Nachlese: DGGL-Führung Alter Südlicher Friedhof, München, mit Prof. em. Justus Thyroff, 18. März 2012

1 (C) Martin Kulisch, DGGL-Gruppe im Alten Südlichen Friedhof
2 (C) Justus Thyroff, Krokusblüte im Alten Südlichen Friedhof
3 (C) Martin Kulisch, fugenlose Verarbeitung von Ziegeln in Gebäuden von Gärtner

Am Sonntag, dem 18. März 2012 fand sich eine DGGL-Gruppe von etwa 25 Personen zusammen, um den Ausführungen von Prof. Justus Thyroff bei einem Rundgang über den Alten Südlichen Friedhof in München zu folgen. Der Referent hat an der Fachhochschule Weihenstephan angehende Landschaftsarchitekten in den Fachgebieten Geometrie, Bautechnik und Städtebau unterrichtet.

Der Alte Südliche Friedhof wurde 1563 als Pestfriedhof "Äußerer Freithof" vor den Toren der Stadt angelegt. Im Jahr 1788 erließ der Kurfürst ein Verbot der Bestattung in den Friedhöfen innerhalb der Stadtmauern. Die hygienischen Verhältnisse müssen dort damals untragbar gewesen sein, Gebeine sollen aus dem Boden geragt haben. Bis zum Bau des Alten Nördlichen Friedhofes im Jahr 1868 war der südliche die einzige Begräbnisstätte der Stadt. In seinen Grabstätten zeichnet sich die Kulturgeschichte Münchens ab.

Viele der bekannten Bauten Münchens wurden auf dem Rundgang in Erinnerung gerufen und konnten mit den Ruhestätten ihrer Planer in Verbindung gebracht werden. Als Architekten wurden beispielsweise genannt: Gabriel von Seidl (1849-1913), als Begründer des Isartalvereins auch für den Naturschutz relevant, sein letztes Projekt war das Deutsche Museum, Friedrich Bürklein (1813-1872), der Erbauer der Maximilianstraße und des Maximilianeums, des ersten Projektes der Stadt München, das die Isar mit einbezog, Georg Joseph von Hauberisser (1841-1922), spezialisiert auf den neogotischen Stil und Erbauer des Neuen Rathauses, Carl von Fischer (1782-1820), Planer des Opernhauses und des Prinz-Carl-Palais - wohl auch Urheber des Grundrisses der Glyptothek, wie eine Teilnehmerin mit Hinweis auf den Katalog zu einer Ausstellung zum 200. Geburtstag des jung Verstorbenen beitrug, Georg von Dollman (1830-1895), dessen schlichter Gedenkstein in bemerkenswertem Gegensatz zu seinen Bauten steht, er war Architekt König Ludwigs II. An prominenter Stelle, nämlich nahe des Eingangs des Campo Santo im südlichen Teil des Friedhofes auf der einzig überdachten Seite, befinden sich die Grabstätten der Architekten Ludwig I: Leo von Klenze (1784-1864) und Friedrich von Gärtner (1792-1847), Rivalen zu Lebzeiten, Nachbarn auf dem Friedhof.

Namen wie die der Doctores Justus von Liebig (1803-1873), Georg Simon Ohm (1789-1854) und Ludwig Michael von Schwanthaler (1802-1848) haben als Chemiker, Physiker bzw. Bildhauer internationale Bedeutung erlangt.

Aus dem Bereich der Gartenkunst finden sich die Gräber Friedrich Ludwig von Sckells (1750-1823) und des späteren Hofgartendirektors Karl von Effner (1831-1884) sowie des Botanikers Philipp von Siebold (1796-1866), der das damals noch kaum zugängliche Japan bereiste und das Vertrauen des Kaisers gewann, so dass er zurück in Europa als dessen Botschafter dienen konnte. Pflanzennamen wie Hosta sieboldiana und andere zeugen von seinem Lebenswerk und erinnern an ihn.

Maler waren der bekannte Karl Spitzweg (1808-1885) und Karl Rottmann (1798-1850), ein Hof- und Landschaftsmaler, von dem in der Neuen Pinakothek eine Reihe von Werken zu sehen ist, auch von seinen Griechenlandaufenthalten.
Unternehmernamen wie Pschorr, Maffei oder auch das repräsentative Grabmal des Hofbankiers Ludwig Friedrich von Eichthal (1787-1854) zeugen von der wirtschaftlichen Vitalität der Zeit. Zu Münchens Stadtgeschichte dürfen auch die Namen Arnold von Zenetti (1824-1891), er war städtischer Oberbaurat, und Dr. Max Pettenkofer (1818-1901) nicht fehlen, die sich um die hygienischen Verhältnisse der Stadt verdient gemacht haben.

