Pelargonienfieber

Seid nun schon mehr als zehn Jahren hat mich die Pelargoniensucht gepackt und ich muss zugeben, es wird immer schlimmer. Ich beschreibe meine Liebe zu den Pelargonien als Sucht, als Pelargoniensucht, weil ich es nicht anders beschreiben kann.

Die Species sind was ganz besonderes.
Bild: Die Species sind was ganz besonderes.


Ein Artikel über Duftblattpelargonien von der leider verstorbenen Frau Wiedemann, hat mich dazu verführt, meine erste Duftblattpelargonien-Bestellung zu machen und von da an sollte es auch kein Zurück mehr geben.

Meine Leidenschaft für Duftpflanzen war damals schon sehr gross, da ich ganz viele Duftkräuter sammelte, welche ich immer noch habe. Nun waren es die Duftblattpelargonien mit ihren unbeschreiblich schönen Blüten und Blättern welche bei Berührung je nach dem, nach Orange, Zitronen, Rosen, Zimt, Apfel, Moschus oder vielen anderen Duftnoten, manchmal unbeschreiblich, manchmal für jede Nase anders duften.



Zu den Duftblattpelargonien gesellten sich bald auch die rosenblütigen Pelargonien welche in jeder Knospe eine Fülle von Blütenblättern haben, welche wie Rosenknospen ausschauen und wunderschöne Pelargonien sind.

Rosenpelargonium-P.Appleblossom
Bild: Rosenpelargonium-P.Appleblossom


Noch ein Wort zu dem immer wiederkehrenden Fehler bei unseren Balkonpelargonien handele es sich um Geranien. Nein! Die Pelargonien gehören zu der Familie der Geraniaceae also den Kranichschnabelgewächsen, welche in 5 Gattungen eingeteilt sind: Die Sarocaulon, die Monsionia, die Erodium, die Geranien mit ca. 260 Arten und schlussendlich den Pelargonien mit ca. 250 Arten. Unsere sogenannten Balkongeranien sind also Balkonpelargonien, das ist botanisch korrekt und sollte unbedingt und dringendst korrigiert werden. Es bedarf der Aufklärung wie ich finde. Ich kann hier nur kurz darauf eingehen. Aber vielleicht hilft es, dass man sich merkt dass die Unterscheidung zwischen Geranien und Pelargonien am Blütenaufbau zu erklären ist. Pelargonien sind auch nicht winterfest. Geranien schon. Pelargonien brauchen somit eine frostfreie Überwinterung mit vielleicht einer unsicheren Ausnahme, welche ich auch nur durch die Literatur kenne: Pelargonium endlicherianum aus Vorderasien.



Es folgten die Buntlaubigen Pelargonien mit ihrer wundervollen Farbenpracht welche auf einen Chlorophylldefekt, eine fehlerhafte Blattgrünbildung beruht. Dann die Uniques sehr alte und schöne Pelargonien, Angel-Hybriden, klein-blütige Pelargonien. Von den einfachblühenden Zonale-Hybriden gefällt mir persönlich P. Mr. Wren mit rot-weiss gerandeten Blütenblättern am besten. Dann gibt es noch Fingerpelargonien, Stellar-Pelargonien, Nelkenpelargonien, Efeupelargonien, kaktusblütige Pelargonien ... bis ich schließlich zu meinen absoluten Lieblingen den Species Pelargonien kam.



Es gibt ungefähr 250 Arten der Wildpelargonien, welche wiederum in 15 verschiedene Sektionen eingeordnet sind (laut dem Botaniker Harvey, 1860). Es ist sehr schwer an Wildformen zu gelangen und es braucht Jahre bis man endlich eine schöne Sammlung hat. Man sollte sich ehe man mit den Species anfängt doch einige gute Literatur dazu anschauen. Z.B muss man wissen, ob die Pflanzen aus den Winterregengebieten kommen oder ob sie wüstenähnliche Bedingungen brauchen. Viele Wildpelargonien haben sich durch extrem heisse und trockene Wuchsbedingungen einen Verdunstungsschutz einfallen lassen und bilden daher eine Stamm-oder Wurzelsukkulente: die Geophyten.

