Jahresbericht des DGGL Landesverbandes Baden-Pfalz für das Jahr 2010

Am 29. Januar 2010 fand die Jahreshauptversammlung in Ludwigshafen statt. Neugewählt wurden der Schatzmeister und ein Beiratsmitglied. Weiterhin wurde einstimmig die Anpassung unserer Satzung an die des Bundesverbandes beschlossen.

Führung durch die Rebflurordnung in Schriesheim (Kuhberg)

Das Flurneuordnungsgebiet liegt an der „Badischen Bergstraße“ auf Gemarkung Schriesheim in der Region Unterer Neckar im Regierungsbezirk Karlsruhe und befindet sich am Rande der Oberrheinischen Tiefebene am Westhang des Odenwaldes. Es grenzt im Westen an den Ortsrand von Schriesheim und im Norden an die Strahlenburg. Im Osten befindet sich die geschlossene Waldfläche des Odenwaldes, im Süden bestimmen ausgedehnte Rebflächen das Landschaftsbild. 

Die besondere Zielsetzung des Verfahrens liegt einerseits in der Erhaltung des Weinbaues in den Steillagen rund um die Strahlenburg und andererseits in der langfristigen Sicherung und Erhaltung der besonders schützenswerten Lebensräume der reichhaltig vorhandenen Flora und Fauna. Trotz dieser nicht einfachen Vorgaben konnten die Belange der Teilnehmer stets berücksichtigt und darüber hinaus die Situation jedes einzelnen Grundstückseigentümers durch die Ausweisung von gemeinschaftlichen Anlagen und die Neustrukturierung der Besitzverhältnisse wesentlich verbessert werden. Die Verhinderung der Verbuschung und letzlich Zurückeroberung durch den Wald und damit die Erhaltung dieser einzigartigen Kulturlandschaft konnte durch die ganzheitlich ausgerichtete Flurneuordnung erreicht werden.

Die Rebflurneuordnung Schriesheim (Kuhberg) wurde als Rebverfahren nach §§ 1 und 37 FlurbG am 10. Januar 2006 angeordnet. Die Verfahrensfläche beträgt rd. 17 ha. Der Besitz im Flurneuordnungsgebiet war zersplittert und bestand überwiegend aus kleinen, unwirtschaftlich geformten Rebstücken. Wegen fehlender Zufahrtsmöglichkeiten zu den Grundstücken und zu den steilen Hanglagen konnten größere Teile des Rebhangs nur in mühsamer Handarbeit bewirtschaftet werden. 

Das Flurneuordnungsgebiet wurde unter Beachtung der vorhandenen Landschaftsstruktur und des besonderen Verfahrenszwecks neu gestaltet. Zersplitterter und unwirtschaftlich geformter Grundbesitz wurde dabei zusammengelegt und nach Lage, Form und Größe zweckmäßig geordnet. Wege, Wasserführungen, Regenrückhaltebecken und andere gemeinschaftliche Anlagen wurden erstellt und zahlreiche landschaftspflegerische und landschaftsgestaltende Maßnahmen realisiert. Insbesondere wurden die vorhandenen Trockenmauern erhalten oder ersetzt. Auf etwa ⅓ der Verfahrensfläche wurden keine neuen Reben angepflanzt. Diese Flächen dienen der Biotopvernetzung, damit für die hier vorgefundenen Pflanzen- und Tierarten eine optimale Erhaltungs- und Entwicklungsmöglichkeit geboten wird. Diese ökologisch wertvollen Flächen werden größtenteils in das Eigentum der Stadt Schriesheim gebracht und nach den Vorgaben der Naturschutzverwaltung ausgestockt und angelegt.

Übersicht der wesentlichen Maßnahmen

1. Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege

Erstpflege durch Ausstockung 1,2 ha
Flächen mit besonderer Gras- und Krautvegetation 0,7 ha
Trockenmauern ca.  500 m² (sichtbare Fläche)
Biotopvernetzungsflächen, die der Gemeinde Schriesheim zugeteilt werden 1,8 ha

2. Baumaßnahmen

Umgestaltungsfläche   8 ha
Asphaltwege 1,7 km
Wege mit Rasenverbundsteinen 1,5 km
Schotterwege 0,4 km
unbefestigte Wege / Grünwege 0,3 km
Regenrückhaltungen 7 Stück

3. Sonstige Maßnahmen

Bau einer Bewässerungsanlage, an der 18 km Tröpfchenschläuche angeschlossen sind

Stellungnahme der Stadt Schriesheim

Der Weinbau ist eines der prägenden Merkmale der Stadt Schriesheim. Die Weinberge bilden eine Kulturlandschaft, die bis weit in die Rheinebene hinein erkennbar ist. Zusammen mit der Strahlenburg machen sie die Stadt Schriesheim unverwechselbar. Traditionell ist der Weinbau tief in der Schriesheimer Geschichte verwurzelt. Heute noch gibt es viele Winzerfamilien, die über Generationen hinweg Weinbau in Schriesheim betreiben. Der Weinbau ist also eines der zentralen Merkmale, über den die Stadt Schriesheim nach Außen hin wahrgenommen wird.

