Studienfahrt nach Sangerhausen und Naumburg
Gemeinsame Studienfahrt mit dem Freundeskreis Grugapark Essen e.V.
vom 1.-3. Juli 2005

Die Leiterin des Rosariums, Frau Brumme
Die Leiterin des Rosariums, Frau Brumme
Im Europa-Rosarium
Im Europa-Rosarium
Besichtigung des Europa - Rosariums Sangerhausen

Frau Brumme, die langjährige Leiterin des Rosariums, führte uns durch die Anlage. Das Rosarium hat eine hundertjährige Geschichte: 1903 wurde es auf einer Fläche von 1,5 ha durch den damaligen Verschönerungsverein gegründet. Aber schon 1897 schlug der Rosenzüchter Peter Lambert aus Trier dem Verein Deutscher Rosenfreunde vor, ein Rosarium anzulegen, um alte, vom Aussterben bedrohte Sorten zu schützen. Schirmherrin des Rosenvereins wurde Kaiserin Auguste Viktoria, deren Denkmal die Zeit der DDR überlebte. Das heutige Gelände ist topografisch eine nach Westen geneigte Fläche, die im Altbereich mit großen Teichen abschließt, während im oberen, neuen Teil ein Rondell mit einer Achse am neuen Eingang endet. Ein Novum für uns Besucher war, dass traditionell die Kletterrosen Platz sparend an Fichtenstangen bis in 5 m Höhe gebunden werden und dies jedes Jahr neu. Wegen des rauen Klimas werden alle Rosen im Herbst angehäufelt und im März/ April wieder abgehäufelt.


Reinhard und Dora Franz
Grabmal auf dem Stadtgottesacker
Grabmal auf dem Stadtgottesacker
Grabmal auf dem Stadtgottesacker
Mit Herrn Matthias Därr auf dem Stadtgottesacker in Halle
Mit Herrn Matthias Därr auf dem Stadtgottesacker in Halle
Der Hallesche Gottesacker

Ein weiterer Höhepunkt unserer Exkursion war die Besichtigung des Stadtgottesackers in Halle. Bei herrlichem Wetter wurden wir fachkundig und ausführlich vom Landschaftsarchitekten Matthias Därr über die einzigartige Friedhofsanlage der deutschen Renaissance geführt. Die Gestaltung der Friedhofsanlage wurde um 1550 nach den Plänen und unter der Leitung des Ratsbaumeisters Nickel Hoffmann begonnen. Der Baumeister plante einen ummauerten Raum der Stille, dabei dem Stilmittel der italienischen Renaissance folgend mit der Errichtung umlaufender Arkaden und Ornament geschmückter Gruftbögen. Im Jahre 1594 war der Gottesacker mit Torturm und 84 Arkadenbögen im Wesentlichen fertig gestellt worden. Bedeutende Persönlichkeiten der deutschen Geistes- und Wirtschaftsgeschichte haben damals hier ihre letzte Ruhe gefunden. Trotz Zerstörung, einsetzenden Verfalls und mangelnder Instandsetzung ist der Stadtgottesacker in seiner architektonischen Schönheit noch nach dem zweiten Weltkrieg erlebbar. Man entschloss sich Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts, denkmalpflegerische Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten durchzuführen. Bis 1997 konnte nur in kleinen Abschnitten, entsprechend der Haushaltslage der Kommune, mit Sanierungsarbeiten begonnen werden. Durch eine großzügige private Stiftung durch Frau Dr. Marianne Witte (Tochter des Nobelpreisträgers für Chemie Dr. Karl Ziegler, Universität Halle) von 5 Mio. Euro ist in den letzten Jahren in Verbindung mit der "Stiftung Denkmalschutz" die denkmalpflegerische Instandsetzung der Arkadenbögen und Grüfte durchgeführt worden. Im Jahre 2003 wurden nach nur vierjähriger Bauzeit die Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Die einzigartige Friedhofsanlage lädt heute wieder zu einem Besuch als Stätte der Ruhe und des Gedenkens ein.