Ein Pelargonienaustausch ist für Sammler unerlässlich und gibt einem die Möglichkeit an Samen oder Stecklinge zu kommen und Erfahrungen mit Species auszutauschen. So kann die eigene Pelargoniensammlung und das Wissen erweitert werden.

P.sidoides
Bild: P.sidoides


Auf zahlreichen Englandreisen brachte ich mir Pelargonien mit und das sah so aus, dass mein Mann mir schon in den Ohren lag, wo bitteschön denn unsere Lucky (mittlerweile 12-jährige Dalmatinerhündin) liegen, respektiv sitzen sollte bei all den Pflanzen? Das Auto war jedes Mal so vollgepackt mit Pelargonien und meine Lucky mitttendrin, im Pelargonienduft. Ich sass vorn mit einer grossen Kiste voller Pelargonien auf dem Schoß und konnte nach langer Fahrt kaum noch meine Beine bewegen. Aber es ist eine unbeschreibliche Freude für mich so aus einem Urlaub zu kommen - immer wieder.

P. Patton's Unique
Bild: P. Patton's Unique


Ganz liebe Pflanzenbekanntschaften haben mir diese Englandreisen gebracht. Durch die Mitgliedschaft in zwei englischen Pelargoniengesellschaften und dank dem Internet baute ich mir so langsam einen kleinen aber schönen Pflanzenkontakt mit Gleichtgesinnten auf. Dieser Austausch ist eine echte Bereicherung und tut gut. Rund um den Globus gibt es Pelargonienfreunde. Das ist ganz wunderbar! Und manchmal sogar entstehen ganz liebe Freundschaften.

Lucky
Bild: Lucky


Noch erwähnen möchte ich die Nachtdufter bei den Spezies. Bei P. gibbosum ist dies wunderbar zu beobachten. Ein Marzipanduft macht sich dann abends in meinem Gewächshaus breit. Ein Traum!

Leo
Bild: Leo


Zur Überwinterung sollte man natürlich auch wissen ob die Pflanzen gerade in ihrer Ruhepause sind oder nicht. Manche erwachen erst im Winter, manche nicht. Pflanzen die in ihrer Ruhepause sind, so wie bei den Caudexen, werden nicht gegossen und das muss man sehr ernst nehmen, sonst fault einem die ganze Pflanze weg. Die Pflanzen kann man im Winter ruhig mal vergessen, besser zuwenig als zuviel gegossen. Das muss man wirklich lernen. Die Pflanzen sollten den ganzen Winter sehr sparsam gegossen werden. Erst ab Februar nehmen die Wassergaben langsam wieder zu. Aber langsam! Man kann das mit dem wenig giessen nicht oft genug sagen, es ist einer der grössten Fehler, wie ich finde, die immer wieder gemacht werden.

Kräutergarten und viktorianisches Gartenhaus
Bild: Kräutergarten und viktorianisches Gartenhaus


Da meine Pelargoniensammlung nun schon mehr als zweihundert verschiedene Sorten umfasst, ist es wichtig, sie gut zu beobachten. Diese Beobachtungsgabe lernt man mit der Zeit. Meine Duftis überwintere ich im Haus an einem kühlen hellen und trockenen Platz. Zonalpelargonien können aber auch etwas dunkeler überwintert werden, z. B. am Kellerfenster oder in der Garage. Nur darf es unter keinen Umständen frieren.