Um die Zukunftsfähigkeit des Weinbaus und die Qualität des Schriesheimer Weins zu erhal-ten, ist eine Rebflurneuordnung am Kuhberg notwendig geworden. Die kleinteilige Gliede-rung der Flurstücke und die vorwiegend in Steillagen ausgebrachten Rebstöcke machten eine Bewirtschaftung sehr aufwändig und eine Nutzung der Weinberge unrentabel. Durch eine Umgestaltung in Querlagen konnte so eine wirtschaftlichere Bestellung der Rebflächen ermöglicht werden. Zudem trugen verwilderte und nicht genutzte Flurstücke vor der Rebflurneuordnung zu der Gefahr von Pflanzenschäden bei. Die Rebflurneuordnung war also ein wesentlicher Schritt, den Weinbau in Schriesheim als wichtigen und auch symbolträchtigen Wirtschaftszweig zu stärken. In Zahlen zusammengefasst bedeutet dies, dass sich auf einer Fläche von rd. 17 ha die Anzahl der Flurstücke von ca. 170 auf ca. 120 verringert hat. Die Zahl der Eigentümer nahm um 10 – von 80 auf 70 ab. 

Mit der Sicherung und Fortführung des Weinbaus am Kuhberg wird ein wichtiger Beitrag zur Erhaltung des für die Bergstraße prägenden Landschaftsbildes erreicht.Gleichzeitig wurde durch die Ausweisung von Biotopflächen, die sich zum überwiegenden Teil in kommunalem Eigentum befinden, ein Fortschreiten der Verwilderung wertvoller Kulturflächen verhindert.

Die Weinberge in Schriesheim sind zudem auch ein wichtiger Faktor der Naherholung. Sie dienen als Ausflugsziel für viele Bevölkerungsgruppen. In diesem Zusammenhang hat die Rebflurneuordnung auch zur touristischen Aufwertung der Schriesheimer Weinberge beigetragen. Der im Jahr 2009 neu errichtete „Themenweg Kuhberg“ trägt ein als Rundweg angelegter Lehrpfad dazu bei, die Menschen über Stadt- und Erdgeschichte, die Rebflurneu-ordnung an sich sowie über Flora und Fauna und den Weinbau mit all seinen Facetten zu informieren. Als Mitglied im UNESCO-Geopark und im Naturpark Neckartal-Odenwald besteht für die Stadt Schriesheim ein großes Interesse an derartigen Informationen für die Nutzer der Parks.

Der Verfahrensablauf des Rebflurneuordnungsverfahrens verlief aus Sicht der Stadt Schries-heim äußerst zügig. Im Juni 2008 kam es durch ein extremes Gewitter zu Erosionsschäden entlang der noch nicht begrünten Wege. Die damit verbundenen Probleme für die betroffenen Bürger wurden durch die vorbildliche und effektive Zusammenarbeit zwischen der Rebflur-neuordnungsbehörde, der Teilnehmergemeinschaft und der Stadt Schriesheim zu aller Zufriedenheit gelöst.

Die reibungslose gemeinsame Lösungsfindung und die sehr gute Kommunikation zwischen den Beteiligten führte zu einer zügigen und problemlosen Umsetzung der Gesamtmaßnahme.

Abschließend ist anzumerken, dass die Rebflurneuordnung am Kuhberg das Stadtbild der Stadt Schriesheim unterhalb des Wahrzeichens der Strahlenburg nachhaltig prägt und dies nur auf die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten zurückzuführen ist.

Besuch des japanischen Gartens in Kaiserslautern

Mit ca. 13500 m2 gehört der japanische Garten in Kaiserslautern zu den größten japanischen Gärten Europas.

Bei gutem Wetter trafen sich 17 Mitglieder des Landesverbandes Baden-Pfalz um an der Führung teilzunehmen. Bemerkenswert sind nicht nur die Größe des Gartens und seine zentrale Lage in Kaiserslautern sondern auch sein Entstehungsgeschichte. Es handelt sich um einen vom Verein Japanischer Garten Kaiserslautern e.V. zu einem großen Teil von Mitgliedern unter der Aufsicht von japanischen Fachleuten gestalteten Garten, der mit Beiträgen, Spenden und Eintrittsgeldern jetzt sein 10 tes Jahr bestreitet.

