Stadt
Naumburg und Schloss Neuenburg
Die zahlreichen Kirchtürme der
Altstadt hatten bereits Neugier geweckt,
als wir am Vorabend Naumburg in der
sanften Landschaft des Saaletales erreichten.
Unser Stadtführer gab uns zunächst
Informationen zur Stadtgeschichte.
Der Ursprung geht etwa auf das Jahr
1000 zurück, als die Markgrafen
von Meißen ihre neue Burg errichteten
(Nuwenburg wird Naumburg). Bald darauf
wurde die Verlagerung des Bischofssitzes
von Zeitz nach Naumburg erwirkt und
ein erster Dom geweiht. Den Kreuzungspunkt
wichtiger Handelsstraßen nutzend,
gründeten im Schutz der Burg Kaufleute,
Gewerbetreibende und Handwerker die
Bürgerstadt. Diese und der Bischofssitz
entwickelten sich bedeutend weiter,
aneinandergrenzend, aber jede für
sich ummauert. Die baulichen Schwerpunkte
der Bischofsstadt liegen in der Romanik
und Frühgotik, die der Bürgerstadt
nach einem verheerenden Stadtbrand in
der Renaissance.
Unsere Stadtbesichtigung begann zunächst
im neuen Bürgergartenviertel. An
Baum bestandenen Straßen überraschten
uns in großer Zahl von wohlhabenden
Bürgern errichtete Villen der Gründerzeit
und des Jugendstils mit einer Vielfalt
an Architekturdetails. Einige Bauten
sind dem Verfall nahe, andere bereits
gesichert und viele sehr schön
und aufwändig restauriert. Am Übergang
zu den Waldhängen wurde um 1800
im landschaftlichen Stil der "Bürgergarten"
(unter Denkmalschutz) angelegt, den
wir kurz besuchten. Innerhalb waldartig
bestockter Flächen und prächtigem
altem Parkbaumbestand liegen in neuerer
Weiterentwicklung die Sichtachse zur
Stadt, Brunnen, Rosengarten usw. und
offene Flächen, auf denen des "Turnvaters"
Friedrich Ludwig Jahn vorgetragene nationalpolitische
Ideale damals die Obrigkeit verschreckt
haben. Entlang der in großen Teilen
noch vorhandenen Stadtbefestigung mit
begleitendem Wallgrabengrün, vorbei
am einzig verbliebenen Tor - das Marientor,
eine Doppeltoranlage - erreichten wir
über schöne Gassen mit vielfältigen
historischen Bauten den prächtigen
Marktplatz. Trotz der Dominanz von Rathaus
und Wenzelskirche ist die geschlossene
Baukulisse dieses Platzes von der Individualität
der bürgerlichen Einzelbauten geprägt.
In sorgfältiger Restaurierung zeigten
sich uns Fassaden mit einem Reichtum
an steinernen Portalen, Simsen, Laibungen,
Erkern und Giebeln, Türen mit z.T.
figürlichem Schnitzwerk, Dächern
mit üppig gestalteten Zweckhäusern
oder zahlreichen Öffnungen mehrerer
Böden. Der Stadtführer vermittelte
uns lebhaft den baulichen Wettstreit
(Rathaus und gegenüber liegendes
Haus), die Nutzung von Innenhöfen
und hohen Dachvolumen und das frühere
Leben in Haus und Gasse, abzulesen u.a.
in meist farbigen, steinernen Hauszeichen,
Inschriften, Wappen und Sitznischenportalen.
Die auffallende Breite der Straße
"Lindenring" die wir auf dem
Weg zur Domfreiheit querten, hat in
der früher hier vorhandenen Stadtbefestigung
zwischen der Bürger- und der Bischofsstadt
ihre Begründung. Der Baukomplex
des Naumburger Domes St Peter und Paul,
den wir nun erreicht hatten, wurde nur
kurz in seiner Grundkonzeption mit den
zwei Turmpaaren sowie Ost- und Westchor
vorgestellt. Weiteres sollte lt. Programm
der Eigeninitiative vorbehalten bleiben.
Aber
ein Dombesuch war wegen einer
privaten Veranstaltung uns verwehrt
und nach Abgleich von Öffnungszeiten
und unserem weiteren Programm leider
nicht möglich. Mir war es nicht
leicht, den Dombezirk zu verlassen,
ohne die berühmten 12 lebensgroßen
Stifterfiguren gesehen zu haben. Dafür
aber bot sich an, über Mittag längere
Zeit durch die Altstadt zu wandeln,
die weder Kriegszerstörungen noch
verfremdende "Wirtschaftswunder"-Bautätigkeit
hinnehmen musste. Sie ist in großen
Bereichen vom Fahrverkehr freigehalten
und überraschte mit weiteren kleinen
Plätzen, auch in neuester, aufwändiger
Gestaltung. Etwas problematisch in Zustand
und Nutzung erschienen sehr tiefe Innenblöcke;
es waren aber auch Gärtchen in
üppiger Sommerblüte zu sehen.
