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Das im Grenzbereich der Kreise Recklinghausen,
Wesel und Borken liegende Waldgebiet
"Üfter Mark" ist ca
1500 ha groß und überwiegend
mit Kiefernforsten bestockt. Gemeinsam
mit dem Dämmerwald im Westen
sowie der Hohen Mark und den Borkenbergen
im Osten ist die Üfter Mark ein
wichtiges Bindeglied zwischen den
naturnahen Naherholungsräumen
nördlich der Lippe. Die Nähe
zum Ballungsraum Ruhrgebiet macht
das innerhalb des Naturparks liegende
Waldgebiet zu einem potentiellen Erholungsziel.
Der Kommunalverband Ruhrgebiet hat
im Jahr 2002 das Waldgebiet "Üfter
Mark" von dem ehemaligen Mannesmannkonzern
erworben mit dem Ziel, ein ökologisch
orientiertes Naturerlebnisgebiet für
die Menschen vor Ort und für
Besucher der Region zu entwickeln.
Innerhalb der Üfter Mark befinden
sich zahlreiche schutzwürdige
Bereiche sowie ein in der EU gemeldetes
Gebiet gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.
Weiterhin ist sie Teillebensraum der
größten Tieflandpopulation
an Rothirschen in Nordrhein-Westfalen.
Zur Entwicklung der Üfter Mark
wurde unter Beteiligung des Ministeriums
für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft
und Verbraucherschutz NRW (MUNLV)
eine bilaterale Vorgehensweise beschlossen,
die die Parallelität der Probleme
des Biotop- und Artenschutzes einerseits
sowie der Jagd- und Forstwirtschaft
andererseits erfasst und Lösungsschritte
im Kontext mit dem geplanten Naturerlebnis
entwickelt.
Der zentrale Planungsbestandteil betrifft
das Naturerlebniskonzept, wo umfangreiche
Strukturanalysen zum Gebiet durchgeführt
wurden. Hierzu gehören Analysen
des Naturhaushaltes, um das Gebiet
unter dem Aspekt der verschiedenen
Nutzungsansprüche (gelenkte Wildbeobachtung,
ökologische Gebietsentwicklung
sowie adäquates Naturerleben)
optimal zu entwickeln sowie differenzierte
Erhebungen zu Flora und Fauna.
Ein weiterer Planungsbestandteil besteht
darin, den Rotwildbestand in einer
an den Lebensraum angepassten Populationsdichte
zu entwickeln, um so den Menschen
in Ballungsraumnähe die seltene
Möglichkeit der Rotwildbeobachtung
zu erschließen.
Im Bereich der Üfter Mark gibt
es zwei rechtskräftige (Deutener
Moor, Üfter Heide) und drei im
Rahmen der Landschaftsplanung des
Kreises Wesel geplante Naturschutzgebiete.
Durch natürliche Entwicklungsprozesse
unterliegen die geschützten Biotope
ständigen Veränderungen
wie z.B. Verbuschung von Heiden oder
Verlandungsprozessen in Gewässern.
Auf der Grundlage einer differenzierten
Gebietsanalyse wird für diese
schutzwürdigen Bereiche ein exakt
zugeschnittenes Pflegekonzept entwickelt.
Darüber hinaus wurden für
besonders geschützte und gefährdete
Arten, wie z.B. für den Moorfrosch
im Bereich des Deutener Moors, in
Abstimmung mit der Landesanstalt für
Ökologie, Bodenordnung und Forsten
Sofortmaßnahmen festgesetzt.
Das Vorkommen der geschützten
Arten konzentriert sich auf bestimmte
Bereiche. Diese umfassen besonders
die Niedermoorstandorte, Stillgewässer,
Feucht- und Nasswälder im Bereich
NSG Deutener Moor. Das NSG Deutener
Moor gliedert sich in zwei Teilbereiche.
Der nördliche Teil ist geprägt
von einem Erlenbruchwald auf Niedertorfen,
der zahlreiche botanische und faunistische
Besonderheiten wie z.B. Sumpfbärlapp
und Sonnentau aufweist. Außerdem
ist das Gebiet Lebensraum für
den stark gefährdeten Moorfrosch.