Klaus Sundermann
 
Blick von Schloss Neuenburg
Blick von Schloss Neuenburg
Fassadendetail in Naumburg
Fassadendetail in Naumburg
Naumburger Altstadt
Naumburger Altstadt
Stadt Naumburg und Schloss Neuenburg

Die zahlreichen Kirchtürme der Altstadt hatten bereits Neugier geweckt, als wir am Vorabend Naumburg in der sanften Landschaft des Saaletales erreichten. Unser Stadtführer gab uns zunächst Informationen zur Stadtgeschichte.
Der Ursprung geht etwa auf das Jahr 1000 zurück, als die Markgrafen von Meißen ihre neue Burg errichteten (Nuwenburg wird Naumburg). Bald darauf wurde die Verlagerung des Bischofssitzes von Zeitz nach Naumburg erwirkt und ein erster Dom geweiht. Den Kreuzungspunkt wichtiger Handelsstraßen nutzend, gründeten im Schutz der Burg Kaufleute, Gewerbetreibende und Handwerker die Bürgerstadt. Diese und der Bischofssitz entwickelten sich bedeutend weiter, aneinandergrenzend, aber jede für sich ummauert. Die baulichen Schwerpunkte der Bischofsstadt liegen in der Romanik und Frühgotik, die der Bürgerstadt nach einem verheerenden Stadtbrand in der Renaissance.

Unsere Stadtbesichtigung begann zunächst im neuen Bürgergartenviertel. An Baum bestandenen Straßen überraschten uns in großer Zahl von wohlhabenden Bürgern errichtete Villen der Gründerzeit und des Jugendstils mit einer Vielfalt an Architekturdetails. Einige Bauten sind dem Verfall nahe, andere bereits gesichert und viele sehr schön und aufwändig restauriert. Am Übergang zu den Waldhängen wurde um 1800 im landschaftlichen Stil der "Bürgergarten" (unter Denkmalschutz) angelegt, den wir kurz besuchten. Innerhalb waldartig bestockter Flächen und prächtigem altem Parkbaumbestand liegen in neuerer Weiterentwicklung die Sichtachse zur Stadt, Brunnen, Rosengarten usw. und offene Flächen, auf denen des "Turnvaters" Friedrich Ludwig Jahn vorgetragene nationalpolitische Ideale damals die Obrigkeit verschreckt haben. Entlang der in großen Teilen noch vorhandenen Stadtbefestigung mit begleitendem Wallgrabengrün, vorbei am einzig verbliebenen Tor - das Marientor, eine Doppeltoranlage - erreichten wir über schöne Gassen mit vielfältigen historischen Bauten den prächtigen Marktplatz. Trotz der Dominanz von Rathaus und Wenzelskirche ist die geschlossene Baukulisse dieses Platzes von der Individualität der bürgerlichen Einzelbauten geprägt. In sorgfältiger Restaurierung zeigten sich uns Fassaden mit einem Reichtum an steinernen Portalen, Simsen, Laibungen, Erkern und Giebeln, Türen mit z.T. figürlichem Schnitzwerk, Dächern mit üppig gestalteten Zweckhäusern oder zahlreichen Öffnungen mehrerer Böden. Der Stadtführer vermittelte uns lebhaft den baulichen Wettstreit (Rathaus und gegenüber liegendes Haus), die Nutzung von Innenhöfen und hohen Dachvolumen und das frühere Leben in Haus und Gasse, abzulesen u.a. in meist farbigen, steinernen Hauszeichen, Inschriften, Wappen und Sitznischenportalen. Die auffallende Breite der Straße "Lindenring" die wir auf dem Weg zur Domfreiheit querten, hat in der früher hier vorhandenen Stadtbefestigung zwischen der Bürger- und der Bischofsstadt ihre Begründung. Der Baukomplex des Naumburger Domes St Peter und Paul, den wir nun erreicht hatten, wurde nur kurz in seiner Grundkonzeption mit den zwei Turmpaaren sowie Ost- und Westchor vorgestellt. Weiteres sollte lt. Programm der Eigeninitiative vorbehalten bleiben. Aber… ein Dombesuch war wegen einer privaten Veranstaltung uns verwehrt und nach Abgleich von Öffnungszeiten und unserem weiteren Programm leider nicht möglich. Mir war es nicht leicht, den Dombezirk zu verlassen, ohne die berühmten 12 lebensgroßen Stifterfiguren gesehen zu haben. Dafür aber bot sich an, über Mittag längere Zeit durch die Altstadt zu wandeln, die weder Kriegszerstörungen noch verfremdende "Wirtschaftswunder"-Bautätigkeit hinnehmen musste. Sie ist in großen Bereichen vom Fahrverkehr freigehalten und überraschte mit weiteren kleinen Plätzen, auch in neuester, aufwändiger Gestaltung. Etwas problematisch in Zustand und Nutzung erschienen sehr tiefe Innenblöcke; es waren aber auch Gärtchen in üppiger Sommerblüte zu sehen. In kurzer Fahrzeit erreichten wir nach der Querung der Saale und Anfahrt über den rückwärtigen sanften Anstieg Schloss Neuenburg, nahe Freiburg oberhalb es Unstruttales gelegen. Begünstigt durch eine hohe Jahressonnenstundenzahl und von Westströmungen abgeschirmt durch Thüringer Wald und Harz konnte sich an exponierten Talhängen das heute nördlichste Weinbaugebiet Deutschlands erhalten. Kleine Winzerbetriebe bearbeiten die Rebhänge, die, mit den hellen Kalksteinmauern terrassiert, einen reizvollen Anblick bieten. Viele Kirschbäume, auch Walnuss und Fliederhecken in den Gärten zeugen von der Lagegunst dieses Landschaftsraumes. Selbst auf dem Burgareal erblickten wir auf magerem Standort an den Mauern wunderschöne Stockrosen in Farbtönen von zartrosa bis purpurn. Der Ursprung der Neuenburg geht auf eine Gründung der Thüringer Landgrafen im 11. Jahrhundert zur Sicherung nach Osten zurück. In mehreren Bauphasen unter wechselnder Herrschaft entstand eine das Landschaftsbild beherrschende, große Burganlage mit Kernburg und mehreren Vorburgen und dominantem Bergfried. Im 16. Jahrhundert wird sie Wohnschloss und später vom preußischen Staat, nach Übergang an diesen, erhalten. Unsere Führung beschränkte sich auf die Räume innerhalb der Bauten der Kernburg, deren Verfall in der Zeit der DDR, wie uns geschildert wurde, betroffen machte. Der wertvollste Bauteil der Burg ist die romanische Doppelkapelle. In der unteren Ebene wurde die Messe für die Bediensteten abgehalten, an der die Adligen in der reicher gestalteten oberen Ebene teilnehmen konnten. Schwarze Säulen tragen hier auf sehr schönen goldenen Kapitellen die seltsam gezackten Gewölberippen. Die Raumverbindung von unten nach oben besteht lediglich in einer recht kleinen, zu schließenden Fußbodenöffnung. Viele weitere Räume der Burg sind inzwischen restauriert und enthalten kleine Ausstellungen zur Burg und deren Nutzung oder auch neu beschaffte historische Einrichtungsgegenstände. Besonders schön fand ich die beiden baulich sehr unterschiedlichen Wendeltreppen. Wir genossen die Ausblicke aus den Fenstern der Burg ins weite Land und ganz besonders den Blick in das unter uns liegende Unstruttal von der Südbastion. Mit einer Kaffeepause im Ambiente der Vorburg beendeten wir den Besuch der beeindruckenden Neuenburg.


