Präsidentenbrief Nr. 9

Liebe DGGL-Mitglieder,

Sie haben inzwischen alle das DGGL-Jahrbuch 2006 „Regionale Gartenkultur - Über die Identität von Landschaften“ erhalten. Da ich mich persönlich um das Projekt gekümmert habe, interessiert mich natürlich die Frage, wie Sie das Buch finden, prinzipiell als Startobjekt einer langfristig angelegten Reihe von Jahrbüchern und speziell auf das Thema des ersten Jahrbuches bezogen. Proteste oder negative Rückmeldungen sind bei mir bisher nicht angekommen. Das kann ein gutes Zeichen sein, weil Meinungsäußerungen bekanntlich leichter fallen, wenn ihre Motivation aus Kritik oder Verärgerung entsteht. Da mich aber auch keine begeisterte Zustimmung erreicht hat, fühle ich mich ein wenig schweben. Das ist kein unangenehmer Zustand, aber ich erhoffe mir doch durch Sie noch etwas mehr rückkoppelnde Bodenhaftung. 

Denn auf der Konferenz der Landesverbände im Juni ist beschlossen worden, dass wir mit den Jahrbüchern weitermachen wollen. Im letzten Präsidentenbrief hatte ich als denkbare Themen für das nächste DGGL-Jahrbuch „Spielraum“ oder „Neue Landschaftsarchitektur“ genannt, aber abweichend davon ist jetzt auf dieser Konferenz als Arbeitstitel „Gartenkunst und Stadtentwicklung“ festgelegt worden. Es geht dabei um die Frage, welche Rolle eine qualitätvolle Freiraumplanung bei der Entwicklung der Städte gespielt hat und welche Bedeutung sie angesichts der heutigen Herausforderungen in der Stadtpolitik haben kann. Das Thema „Stadtumbau“ soll gemeinsam mit anderen grünen Verbänden auch auf dem nächsten Bundeskongress im Juni 2007 anlässlich der Bundesgartenschau Gera-Ronneburg diskutiert werden. 

An der in diesem Jahr ausgewählten, formalen Grundkonzeption des Jahrbuches, einer Mischung von allgemeinen und exemplarischen Beiträgen, wollen wir festhalten, wenn nicht noch überzeugende Einwände dagegen auftauchen. Das Gleiche gilt für Umfang, Format und Gestaltung des Buches. Wie schon in diesem Jahr kann das Thema auch in den Programmen der DGGL-Landesverbände als „Jahresthema“ genutzt und bewegt werden. 

Erinnern Sie sich an meinen Spendenaufruf zur Unterstützung des ersten DGGL-Jahrbuches? Mit großer und dankbarer Freude teile ich Ihnen hier mit, dass viele Mitglieder diesem Aufruf gefolgt sind und gespendet haben. In der Summe ist ein Betrag von 1.160 € zusammengekommen. Er hat uns bei der Finanzierung sehr geholfen. Ich werte ihn aber auch als ein schönes, solidarisches Zeichen.

Am Ziel einer starken Mitfinanzierung des Jahrbuches durch Förderung und Sponsoring will das Präsidium festhalten. Wenn Sie Ideen haben, wen wir dazu noch ansprechen könnten, wäre ich für einen Hinweis dankbar. Übrigens ist das Jahrbuch zum Preis von 15 € auch über den Buchhandel erhältlich. Man kann schon jetzt feststellen, dass es auch außerhalb der DGGL wahrgenommen wird. Wenn Sie zum Verschenken noch mehr Exemplare haben wollen, können Sie diese zum Preis von 10 € bei der Bundesgeschäftstelle bestellen. Jedes verschenkte Buch trägt dazu bei, dass die DGGL bekannt wird und vielleicht beflügelt es ja auch die Bereitschaft, Mitglied zu werden. 

Mit diesem Brief erhalten Sie die Einladung zur Verleihung des diesjährigen DGGLKulturpreises an Herrn Professor Dr. Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt am 29. September in Halle. In zeitlicher Verbindung mit dem Festakt veranstaltet das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in Zusammenarbeit mit der DGGL eine Fachtagung „Gartenkunst und Gartendenkmalpflege“, auf der vor allem über die Erfahrungen mit dem Programm „Gartenträume“ berichtet wird, das ja auch die wesentliche Begründung für die Verleihung des Kulturpreises liefert. Ich lege Ihnen die Teilnahme am Festakt und an der Tagung ans Herz. Das ebenfalls beiliegende Tagungsprogramm ist für alle interessant, die historische Gärten und Parks im Blick haben. Daneben befasst es sich aber auch allgemein mit den programmatischen, auf den nachhaltigen Erfolg gerichteten Ansätzen der Gartenkulturpolitik. Darüber hinaus bietet Ihnen die Gesamtveranstaltung in Halle die Möglichkeit, an der Konferenz der DGGL-Landesverbände und an der Verleihung von Ehrenmitgliedschaften an Reinhard Grebe, Birgit Koschnick und Rose Wörner teilzunehmen. Und noch etwas: 

Wer Halle kennt, den muss ich nicht überzeugen, aber wer mit Halle nicht viel verbindet, dem möchte ich doch auf die ganz besondere Verknüpfung von Natur- und Kulturlandschaft in dieser Stadt aufmerksam machen. Das in dem Lied „An der Saale hellem Strande….“ besungene Bild ist in Halle – wenn man visionär veranlagt ist - besonders ausgeprägt zu finden. Auf zwei Exkursionen, eine innerhalb von Halle, eine ins weitere Umland, haben Sie Gelegenheit, diese Visionen kennen zu lernen und selbst weiter zu entwickeln. 

Wir neigen heute alle dazu, unsere Blicke in die weite Ferne zu richten und wir meinen, uns in vielen Erdregionen auszukennen. Bundesveranstaltungen der DGGL sind Gelegenheiten, im eigenen Land den Nahblick zu üben und Überraschendes oder gar Begeisterndes zu erleben. Der Bundeskongress im Juni in Wuppertal, den die DGGL gemeinsam mit den Gartenamtsleitern (GALK), den Landschaftsarchitekten (BDLA), den Landschaftsgärtnern (BGL) und den Gartenforschern (FLL) veranstaltet hat, war eine solche Gelegenheit. Das Thema „Freiraum regional – von der Zwischenstadt zur Gartenregion“ hätte man auch irgendwo anders diskutieren können, aber unvergesslich wurde die Veranstaltung durch ihre Verortung im Städtedreieck Wuppertal-Solingen-Remscheid. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich diese Region bisher nur vom Zug aus kannte und auch wenig Neigung verspürte, ihre nähere Bekanntschaft zu machen. Aber nun bin ich durch eine zauberhafte Wald-Fluss-Landschaft und eine hochentwickelte Gartenkultur, durch eine liebevoll aufmerksame Gastfreundschaft und durch eine sehr spezielle Stimmung während der Fußballweltmeisterschaft zu einem Remsoliwup-Fan geworden. 

Es grüßt Sie herzlich aus dem sommerlichen Phloxgarten 

Dr. Kaspar Klaffke im August 2006