Nachruf Erich Ahlers

Im Bremen der Nachkriegszeit (von 1947 bis 1974) war Erich Ahlers eine herausragende Persönlichkeit. Knapp 30 Jahre prägte er als Gartenbaudirektor und Chef des Gartenbauamtes die Grünkultur der Stadt. Wir könnten ihn als Baum bezeichnen, der allen Stürmen zum Trotz das hat durchsetzen können und wollen, was er für sich und seine Kollegen in Ergänzung zum städtischen Wiederaufbau als das Wichtigste nicht nur erkannte, sondern dann auch forderte: Grün für Stadt mit ihren Menschen, für ihre Gesundheit, für ihr Wohlergehen, Grün auch für das Image der Stadt, um damit in schweren Zeiten jene schon fast historische Tradition fort zu setzen, die seine Kollegen vor mehr als zweihundert Jahren mit den Wallanlagen über den Bürgerpark bis zu den Friedhöfen begonnen und verwirklicht hatten.

Erich Ahlers verstand es beharrlich, in der Wiederaufbauzeit zwischen 1947 und 1970 bei der Überwindung der Kriegszerstörungen sich den großen Anforderungen zu stellen. Gegen die üblichen Widerstände gelang es ihm, sein "Grünkonzept" erfolgreich in die Stadtplanung ein zu bringen und parallel zum Wachstum der Stadt zu realisieren.

Erich Ahlers war ein außergewöhnlicher Gestalter. Diese Außergewöhnlichkeit prägte auch die in dieser Zeit entstandenen Grünanlagen: 

Die Wallanlagen an der Alt- und Neustadt, der Museumsgarten im Stephanieviertel an der Weser, die Hohentorsanlage, der Botanische Garten mit dem Rhododendronpark im Staddteil Horn und die Außenanlagen am Fockemuesum im Stadtteil Schwachhausen. Sie alle tragen seine Handschrift. In dieser Zeit wurden auch das Sportgebiet Pauliner Marsch und der Werdersee verwirklicht.

Erich Ahlers hat sich im besonderen Maße auch den Friedhöfen und Ehrenanlagen gewidmet. Der Osterholzer Friedhof, die größte Anlage dieser Art in der Hansestadt und darüber hinaus, wurde während seiner Amtszeit auf 80 ha erweitert. Diese von ihm konzipierte Erweiterung sowie die Neuanlage des Friedhofs im Stadtteil Huckelriede sind Vorbilder geworden für andere Städte und haben so auch die deutsche Friedhofskultur wesentlich beeinflusst.

Erich Ahlers, geboren am 03. 09.1909, hat den Beruf des Gärtners in seinem Heimat- und Geburtsort Rastede erlernt. Die Parklandschaft des Ammerlandes prägte ihn, so wie einst den bedeutenden Gartenkünstler Christian Ludwig Bosse lange vor ihm und hat ihn zu dem berufen, was ihn später mit fleißig erworbenem Wissen, mit erleuchtenden Erkenntnissen und praktischen Erfahrungen geformt hat. In Berlin studierte er unter den Professoren Barth und Wiepking. 1934 arbeitete er als Diplomgärtner bei Wilhelm Hübotter in Hannover, 1935 in Plauen bei Werner Bauch, 1936 wieder bei Hübotter, im Anschluss dann schon zwei Jahre im Garten- und Friedhofsamt in Bremen. Der Krieg unterbrach diese praktische Tätigkeit. Unversehrt 1946 wieder zurück gekehrt hat er dann schon ab 1947 zwei Jahre das Gartenbauamt in Bremen geleitet und wurde 1949 zum Gartenbaudirektor ernannt. Er blieb dies bis zu seinem Ruhestand im Jahre 1974.

Seine ehrenamtlichen Tätigkeiten waren zahlreich:

Mitglied im Sachverständigenbeirat des Volksbundes der Deutschen Kriegsgräberfürsorge e.V.; Fachpreisrichter des Wettbewerbs zur Erlangung von Entwürfen für die Gestaltung von Grünanlagen im Aufbaugebiet "Neu-Altona"; Preisrichtertätigkeit für einen Wettbewerb von Friedhofsbauten der Stadt Oldenburg und Begutachtung von Vorentwürfen zur Ausgestaltung eines Soldatenfriedhofs in Frankreich.

Erich Ahlers war mehr als 50 Jahre auch Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst- und Landschaftskultur e.V. (DGGL), im Landesverband Bremen-Niedersachsen/Nord und seit vielen Jahren Ehrenmitglied. Jahrzehnte stand er mit der Nr. 1 auf der Mitgliederliste; auch wenn er nicht mehr an Veranstaltungen und Exkursionen teilnehmen konnte, so war er doch allen übrigen Mitglieder im Bewusstsein und hat die Einladungen und Berichte mit großem Interesse begleitet und gelesen. Wir wollen hiermit seine großen Verdienste hervor heben, mit denen er das weite Feld der Gartenkunst zu bereichern wusste und das vor allem von jenen übernommen und weiter entwickelt wurde, die ihn erlebt und verstanden hatten.

Er konnte zeichnen und malen, hat es verstanden, weiter aktiv den natürlichen Formen nachzugehen, sie intensiv zu beobachten und zu verinnerlichen.

Er war Mittelpunkt der Familie mit seiner Frau Hildegard und seinen drei Kindern (Jan, Gerd und Sabine). Sie sind sehr traurig und vermissen ihn.

Erich Ahlers ist im gesegneten Alter von fast 94 Jahren von uns gegangen. Im ländlichen Rastede, in seinem idyllischen Haus im Vossbarg, umgeben von idyllischem Pflanzenbewuchs, hat er dieses sein reiches Leben ausklingen lassen.

Aber er hat ein hohes, dankbares Alter erreicht und konnte sicher weit von dieser Höhe in die tiefen Abgründe des Lebens sehen und auch überschauen. Wir sind ihm dankbar für seine Ein- und Aussichten, für sein gärtnerisches Tätigsein, für die Aufgaben, die er mit Bravour erfüllte in einer schweren, für manche heute kaum vorstellbaren Zeit. Wir werden ihn nicht vergessen!

Udo Rolf Gerdes, Worpswede