Der südliche Teil ist ein stark
welliges, mit Kiefern bestocktes Dünengelände.
Hier finden sich geschützte Biotoptypen,
wie z.B. Sandtrockenrasen und Wacholderheide.
Im NSG Üfter Heide sowie auf
den Ofenlandflächen mit Heide,
Sand- und Trockenrasen können
vor allem die heidetypischen Vogelarten,
wie z.B. Heidelerche und Ziegenmelker,
beobachtet werden.
Als "ökologische Fundgrube"
sind auch die großen Sandabgrabungen
westlich der B 224 zu bewerten. Solche
Extremstandorte sind hervorragende
Lebensräume für Pflanzengesellschaften
der ersten Sukzessionsstadien und
deren zugehöriger Tierwelt. Hier
sind ökologische Entwicklungsmaßnahmen
vorgesehen.
Weiterhin ist im gesamten Gebiet der
Üfter Mark ein breites Spektrum
verschiedener Fledermausarten kartiert
worden. Besonders hinzuweisen ist
in diesem Zusammenhang auf die Bechsteinfledermaus
und den kleinen Abendsegler, da diese
laut Roter Liste NRW als stark gefährdete
Arten ausgewiesen sind.
Geplant ist ein gestaffeltes System
von speziell das Naturerleben fördernden
Einrichtungen. Von besonderer Bedeutung
ist hier eine sog. "Naturerlebniskuhle".
Die hierzu genutzte Abgrabung kann
kurzfristig einen außerschulischen
Lernort aufnehmen. Weiterhin zielt
ein umgebendes Mosaik aus unterschiedlich
nutz- und erlebbaren bzw. beruhigten
Gebieten sowie Aktivitäts- und
Verweilflächen auf ein gleichberechtigtes
Nebeneinander von Landschafts- und
Natur bezogener Erholung zum einen
sowie Arten- und Biotopschutz zum
anderen hin. Geplant sind z.B. ein
Naturerlebnisweg, ein Schulwald-/Schulforum,
Wildbeobachtungskanzeln, Rad- und
Reitwege, ein kleines Infozentrum
u.a.
Sowohl in den o.a. zentralen Einrichtungen
des Gebietes als auch in Teilen seiner
flächigen Ausdehnung wird dem
Naturerlebnis für Menschen mit
körperlicher und/oder geistiger
Behinderung durch teilweises Behinderten
gerechtes Naturerleben eine Barrierefreiheit
und besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Ziel ist es, bei allen gegebenen Möglichkeiten
Naturerlebnisse zu erfahren, wobei
die ökologischen Komponenten
des Raumes immer beachtet werden.
Naturerlebnis und Ökologie müssen
sich so verknüpfen, das die Relevanz
des Ökologischen immer erhalten
bleibt.
Das Naturerlebnisgebiet Üfter
Mark ist ein Teillebensraum der Rothirschpopulation
am Niederrhein. Ein zentraler Punkt
bei der Naturerlebnisgebietsplanung
wird die Rotwildbeobachtung sein.
Im Rahmen eines wildbiologischen Gutachtens
wurde unter Berücksichtigung
der ökologischen und wildbiologischen
Vorgaben ein Wildmanagement unter
besonderer Beachtung der Rotwildpopulation
erarbeitet. Ganzheitliche Fragen der
Lebensraumentwicklung sowie der Vernetzung
der Wildtierpopulationen sind dabei
von Bedeutung. Für interessierte
Besucher wird ein System aus Beobachtungseinrichtungen
erstellt. Zusätzlich werden Führungen
- auch für Menschen mit Behinderungen
- organisiert.
Die Üfter Mark stellt insgesamt
einen Raum mit großem ökologischem
Potential dar. Alle Planungen ur Umsetzung
der vorliegenden Gutachten und Konzeptionen
befinden sich in der Anfangsphase.
Somit haben die Bürgrinnen und
Bürger der Region die Möglichkeit,
die Entwicklung in allen Schritten
zu beobachten. Der Dualismus von Ökologie
und Naturerlebnis wird einen Spannungsbogen
zulassen, in dem sich Menschen Natur
angemessen aktiv oder passiv einbringen
können.
Evelyn Piasecki/ Jörg Wipf
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