Renate Dahmann

Die Sektkellerei Rotkäppchen

Als Höhepunkt des Tages wurde die Führung durch die Rotkäppchen-Sektkellerei erwartet. Zunächst wurden wir mit den historischen und baulichen Gegebenheiten vertraut gemacht: Die Ursprünge der Sektkellerei liegen in einer 1856 gegründeten Weinhandlung. Ende des 19.Jahrhunderts blühte das Unternehmen geradezu auf, was sich auch im Ausbau des Gebäude zeigt: 1893 wurde der Hof der Sektkellerei mit einem freitragenden Glasdach überdeckt und ist bis heute als "Lichthof" ein Zentrum des kulturellen Lebens der Region. Ununterbrochen besteht das Unternehmen nun über mehr als 100 Jahre. Nach einem Absatzeinbruch nach der Wende wurde das Unternehmen in eine GmbH in Trägerschaft der Treuhand umgewandelt und das Personal von 364 (vor der Wende) auf 66 Beschäftigte reduziert. Heute werden jährlich mehr als 40 Mio Flaschen abgesetzt.
Der Keller erstreckt sich über 5 Stockwerke und bedeckt eine Fläche von 13.000 Quadratmetern. Die Attraktion ist ein Ende des 19. Jahrhunderts aus 25 Eichen gezimmertes Riesenfass mit einem Rauminhalt von 120.000 Litern. Ein Kollege aus Schwerte schaffte es, sich durch die Reinigungsöffnung eines (normalen) Fasses (und wieder zurück!) zu zwängen und bekam für diese Leistung eine Flasche Sekt verliehen. Bei der anschließenden Verkostung konnten sich aber alle Mitreisenden von den verschiedenen Qualitäten des Sortiments überzeugen.


Ruth Schulze



Landesverband
Ruhrgebiet e.V.
Impressionen aus unserem Landesverband

Studienfahrt nach Sangerhausen und Naumburg
Gemeinsame Studienfahrt mit dem Freundeskreis Grugapark Essen e.V. vom 1.-3. Juli

 
Ein Garten ist ein idealer Ort, um sich auf die großen Fragen einzulassen.
Charles Jencks