Die Konzeption des japanischen Gartens stellt immer eine idealisierte, gestaltete Naturlandschaft dar, ein Landschaftskunstwerk, in dem Wasser, Steine und Bepflanzung fast gemäldeartig komponiert werden und „Jedes“ seine Rolle hat. Durch glückliche Umstände konnte das Wasser der Lauter in den Umlauf für die Wasserfälle und Seen verwendet werden. Dies kommt in 4 verschiedenen Flächen zur Geltung und sein Höhepunkt ist ein ca. 13 m hoher Wasserfall der über eine natürliche Steinsformation fällt.

Den krönenden Abschluss fand die Führung in einem historischenTee- und Gästehaus mit Blick auf den Teich und die gerade in voller Blüte befindlichen Kaiserkirschen. Gut gelaunt kehrten einige Teilnehmer in der historischen Altstadt von Kaiserslautern nicht gerade zu Tee aber zu einem gemeinsamen Umtrunk ein.

Wird in Landau 2014 die Landesgartenschau stattfinden?

So lautete die Frage als wir im Januar unser Jahresprogramm aufstellten. Kurz vor der Veranstaltung fiel die Entscheidung: Ja die Landesgartenschau 2014 wird in Landau stattfinden.    

Für die Teilnehmer ging in Landau die Sonne auf. Bei bestem Wetter führte uns Herr Hetzer, ehemaliger Gartenamtsleiter, durch die für die Gartenschau 1949 ausgebauten Parkanlagen, den Goethe- und den Schillerpark zum Kasernengelände, welches für die Landesgartenschau umgebaut werden soll.

Der stellvertretende Leiter der Stadtplanung Herr Kamplade hat uns durch das alte Kasernengelände geführt und uns Zweck und Ziele der Gartenschau erläutert. Wir waren erstaunt wie viele Gebäude sich auf den Flächen befinden unter Denkmalschutz gestellt wurden und im Zuge der Gartenschau einer neuen Nutzung zugeführt werden sollen. Bagger standen vor Ort und die ersten nicht erhaltenswerten Gebäude waren schon abgerissen. Auch Frau Buchholz meisterte die dreistündige Wanderung mit links.

Im Anschluss spazierten wir auf dem direkten Weg am Französischen Tor vorbei in die Innenstadt und durch die wunderbar sanierte Fußgängerzone über den Rathausplatz zum Frank Loebschen Haus wo wir den Tag  gemütlich ausklingen ließen.

Besuch der Ausstellung „Stadtgrün-Europäische Landschaftsarchitekten planen für das 21 Jahrhundert“

So heißt die Ausstellung, die das Deutsche Architekturmuseum in Kooperation mit dem Palmengarten Frankfurt am Main zeigte.

Die Ausstellung zeigte 27 aktuell realisierte Beispiele von Freiraumgestaltung in Europa, entworfen von international renommierten Landschaftsarchitekten. Innerstädtische Freiräume gestalteten sie zum überwiegenden Teil mit Grünpflanzungen. Die Projekte reichten vom urbanen Privatgarten bis zu Großprojekten wie der Revitalisierung von Flussuferbereichen oder Grün-Masterplanungen für ganze Metropolen. Der Besucher erhielt dabei einen fundierten Überblick über führende Positionen der Landschaftsarchitektur in Europa. Die Ausstellung selbst war ein engagiertes Plädoyer für mehr Grün im Stadtrau

Besichtigung des Mörschbaches in Frankenthal

Trotz Dauerregen in den Wochen vor unserer Veranstaltung konnten wir die Begehung des renaturierten Mörschbachs bei strahlendem Sonnenschein absolvieren. Herr Kerutt, der Leiter des Stadtplanungsamtes und Herr Lösch als zuständiger Landschaftsarchitekt für das Projekt, führten uns durch eine Bachauenlandschaft, die trotz Fertigstellung im Frühjahr 2010 zumindest in der Artenvielfalt der bereits zurückgekommenen Vogelarten eine große Vielfalt aufweist. Wir konnten konkret ein Storchenpaar im Flug bewundern. Für einige Vogelarten wurde eine Lößlehmwand nachgebaut, d.h. hinter senkrecht eingeschlagenen Baumpfählen wurde Boden aufgeschüttet, der durch Vlies in der Senkrechte gehalten wird. In das Vlies wurden Vogelnistkästen eingelassen.

Frankenthal legte als eine der ersten Städte bereits im 1998 erschienenen Flächennutzungsplan Landschaftsräume für Gewässerrenaturierung  großzügig fest.

