Internationales Landart – Symposium im Landschaftsgarten Althaldensleben – Hundisburg 2007, Haldensleben (D)

Neuer Wettbewerb in Sachsen-Anhalt

Zielstellung

Ziel des vorliegenden Projektes ist es, den Barockgarten Hundisburg in einem begrenzten Zeitraum im Sommer mit einer adäquaten modernen Kunstform zu beleben und zu kontrastieren. Als hierzu geeignet hat sich seit zwei Jahren die Kunstform Landart herausgestellt, wobei der Status der Gartenanlagen keine dauernden Veränderungen gestattet, sondern flüchtige, und somit wechselnde Installationen verlangt.

Projektbeschreibung: „...um dem Garten ein
Lüstre zu geben.


2007 ist das vierte Mal, dass in den historischen Gartenanlagen von Althaldensleben und Hundisburg Landart-Installationen für einen begrenzten Zeitraum auf die klassische Gartenkunst treffen. Während 2006 der Landschaftsgarten in Althaldensleben das Thema und den Standort der Installationen geboten hat, wird 2007 der Hundisburger Barockgarten erneut nach den Jahren 2004 und 2005 Standort sein. Ausschlaggebend für diese neuerliche Wahl ist der Umstand, dass die fortschreitende Rekonstruktion der Hauptachse mit den Springbrunnen und dem Pariser Tor dem barocken Garten eine wesentliche Gestaltqualität zurückgibt, die in den Vorjahren noch nicht vorhanden gewesen ist. Dieses Novum soll mit dem 2007er Landart Symoposium aufgegriffen und apothetisch gesteigert werden. Gegenstand der vorgesehenen Arbeiten ist die temporäre Ergänzung und Schließung der im Garten noch vorhandenen Lücken, um dem Garten entlang seiner Hauptachse ein Lüstre zu geben Das Zitat für das Motto des Symposiums entstammt einer Bestallung für den Hundisburger Schlossgärtner aus dem Jahr 1753. Der Duden kannte 1966 in diesem Wortzusammenhang noch das Verb lüstrieren mit der auf Baumwoll- und Leinengarne verkürzten Bedeutung: fest- und glänzend machen. 2007 sollen also die Lücken des Gartens durch die zeitgenössische Kunst ganz im Sinne heiterer barocker Festkultur zum Leuchten gebracht werden. Wir haben Ihnen einen Plan mit Fotos im Downloadbereich zur Verfügung gestellt.

Orte und Themen

Oberer Lustgarten: Parterrefelder, Eibenreihen
Es fehlen dem Garten die Broderie-Ornamentierung der Parterrefelder und die Skulpturen in den Eibenreihen. Thematisch sind hier die 4 Jahreszeiten, die 4 Erdteile (Europa, Asien, Afrika und Amerika) und die 4 Elemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft) angesiedelt.

Grotte: Die Grotte steht im Rohbau ohne ihre Ausstallung und die beiden wie Wächter postierten Statuen vor dem Eingang. Thematisch symbolisierte eine Grotte den Eingang zur Unterwelt und die Herrschaft über die in der Erde verschlossenen Kräfte.

Unterer Lustgarten: Demilune-Parterre vorm Pariser Tor
In Versailles verliert sich noch heute die Hauptachse des Gartens über den Kanal in die imaginierte Unendlichkeit, die an dieser Stelle erstmals aus der zeitgenössischen Philosphie und Mathematik in die bildenden Künste übernommen wurde. Da eine entsprechende Raumwirkung in kleineren Gärten einfach nicht zu erzielen war, setzte man an die Stelle der Unendlichkeit einen markanten Point de vue, welchen im Falle Hundisburgs das Pariser Tor darstellt. Ein Point de vue im Garten bedurfte einer seiner Bedeutung entsprechenden Umgebung, weswegen 1738 auch noch eine komplette Parterreanlage entstand. Es fehlen die Broderie in den Halbmond-Feldern des Parterres sowie die Skulpturen, die hier in der Form von 20 kleinen Gartenputten vorhanden waren. Das Parterre besaß somit eine einerseits unendliche sowie bedeutsame andererseits aber auch höchst spielerische Note.

Oberer und Unterer Lustgarten: Die Fontainen Wasserkünste sind die Seele eines jeden Gartens. Das Wasser entgegen seiner Natur auf der Höhe des Schlossberges springen und steigen zu lassen, war daneben ein Surplus an Machtdemonstration gegenüber der Schöpfung und bedarf auch heute noch des massiven Einwirkens der Ingenieurskunst.