Noch im Original erhalten ist eine filigrane Brunnenskulptur aus Gusseisen, die im Jahr 1831 zur Erinnerung an die Opfer der „Sendlinger Mordweihnacht“ eingeweiht worden ist. Die Gefallenen der Bauernschlacht von 1705/1706 gegen habsburgische Reichstruppen waren hier beerdigt worden.

Auch die Grabsteine sind mitunter Kunstwerke. Von einigen nannte Justus Thyroff Klenze selbst als Bildhauer. Bei sehr bekannten Persönlichkeiten wurden in den 50er Jahren im Krieg zerstörte Grabstein mit neu gestalteten ersetzt. Im Campo Santo, dem südlichen Teil des Friedhofes, war zu sehen, wie an einigen in die Wand eingelassenen Gedenksteine Restaurierungsarbeiten durchgeführt wurden. 30.000 Euro nannte der von der Stadt München aus zuständige Herr Heil, der an der Begehung teilnahm, als Größenordnung für die Kosten eines einzigen Grabmals. Patenschaften könnten übernommen werden, auch Sponsoren erklärten sich bereit, etwas beizutragen. Gerade bei Grabstätten aber sei es sehr heikel, Plaketten mit den Namen von Spendern anzubringen.

Im Gespräch kam der Gedanke auf, dass dies mit zunehmender Verbreitung von Smartphones ins Internet verlagert werden könnte, eventuell auch unterstützt durch QR-Codes.

Ein Bedarf, umfangreiche Informationen bereit zu stellen, wäre sicherlich gegeben. Manch ein Besucher wird dies bei seinem Rundgang aufgreifen, die Atmosphäre der Grünanlage mit ihren Baumbestand und historischen Denkmälern genießen und dabei vor Ort Interessantes erfahren.

„Reparatur“ habe Hans Döllgast bescheiden seine Wiederaufbaumaßnahmen nach Zerstörungen des zweiten Weltkrieg genannt, gab Justus Thyroff wieder. Man darf aber wohl gerade die Zurückhaltung aus heutiger Sicht als selbst denkmalwürdig ansehen. Die Überdachung im Campo Santo ständerte er schlicht und filigran mit eisernen Trägern auf. Am Boden kann man noch die Spuren der ehemaligen, viel voluminöseren Pfeiler erkennen. Man hat den Eindruck, dass der Architekt die erhaltenen Kunst- und Bauwerke zur Geltung gebracht hat, ihnen gerecht geworden ist, ohne zu rekonstruieren.
Bemerkenswert ist sein Umgang mit dem Ziegelmaterial in Mauern, Pfeilern und Nischen, auf das einfachste zurückgeführt.

Berühmt für die fugenlose Verarbeitung des Materials war Friedrich von Gärtner, der im 19. Jahrhundert den südlichen Teil des Friedhofes im italienischen Stil geplant hatte. Im Zwischenbau ist dieses handwerklich Können noch zu sehen.
Zur Sprache kamen auch Fragen von Baumschutz und Naturschutz. Wenn Efeubestände entfernt werden müssten, meldeten sich Landesbund für Vogelschutz und einzelne Bürger; manchmal sei dies aber aus Sicherheitsgründen unabdingbar, so die Vertreter der Stadt. Die Windlast und Schneelast nehmen an den Bäumen nehmen zu, außerdem kann die Standsicherheit nicht mehr kontrolliert werden, wenn Stamm und Äste zugewachsen sind.

Einen wunderschönen Aspekt zeigten die Krokusse, die in manchen Bereichen einen geschlossenen, zartlila Bestand bildeten.
Zum Abschluss wies Herr Heil darauf hin, dass die Stadt München verstärkt Führungen in Friedhöfen, auch in neueren, anbiete. Es bestehe zu diesem kulturell vielseitigen Thema in Grünanlagen, die auch für die Pflanzen- und Tierwelt ein Refugium in der Stadt darstellen, ein großes Interesse. Informationen dazu sind im Internet abrufbar.

Veronika Fischer-Horns