In Verbindung mit der Herstellung eines Retentionsraumes  nördlich der A 6 haben die Stadt Frankenthal und die Gemeinde Bobenheim-Roxheim die Neugestaltung des Mörschbachs als naturnahes Flachlandgewässer durchgeführt.

Hierzu erfolgte die Neuanlage des Bachbetts östlich des derzeitigen alten Gewässerverlaufes, der Isenach in diesem Bereich auch Mörschbach genannt auf einer Länge von ca. 1,4 km. Die bachbegleitende Bachniederung wurde als standortgerechte Feucht- Nasswiese entwickelt. Neben der Schaffung von Retentionsraum führt dies zu einer erheblichen Verbesserung der ökologischen Verhältnisse. 

Nachdem keiner ins Wasser gefallen war und sich niemand nasse Füße geholt hatte konnte die Veranstaltung nach einem gemütlichen Beisammensein geschlossen werden.

Besuch des Büroverbundes „Stadt und Natur“ in Klingenmünster

Der Name des 1991 gegründeten Verbundes steht für eine übereinstimmende Auffassung und Arbeitsweise verschiedener Büros bei der Bearbeitung bzw. Umsetzung von Projekten. Die Büros wollen mit ihrer Arbeit dazu beitragen, unsere Gesellschaft bürger- und insbesondere kinderfreundlicher zu gestalten.

Um dieser Zielsetzung gerecht werden zu können, werden Maßnahmen zusammen mit dem Betroffenen erarbeitet und teilweise auch gemeinsam umgesetzt. Zu diesem Thema und dem angeschlossenen Wohnprojekt haben uns Herrn Norbert Schäfer und Frau Helga Berger informiert. Es gab eine Führung durch die Räumlichkeiten und die dazu gehörenden Außenanlagen mit Wald und Wiesen, Ton und Heu, Indianern und anderen Projekten, die auch insbesondere Kindern diesen Ort mit seinen Geheimnissen der Natur näherbringen.

Am 30 September und 1. Oktober fanden sowohl die Kulturpreisverleihung, als auch ein Symposium zum Auftakt des Jahresthemas „Private Gartenkulturen“ in Weinheim statt

Die DGGL e.V. vergibt jährlich einen Kulturpreis für Gartenkunst und Landschaftskultur an Persönlichkeiten und Institutionen, die sich in besonderer Weise um die Gartenkultur verdient gemacht haben. Im Jahr 2010 ging die Auszeichnung an Dr. Gisela und Hermann Freudenberg für ihr langjähriges Engagement um den Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof in Weinheim/Bergstraße. Ihnen wurde am 1. Oktober das Goldene Lindenblatt überreicht.

Der Hermannshof wurde als Staudensichtungsgarten am 6 . Mai 1983 der Öffentlichkeit übergeben. Die Initiative dazu ging von den Eheleuten Freudenberg aus, die auf Anregung ihrer Schwägerin Gerda Gollwitzer den bis dahin privat genutzten ca. 2,2 ha großen Garten ab 1981 nacvh Plänen von Prof. Hans Luz und auf der Grundlage eines Gutachtens von Prof. Richard Hansen umgestalten ließen. Gleichzeitig wurde Urs Walser mit der Pflanzplanung nach dem Konzept der Lebensbereiche betraut. Die Baukosten in Höhe von ca. 1 Million DM übernahm die Fa. Freundenberg.

Der Schau- und Sichtungsgarten dient seitdem als Bildungs- und Forschungseinrichtung der Förderung von Gartenkultur und Landespflege. Ziel ist es Pflanzenkombinationen auf ihre Verwendungsfähigkeit im öffentlichen Raum, in Privatgärten im südwestdeutschen Raum zu untersuchen.

Besuch des Friedhofes in Ettlingen am 6. November

In den letzten 30 Jahren hat sich der Bedarf innerhalb des Friedhofes dramatisch gewandelt. War 1980 der Bedarf an Urnengräbern noch bei ca.15% gelegen ist er bis heute auf 60% gestiegen. Die Auswirkungen dieses Wandels wurden den Teilnehmern vor Ort durch Herrn Schmidt-Bäumler gezeigt. 

Seit 5 Jahren ist der Bestattungsdienst voll privatisiert. Auch die Auswirkungen, die  sich daraus ergeben haben, konnten wir auf dem Friedhof diskutieren. 

Abgesehen davon wart der Friedhof  einen Besuch wert, da er in wunderschöner Lage an der Vorbergzone liegt und von der Ettlinger Bevölkerung sehr geschätzt wird.

Aufgestellt 27.4.2011

Gabriele Bindert