In kurzer Fahrzeit erreichten wir nach
der Querung der Saale und Anfahrt über
den rückwärtigen sanften Anstieg
Schloss Neuenburg, nahe Freiburg oberhalb
es Unstruttales gelegen. Begünstigt
durch eine hohe Jahressonnenstundenzahl
und von Westströmungen abgeschirmt
durch Thüringer Wald und Harz konnte
sich an exponierten Talhängen das
heute nördlichste Weinbaugebiet
Deutschlands erhalten. Kleine Winzerbetriebe
bearbeiten die Rebhänge, die, mit
den hellen Kalksteinmauern terrassiert,
einen reizvollen Anblick bieten. Viele
Kirschbäume, auch Walnuss und Fliederhecken
in den Gärten zeugen von der Lagegunst
dieses Landschaftsraumes. Selbst auf
dem Burgareal erblickten wir auf magerem
Standort an den Mauern wunderschöne
Stockrosen in Farbtönen von zartrosa
bis purpurn. Der Ursprung der Neuenburg
geht auf eine Gründung der Thüringer
Landgrafen im 11. Jahrhundert zur Sicherung
nach Osten zurück. In mehreren
Bauphasen unter wechselnder Herrschaft
entstand eine das Landschaftsbild beherrschende,
große Burganlage mit Kernburg
und mehreren Vorburgen und dominantem
Bergfried. Im 16. Jahrhundert wird sie
Wohnschloss und später vom preußischen
Staat, nach Übergang an diesen,
erhalten. Unsere Führung beschränkte
sich auf die Räume innerhalb der
Bauten der Kernburg, deren Verfall in
der Zeit der DDR, wie uns geschildert
wurde, betroffen machte. Der wertvollste
Bauteil der Burg ist die romanische
Doppelkapelle. In der unteren Ebene
wurde die Messe für die Bediensteten
abgehalten, an der die Adligen in der
reicher gestalteten oberen Ebene teilnehmen
konnten. Schwarze Säulen tragen
hier auf sehr schönen goldenen
Kapitellen die seltsam gezackten Gewölberippen.
Die Raumverbindung von unten nach oben
besteht lediglich in einer recht kleinen,
zu schließenden Fußbodenöffnung.
Viele weitere Räume der Burg sind
inzwischen restauriert und enthalten
kleine Ausstellungen zur Burg und deren
Nutzung oder auch neu beschaffte historische
Einrichtungsgegenstände. Besonders
schön fand ich die beiden baulich
sehr unterschiedlichen Wendeltreppen.
Wir genossen die Ausblicke aus den Fenstern
der Burg ins weite Land und ganz besonders
den Blick in das unter uns liegende
Unstruttal von der Südbastion.
Mit einer Kaffeepause im Ambiente der
Vorburg beendeten wir den Besuch der
beeindruckenden Neuenburg.
Renate Dahmann
Die Sektkellerei
Rotkäppchen
Als Höhepunkt des Tages wurde die
Führung durch die Rotkäppchen-Sektkellerei
erwartet. Zunächst wurden wir mit
den historischen und baulichen Gegebenheiten
vertraut gemacht: Die Ursprünge
der Sektkellerei liegen in einer 1856
gegründeten Weinhandlung. Ende
des 19.Jahrhunderts blühte das
Unternehmen geradezu auf, was sich auch
im Ausbau des Gebäude zeigt: 1893
wurde der Hof der Sektkellerei mit einem
freitragenden Glasdach überdeckt
und ist bis heute als "Lichthof"
ein Zentrum des kulturellen Lebens der
Region. Ununterbrochen besteht das Unternehmen
nun über mehr als 100 Jahre. Nach
einem Absatzeinbruch nach der Wende
wurde das Unternehmen in eine GmbH in
Trägerschaft der Treuhand umgewandelt
und das Personal von 364 (vor der Wende)
auf 66 Beschäftigte reduziert.
Heute werden jährlich mehr als
40 Mio Flaschen abgesetzt.
Der Keller erstreckt sich über
5 Stockwerke und bedeckt eine Fläche
von 13.000 Quadratmetern. Die Attraktion
ist ein Ende des 19. Jahrhunderts aus
25 Eichen gezimmertes Riesenfass mit
einem Rauminhalt von 120.000 Litern.
Ein Kollege aus Schwerte schaffte es,
sich durch die Reinigungsöffnung
eines (normalen) Fasses (und wieder
zurück!) zu zwängen und bekam
für diese Leistung eine Flasche
Sekt verliehen. Bei der anschließenden
Verkostung konnten sich aber alle Mitreisenden
von den verschiedenen Qualitäten
des Sortiments überzeugen.
Ruth Schulze
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