Präsidentenbrief Nr. 6

Liebe DGGL-Mitglieder,

Sie haben lange nichts von mir gehört, aber Sie sollten daraus nicht auf Untätigkeit des Präsidiums und der Bundesgeschäftsstelle schließen.

Die Vorbereitungen für das Symposium „Perspektive Stadt“, vom 15. bis 18. Juni 2005 anlässlich der Bundesgartenschau in München, sind weit gediehen. „München ist immer eine Reise wert“, das sagen viele und es stimmt ja auch. Zum Symposium wird München noch einmal erheblich wertvoller; denn nicht nur Gärtner und Landschaftsarchitekten, sondern auch Architekten, Stadt- und Regionalplaner, Vertreter des Wohnungsbaus und der Wohnungswirtschaft, Politiker und Bürger, kurz: alle, die das Thema „Stadt“ etwas angeht, werden dort vertreten sein. Das ist auch eine Herausforderung für Sie, sich in die aktuelle Diskussion einzumischen. Städte befinden sich zurzeit in einem teilweise dramatischen Umbruch.
Die Frage „Wird es in Zukunft noch die traditionelle europäische Stadt geben?“ ist nicht so theoretisch, wie sie klingt. Noch unklarer ist, was aus den privaten und öffentlichen Freiräumen wird, die bisher als ein unverzichtbares Element von Stadtqualität galten. Bei solchen existentiellen Fragen kann und will die DGGL nicht abseits stehen. Aber, wie Sie ja sicherlich von früheren Bundeskongressen wissen, müssen Sie nicht befürchten, vom Ernst der Lage erdrückt zu werden. Empfänge, Exkursionen und die festliche Verleihung des BDLA-Landschaftsarchitekturpreises werden für die nötige Auflockerung sorgen.
Übrigens wird im Rahmen des Symposiums am 16. Juni auch die Konferenz der Landesverbände stattfinden. Sie ist das höchste Entscheidungsgremium der DGGL und deshalb nicht nur für Funktionsträger interessant. Gerne senden wir Ihnen die Unterlagen zu; das Programm des Bundeskongresses erhalten Sie im April.

Ein zweites wichtiges Ereignis ist die Verleihung des DGGL-Kulturpreises an Herrn Dr. Lutz Spandau, Vorstand der Allianz Umweltstiftung, am 30. September 2005 in Berlin. Die Allianz Umweltstiftung hat sich seit ihrem Bestehen mit Herrn Dr. Spandau an der Spitze in beispielgebender Weise um eine Zusammenführung von Umweltschutz und Landschaftsarchitektur bemüht und soll dafür mit dem Goldenen Lindenblatt ausgezeichnet werden. Die Festveranstaltung wird abends in den Räumen der Dresdner Bank am Pariser Platz stattfinden.
Wer möchte, kann vorher an der zweiten Konferenz der Landesverbände in diesem Jahr teilnehmen. Am folgenden Tag, am 1. Oktober also, wird der Landesver band Berlin/Brandenburg gemeinsam mit der „Grün Berlin Park und Garten GmbH“ verschiedene Exkursionen zu Gartenzielen in Berlin anbieten. Als Ausklang ist ein Treffen im Naturpark Schöneberger Südgelände vorgesehen.
Sie sind alle herzlich eingeladen, bei diesem sicherlich ungewöhnlichen Ereignis dabei zu sein.

Drei aktuelle schwer wiegende Eingriffe in berühmte historische Gartenanlagen möchte ich zum Anlass nehmen, Sie um Ihre Bereitschaft zum aktiven Protest zu bitten, wenn Ihnen ähnliche Fälle bekannt werden. In Schwerin wird ernsthaft überlegt, eine Rennstrecke für Tourenwagen mitten durch den Schlossgarten zu legen. In Kassel soll der Bergpark Wilhelmshöhe in einen „Museumspark“ verwandelt werden. Eine Rolltreppe soll den Besuchern den Aufstieg zum Schloss erleichtern. In Regensburg soll der Schlosspark mit einem Kultur- und Kongress-Zentrum bebaut werden.

Solche Projekte machen mich fassungslos. Sie offenbaren eine hemmungslose Missachtung einmaliger gartenkultureller Werte. Solche Entwicklungen dürfen wir als DGGL nicht stillschweigend hinnehmen. Insbesondere der Vorsitzende des Arbeitskreises Historische Gärten, Herr von Krosigk, und der Monitoring-Beauftragte, Herr Jordan, sind bereits aktiv geworden, aber auch die Landesverbände und Sie als Mitglied sind gefordert.

In den weiteren Zusammenhang der engagierten Anteilnahme passt eine Tagung, die am 29. und 30. April unter der Federführung des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten (BDLA) und der Gartenakademie Baden-Württemberg, aber mit Beteiligung des DGGL-Arbeitskreises Historische Gärten veranstaltet wird. Ihr Titel lautet: „Die Gartenkunst ist tot – es lebe die Gartenkunst“, und sie rankt sich um den Hortus Palatinus am Heidelberger Schloss. Er ist in der in der Geschichte der Gartenkunst in Deutschland berühmt. Sein heutiger Zustand rechtfertigt diese Berühmtheit allerdings nicht. Er fordert dazu heraus, sich um eine Angleichung seines gegenwärtigen Erscheinungsbildes an seine historische Bedeutung zu bemühen. Solche Beispiele und Anlässe zeigen, wie wichtig die Tätigkeit der Arbeitskreise innerhalb der DGGL ist. Sie schweben manchmal vielleicht zwischen den Wolken, aber sie mischen sich auch ganz konkret ein. Lassen Sie mich deshalb zum Schluss noch auf einige Veranstaltungen und Projekte der Arbeitskreise hinweisen: Vom AK Landschaftskultur erscheint Mitte April ein Tagungsband: "Parks und Gärten im ländlichen Raum – vernachlässigte Potentiale in Brandenburg?". Es ist dies die Dokumentation einer Veranstaltung in Prenzlau 2004 in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für Angewandte Geografie.

Für junge Berufskollegen und Studenten ist ein Wettbewerb unseres Arbeitskreises Junger Landschaftsarchitekten sicher interessant: In Kooperation mit der Landesgartenschau Wernigerode 2006 GmbH ist für April die Ausschreibung unter dem Titel "Harzblicke" vorgesehen. Gerade abgeschlossen wurde der Wettbewerb "Gärten des Ostens" in Marktredwitz, einer länderübergreifenden Gartenschau 2006.

Der Arbeitskreis Spielraum beteiligt sich mit einem Seminarbaustein an einem Internationalen Kongress "Spielend Leben Lernen" vom 18. bis 22. Juni 2005 in Berlin. Der Arbeitskreis „Historische Gärten“ wird vom 5. bis 7. September
zu einer öffentlichen Tagung und einer Exkursion "Villen- und Landhausgärten" sowie seiner Mitgliederversammlung nach Berlin einladen. Gäste sind herzlich willkommen.

Mit herzlichen Grüßen aus Hannover
Kaspar Klaffke
im März 2005