Präsidentenbrief Nr. 13

Liebe DGGL-Mitglieder,

mit meinem ersten Brief als Präsident der DGGL ist es mir vor allem ein Bedürfnis Dank zu sagen all denen, die mich auf unserer Landesverbandskonferenz in Frankfurt zum neuen Präsidenten gewählt haben. Ich danke aber auch den zahlreichen Mitgliedern in der DGGL, die mich seit langen Jahren als ordentliches Mitglied kennen, durch die Arbeit in verschiedenen Gremien und nicht zuletzt aus dem Arbeitskreis Historische Gärten, und deren Vertrauen und Verbundenheit dazu beigetragen haben, mich nunmehr in das schönste Amt, dass die DGGL zu vergeben hat, zu wählen. Kaspar Klaffke, unserem langjährigen und hochverdienten Präsidenten der DGGL, bin ich jedoch zu besonderem Dank verpflichtet, war er es doch, der mich zur Wahl als sein Nachfolger vorschlug und dessen offensichtlich uneingeschränkte Wertschätzung meiner bisherigen Arbeit für die DGGL zu einer breiten Akzeptanz und einstimmigen Wahl führte.
Wohl wissend, dass alle DGGL-Präsidenten vor mir herausragende Persönlichkeiten waren und in der DGGL bleibende Spuren hinterlassen haben - ich denke hier natürlich nicht zuletzt an diejenigen, denen ich auch persönlich verbunden war und bin, wie Ehrhard Mahler oder Hildebert de la Chevallerie – fühle ich mich doch in ganz besonderer Weise der Arbeit von Kaspar Klaffke verbunden. In stiller und doch stets souveräner Weise hat er nicht nur das Profil des Präsidiums, sondern auch das der Gesamtgesellschaft geschärft und den vielfältigen und unglaublich positiven Denk- und Arbeitsansätzen der DGGL Richtung und Kontur verliehen. Insbesondere der DGGL-Kulturpreis ist unter seiner Regie zu einer bundesweit beachteten Visitenkarte der DGGL geworden.
Zu nennen sind aber auch unsere Jahrbücher, ein Novum in der langen Geschichte der DGGL. Auch hier ist es dem Past-Präsidenten gelungen, durch kluge Themensetzungen nicht nur gesellschaftlich relevante Fragestellungen aufzubereiten, sondern sie auch in einer in der Fachwelt anerkannten und ansprechenden Weise zu publizieren, und damit deutlich zu machen, dass „DGGL“ ganz grundsätzlich für fachliche Vielfalt steht und eintritt. Nicht zuletzt die von ihm entscheidend mit auf dem Weg gebrachte „Herbert-Heise-Stiftung für Gartenkunst und Landschaftskultur“ öffnet für die konkrete und kontinuierliche Arbeit der DGGL neue Perspektiven und Möglichkeiten.
Das, was im DGGL-Jahrbuch 2006 über regionale Gartenkultur, also der Wiederentdeckung der Kulturlandschaft im großmaßstäblichen Zusammenhang thematisiert wurde, soll nunmehr seine Fortsetzung in der Auseinandersetzung mit urbaner Kulturlandschaft finden. In einer vom 12.-14. Februar 2009 im Zentrum für Umweltkommunikation in Osnabrück geplanten internationalen Tagung geht es erstmalig darum, nicht nur Gefährdungen städtischer Kulturlandschaften, sondern auch Möglichkeiten ihrer Bewahrung für die kommunale Entwicklung aufzuzeigen. Entsprechend der noch von Kaspar Klaffke skizzierten Projektidee geht es hierbei nicht nur um die Stadt im engeren Sinne, sondern auch um die mit dem Begriff „Zwischenstadt“ definierten verstädterten Zonen. Die Kernfrage wird sicherlich sein, wohin sollte sich heute Stadt- und Siedlungsentwicklung unter Beachtung von Umweltaspekten, aber eben auch von kulturlandschaftlich geprägten Gesichtspunkten bewegen. Einer einseitigen Dominanz von rücksichtsloser Bau- und Verkehrspolitik sind hier andere Modelle entgegenzusetzen. Hier gilt es auch in Zukunft mehr denn je im Sinne eines umfassenden Arbeitsansatzes der DGGL zu einem Ausgleich von Natur und Kultur in einer stark anthropogen geprägten mitteleuropäischen Kulturlandschaft zu kommen.
Dass die skizzierten großmaßstäblichen Probleme jedoch auch im lokalen Erscheinungsbild unserer Gärten, Parks, der städtischen Schmuckplätze oder Grünzügen ihren Niederschlag finden müssen, ist unbestritten und längst gehört es zur Binsenweisheit, dass nicht nur unser kostbares Gartenerbe, sondern auch die zu Recht unter Naturschutz stehenden wertvollen Landschaftsausschnitte einer kontinuierlichen Pflege bedürfen. Ich bin daher dankbar, dass „Gartennetz Deutschland“, ein Bundesverband regionaler Garteninitiativen, gemeinsam mit fünf Garteninitiativen: Sachsen, Niedersachen, Sachsen-Anhalt, Berlin und dem Saarland ein Projekt auf den Weg gebracht hat, das die DGGL nachdrücklich unterstützt und in der es um die „modellhafte Umsetzung eines nachhaltigen Pflegemanagements zur Reduzierung von anthropogen verursachten Verlusten der Biodiversität und der kulturellen Ökosystemfunktionen national bedeutsamer Gartenanlagen“ geht.
Zahlreich sind im Übrigen auch in vielen Bundesländern die Tendenzen, sich neuerlich am Leitbild der traditionellen europäischen Stadt, ausdrücklich als Gegenposition zu den amorphen Stadtlandschafen der Moderne zu orientieren. Eine Entscheidung, die ja dann logischerweise auch ein neu erwachtes Interesse für die gartenarchitektonische Gestaltung von Straßen, Plätzen und Promenaden der öffentlichen Parkanlagen schlechthin zur Konsequenz hat.
Wie sehr im Übrigen das in der Ära Klaffke von vielen Landesgruppen der DGGL entwickelte und so nachdrücklich geforderte Programm der offenen Gartenpforten anhält, ist bekannt - erfreulich dabei, dass die mit deutlicher Unterstützung regionaler DGGL-Initiativen verstärkte private Gartenkultur eine ungeahnte Renaissance erlebt. Aber auch Garteninitiativen im Bundesverband Gartennetz Deutschland – mit zahlreichen kulturellen Veranstaltungen in den jeweili-gen Gartenregionen – laden zum Entdecken von lange Zeit vergessenen Gartenschätzen ein. In zahlreichen Bundesländern galt es daher am Wochenende 7. und 8. Juni, dem Tag der Parks und Gärten – dem nunmehr jährlich gefeierten Gartenwochenende „Lust am Garten"– Gartenkunst und Kulturgenuss mit Parkfesten, Konzerten, Ausstellungen, Lesungen, Theater und Kulinarischem zu erleben.