Schmetterlingspelargonie-P.papillionaceae
Schmetterlingspelargonie-P.papillionaceae
Bild: Schmetterlingspelargonie-P.papillionaceae



Es hat einige Jahre gedauert bis ich meine Erfahrungen gesammelt habe und meinen alljährlichen Ausfall auf ein Minimum reduzieren konnte. Jedoch finde ich, wenn die Liebe zu den Pflanzen da ist, dann kann nicht mehr viel schief gehen, denn liebt man seine Pflanzen, so sorgt man sich auch darum, und entwickelt ein gutes Gespür. Mit der Zeit weiss man ganz genau, wie es seinen Lieblingen geht.

Was mir für die Überwinterung noch wichtig erscheint, ist, dass Sie Ihre Pflanzen ehe Sie sie einräumen auf ein Drittel zurückschneiden und von allen verwelkten und verfaulten Blättern und Blüten befreien. Das regelmässige putzen der Pflanzen sollte zum Kontrollgang dazugehören. Die Pflanzen müssen so sauber wie möglich in die Winterquartiere, denn zu schnell werden die Pflanzen sonst von Krankheiten befallen. Ich nebele meine Pflanzen dann noch mit einem biologischen Läusepräparat ein. Für mich kommt auch nur ein biologisches Gärtnern in Frage, alles andere ergibt für mich keinen Sinn.

Pelargonienhaus im Winter
Bild: Pelargonienhaus im Winter


Nach meiner Beobachtung ist eine Temperatur von 5-7C° optimal zur Überwinterung. Hält man die Pflanzen in der warmen Stube so hat man schnell eine Läuseplage. Stecklinge sind da besser aufgehoben. Als ich noch nicht mein viktorianisches Gewächshaus hatte, überwinterte ich alle Pelargonien im Haus. Nun kann ich glücklicherweise im geheizten Gewächshaus überwintern und dies ist ein Traum. Wenn im Winter der Schnee liegt und ich in meinem Gewächshaus stehe, umgeben von blühenden Pelargonien, dann schlägt mein Herz schon höher. Hier bekommen die Pflanzen auch mehr Licht als im Haus. In meinem Gewächshaus habe ich eine Umluftheizung welche für eine gute Wärmeluftzirkulation sorgt. Geht die Temperatur auf unter 6C°, so springt die Heizung an. Das ist jedoch teuer - muss ich dazu sagen.

Das lüften ist für Haus und Gewächshaus gleich wichtig und darf auch nicht vergessen werden. Bei schönem Wetter muss ausgiebig gelüftet werden. Nun habe ich das Glück, ein Wasserreservoir in meinem Gewächshaus zu haben, so wie es früher auch in den viktorianischen Gewächshäusern war. Somit habe ich eine gleichmässige Wassertemperatur. Man sollte die Pflanzen auf keinen Fall mit eiskaltem Wasser giessen.



Ein Gewächshaus macht relativ viel Arbeit, und man sollte es sich vorher genauestens überlegen, ob man sich die Arbeit antun möchte. Denn absolute Sauberkeit ist hier enorm wichtig. Natürlich übertreibe ich es manchmal total, z.B. wenn ich meine Gewächshausfliese in der Waschmaschine wusch. Oh je! Nun ja, was soll man machen wenn man eben eine so verrückte Pelargo-nienfrau ist. Ich werde es nicht mehr tun - glaub ich jedenfalls jetzt!

Meine Arbeit mit den Pelargonien sehe ich nicht als lästige Arbeit oder als Hobby (es ist weitaus mehr als nur ein Hobby). Es ist eine Lebensaufgabe welche mir sehr viel Freude und Kraft gibt.

In der Hoffnung nun vielleicht einige interessierte Leser mit meiner Pelargonienliebe begeistern zu können verbleibe ich mit ganz lieben Pelargoniengrüssen.

Ihre Frau Anita Schweig-Bourg.

Falls Fragen zu dem Thema auftreten, die Autorin beantwortet diese gerne per E-Mail, treten Sie mit Ihr in Kontakt, dazu klicken Sie einfach hier.

 
 
Ein Garten ist ein idealer Ort, um sich auf die großen Fragen einzulassen.
Charles Jencks