errichtung des Wallrings zwischen 1616 und 1625 erhielt Hamburg eine bis heute prägende, städtebaulich wirksame Figur.  Als die Festungsanlage zu Beginn des 18. Jahrhunderts ihre militärische Bedeutung verlor, wurde sie mit Baumalleen bepflanzt, 1802 entstand auf dem Stintfang die erste Hamburger Sternwarte. Nach mehrmaliger Schleifung der Anlagen entstand ab Mitte der 1820er Jahre unter Isaak Altmann eine öffentlich zugängliche Grünanlage von hoher künstlerischer Qualität, welche die ehemaligen Bastionen als besondere topographische Merkpunkte mit Aussichtsplätzen, Kleinarchitekturen und Gebäuden auf ihrer jeweiligen Kuppe hervorhob. 

Als Gelände der ersten Hamburger Internationalen Gartenbauausstellung begann im  Alten Elbpark 1869 die Tradition Hamburger Gartenschauen, die zur heutigen Gestalt der Kleinen und Großen Wallanlagen, sowie von ‚Planten un Blomen’ führte. 

Trotz baulicher Eingriffe, die seit 1893 im Zuge der Wallregulierung den Alten Elbpark durch den Bau mehrerer Straßen in Teilflächen gliederten, der Führung der Untergrundbahn durch den Wall sowie einem Neubau des Bahnhofs Landungsbrücken 1959, hat der Alte Elbpark im Süden seine charakteristischen Merkmale des weiten Ausblicks auf Hafen und Neustadt sowie seiner vegetationsgeprägten Hänge bewahrt. Als weiterer Gestaltungshöhepunkt prägt seit 1906 die von Hugo Lederer erbaute Kolossalstatue des ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck die alte Bastion ‚Casparus‘.

Aus gartenhistorischen Erwägungen erscheint es uns unzulässig, in den denkmalgeschützten Park ein verkehrstechnisch und baulich spektakuläres „Highlight“ zu stellen, dass mit einem Pylon in der Nähe des Bismarck in starke visuelle Konkurrenz zu dem bedächtig-schweren Gepräge des Alten Elbparks treten würde. Das weiter oben, am Millerntor geplante Eingangsgebäude zur Seilbahn drohte zudem, den Haupteingang zu den Großen Wallanlagen weitgehend zu verstellen und teilweise sogar zu überbauen: ebenfalls ein geschütztes Gartendenkmal von hoher Bedeutung für die Stadt.

Und auch über den Wallringpark hinaus wäre eine Seilbahn mit ihren Pylonen und vorbeiziehenden Gondeln an dieser Stelle eine Sichtbeeinträchtigung der Stadtsilhouette, die suggeriert, sie benötige derartige Ergänzungen. 

Wir bitten alle Hamburgerinnen und Hamburger, sich gegen den Bau einer Seilbahn am Millerntor auszusprechen: Hamburg hat solchen Schnickschnack nicht nötig.

Stand: 13.07. 2014 JS