Teilnahmebedingungen und Zeitrahmen

Es sind Entwurfsplanungen zu o.g. Thema für einen oder mehrere der genannten Standorte erwünscht, die als temporäre Installationen ohne nachhaltige Eingriffe in die Substanz der Anlagen ausgeführt werden können. Dabei ist zu beachten, dass die technische Realisierung ggf. in einem 9 – tägigen Workshop durch den Entwurfsverfasser durchgeführt werden soll. Material und Zeitaufwand ist entsprechend zu dimensionieren, der Einsatz von Großtechnik und schwerem Gerät ist nicht möglich. Als Beispiel können die 2004, 2005 und 2006 durchgeführten Projekte herangezogen werden ( s.u. ). Die Entwürfe sollen über eine geeignete visuelle Darstellung und eine kurze Beschreibung der Entwurfsidee in Textform verfügen ( nicht in digitaler Form ). (A 4 Format erwünscht, im Ausnahmefall wird auch A 3 akzeptiert)

Im Anschluss an den Einreichungstermin 15. Februar steht folgende Terminkette:

Aus den eingereichten Entwürfen wird eine interdisziplinär besetzte Jury eine Auswahl treffen. Die Verfasser der ausgewählten Entwürfe werden von den Veranstaltern zu einem Workshop eingeladen, der die Realisierung der Entwürfe zum Ziel hat und voraussichtlich vom 01. bis 09. Juni 2007 stattfinden wird. (Anreise der Künstler am 31. Mai)


Folgende Kosten und Leistungen werden dabei von den Veranstaltern übernommen:

Ein Honorar von 1.000,00 Euro je Installation nach Fertigstellung.

Finanzielle Unterstützung von max. 250,00 Euro für Material, Werkzeug und sonstige Hilfsmittel je Installation.

Verpflegungskosten von 150,00 Euro je Teilnehmer. (max. 2 Teilnehmer)

Kostenfreie Unterkunft in der Torhausherberge.

Technische Unterstützung durch die Schloß- und Gartenverwaltung im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten.

Am Ende des Workshops steht eine Vernissage am 09. Juni 2007, in deren Verlauf die Arbeiten der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Danach werden die Installationen für drei Monate an ihrem Standort belassen oder in Abhängigkeit ihrer Vergänglichkeit eher beräumt. Das gesamt Projekt wird im Internet veröffentlicht. Hinsichtlich der Verwertung der Rechte an den Kunstinstallationen räumen die Urheber der Stadt Haldensleben jeweils ein einfaches unbeschränktes Nutzungsrecht gemäß § 31, Abs. 1 und 2 UrhG ein.


Zusammensetzung der Jury

Renate Schmidt
Stadt Haldensleben, Leiterin der Abt. Kultur. Langjährige Organisatorin der Holzbildhauer- und Landart-Symposien sowie vieler weiterer Veranstaltungen für die Stadt Haldensleben

Dr.-Ing. Harald Blanke
Leiter der Schloß- und Gartenverwaltung Hundisburg beim KULTUR-Landschaft Haldensleben - Hundisburg e.V. Garten-, Landschafts- und Freiraumplaner, Gartenhistoriker, Mitglied im AK historische Gärten der DGGL, sowie im Vorstand des `Gartenträume historische Gärten in Sachsen-Anhalt´ e.V.

Wolfgang Aldag
freischaffender Landschaftsarchitekt in Halle / S. Vorsitzender der Landesgruppe Sachsen-Anhalt der DGGL, Vorsitzender des AK junge Landschaftsarchitekten der DGGL. In Halle u. a. Durchführung des Kunstprojekts `Stadt am Fluss´.

Heike Mortell
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt Landschaftsarchitektin, Gartendenkmalpflegerin am Landesamt, Mitglied des AK historische Gärten der DGGL als Regionalbeauftragte für Sachsen-Anhalt.

Prof. Dieter Hofmann
Hochschule für Kunst und Design, Burg Giebichenstein, Halle / S.

Dr. Annegret Laabs
Leiterin des Kunstmuseums "Unser Lieben Frauen", Magdeburg

Landesverband
Sachsen-Anhalt e.V.
Kontaktadresse
Fischer-von-Erlach-Strasse 51
06114 Halle an der Saale
Tel: (0345) 4 78 28 55
Fax: (0345) 4 78 28 56
E-Mail:SaAn@dggl.org
 
Ein Garten ist ein idealer Ort, um sich auf die großen Fragen einzulassen.
Charles Jencks