Ich selber hatte die Freude, in einem noch immer weitgehend unentdeckten östlichen Bezirk Berlins, Marzahn-Hellersdorf, Schloss und Park von Biesdorf vorzustellen. Meine Parkführung war eingebunden in eine Tanz- und Musikperformance und eine kleine Ausstellungseröffnung.
Was für die nahe Zukunft bleibt, ist die Vorfreude auf die diesjährige Kulturpreisverleihung am Freitag, den 7. November 2008 in Schloss Nymphenburg in München. Im thematischen Zusammenhang mit der Preisverleihung steht die am selben Tag – ebenfalls in Nymphenburg – stattfindende Fachtagung „Garten und Medien“, zugleich Auftaktveranstaltung für das DGGL-Jahresthema 2009. Am Sonnabend, den 8. November 2008 findet, wiederum in Schloss Nymphenburg, die Konferenz der Landesverbände der DGGL statt, wozu ich ebenfalls schon herzlich einladen möchte.
In diesem Sinne freue ich mich auf ein sicherlich spannendes Miteinander und einen regen Gedankenaustausch mit allen DGGL-Mitgliedern und natürlich vor allem mit den Vorständen der Landesverbände, aber auch ein von freundschaftlich-kollegialem Teamgeist geprägtes Miteinander im Präsidium und darf hier zugleich meiner Freude Ausdruck geben, dass neben der vielfach bewährten Geschäftsführerin Karin Glockmann, der Vizepräsidentin Bettina Oppermann, dem Vizepräsidenten Rainer Schmidt sowie dem Schatzmeister Fritz Scharf nun auch Friedhelm Blume als 3. Vizepräsident in den engeren Führungskreis des Präsidiums der DGGL gehört. Ihnen, aber auch Harald Blanke, der im April in Bad Driburg einstimmig zum Vorsitzenden des AK Historische Gärten der DGGL gewählt wurde, ein herzliches Willkommen und eine gute gemeinsame Arbeit zum Wohle unserer DGGL.

In diesem Sinne grüßt Sie herzlich
Ihr

Dr. - Ing. Klaus-Henning von Krosigk 

Präsident der DGGL
Berlin, im Juli 2008