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Welterbe und
Gartenkunst - Die Wallanlagen in Stralsund"
4. Fachtagung
zur Gartendenkmalpflege in Mecklenburg - Vorpommern
Das
Kulturgut Park und Landschaft - unter dieser
Überschrift fand am 24.09.04 eine Fachtagung
zur Gartendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern
statt. Tagungsort war in diesem Jahr die
Hansestadt Stralsund, Veranstalter die Deutsche
Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur,
Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.
und der BDLA Landesverband Mecklenburg Vorpommern
in Zusammenarbeit mit der Hansestadt Stralsund,
dem Landesamt für Denkmalpflege sowie
der Architektenkammer M-V.
Die
Wallanlagen der Hansestadt Stralsund, untrennbar
mit der steinern geprägten mittelalterlichen
Stadt verbunden, sind seit der Anerkennung
der Altstädte Stralsund und Wimar durch
die UNESCO, Bestandteil des Welterbes. Ihre
heute überlieferte Form vereint den
Zeugniswert der gebauten Stadtbefestigungsanlage
mit der landschaftsparkartigen Gestaltung
aus dem 19.Jahrhundert.
Derzeit präsentieren sich die denkmalgeschützten
Wallanlagen Stralsunds, zusammen mit den
künstlich angelegten Stadtteichen,
in einem Zustand, der einer beliebigen Gewässerlandschaft
Mecklenburg-Vorpommerns gleicht. Das entstandene
ökologische Potential unterliegt der
Naturschutzgesetzgebung.
Die Tagung diente dem fachlichen Austausch
und der Diskussion von durchgeführten
und geplanten Maßnahmen. Ziel ist
es, den Symbolwert der Wallanlagen als Zeugnis
der Geschichte mit seinen kulturellen, sozialen
und funktionalen Aspekten zu erhalten bzw.
schrittweise zurückzugewinnen.
Am Vormittag erläuterte der Senator
und 1. Stellvertreter des Oberbürgermeisters
der Hansestadt Stralsund, Dipl.-Ing. Hans-Jörg
Vellguth die Bedeutung der Wallanlagen für
die Hansestadt. Frau Dipl.-Ing. Birgid Holz
vom Landesamt für Denkmalpflege referierte
zur Bedeutung der Stralsunder Wallanlagen
und erläuterte den hohen Rang im Vergleich
mit anderen Befestigungsanlagen.
Eine stimmungsvolle Einführung in die
Geschichte und Entwicklung des Stralsunder
Stadtgrüns war die Dia-Tonschau von
Volkmar Herre unter dem Titel "Backstein
und Grün". Dipl.-Ing. Angela Pfennig,
Autorin des gleichnamigen Buches, stellte
anschließend die Geschichte und Entwicklung
der Stralsunder Wallanlagen zum (Garten-)Denkmal
dar. Als verantwortliche Mitarbeiterin der
Hansestadt erläuterte Dipl.-Ing. Heike
Benz den bisherigen planerischen Ansatz
einer ausgewogenen Einbeziehung von Aspekten
der Denkmalpflege und des Naturschutzes.
Ihr Vortrag lautete "Das Landesparkprogramm,
als planerischer Ansatz für eine ausgewogene
Einbeziehung von Aspekten der Denkmalpflege
und des Naturschutzes, Stand und Probleme
bei der Umsetzung". Am Nachmittag folgte
ein Rundgang durch die Stralsunder Wallanlagen
und eine intensive Fachdiskussion. Zur Einführung
in den Rundgang und als Grundlage der Diskussion
wurden die Planungen der letzten 14 Jahre
von Dipl.-Ing. Eva Schubert, zuständige
Angestellte der Hansestadt Stralsund, erläutert.
Geschichte
und Bedeutung
Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war die
Stadt Stralsund über viele Jahrhunderte
mit einem System von Stadtmauern, Toren,
Bastionen, Vortoren und schützenden
Teichen befestigt. Erst mit Beginn der französischen
Belagerung und dem 1807 erteilten Befehl
zur Schleifung der Festung kamen auch in
Stralsund Gedanken einer landschaftlichen
Umgestaltung der Festungsanlagen auf. Als
wichtiges Zeugnis norddeutscher Gartenkunst
ist von 1810 ein Plan von Theodor Siemers,
Hofgärtner von Hohenzieritz, erhalten
geblieben, der die Umwandlung aller Bastionen
in kleine Parkanlagen vorsieht, jede mit
einem anderen Charakter, verbunden über
eine Allee. Diese großartige Idee,
der steinern geprägten Altstadt eine
Parklandschaft in Form eines Promenadenringes
anzufügen, konnte leider nicht umgesetzt
werden. Erst 1873 erfolgte die Aufhebung
des Festungscharakters der Hansestadt Stralsund.
Nahezu gleichzeitig begann die Stadt, sich
mit der Entwicklung von Vorstädten
auszudehnen. Die ab 1880 unter Ferdinand
Jühlke begonnene landschaftsgärtnerische
Gestaltung der Wallanlagen erfolgte zunehmend
unter dem Aspekt der Entwicklung einer innerstädtischen
öffentlichen Gartenanlage, beeinflusst
durch die aufkeimende Volksparkidee.
Nach der Jahrhundertwende wurden Teile der
gärtnerisch gestalteten Wallanlagen
bebaut und damit einer Freiraumnutzung durch
die Bevölkerung entzogen.
Mit Dammschüttungen um 1920 erfolgte
gleichzeitig eine Anbindung der Wallanlagen
an vorhandene großräumige Grünstrukturen.
Veränderte Anforderungen und Bedingungen
an Nutzung und Unterhaltung der Wallanlagen
führten zu einem immensen Verlust des
Zeugniswertes der gestalteten Landschaft,
aber auch an Aufenthaltsqualität.
Der gegenwärtige Zustand entspricht
in keiner Weise der Bedeutung der Wallanlagen
als Denkmal der Stadtbefestigung und Denkmal
der Gartenkunst.
Planerischer
Ansatz
Zusammen mit dem Stadtwald wurden die Wallanlagen
Stralsunds 1993 in das Landesparkprogramm
von Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen,
ausgewählt aus ca. 1200 Parkanlagen.
Finanziell durch das Land unterstützt,
konnten über ein umfangreiches Fachgutachten
des Büros Pulkenat Zielsetzungen formuliert
werden, die denkmalpflegerische und naturschutzfachliche
Aspekte gleichermaßen berücksichtigen.
Methodisch wurden dabei einzelne Teilbereiche
hinsichtlich Historie, Erhaltungszustand
sowie der Bedeutung für Stadtentwicklung,
Naturschutz, Denkmalpflege, Erholungsvorsorge
und das Landschaftsbild untersucht. Die
Hansestadt Stralsund stellte darauf aufbauend
einen "Leitplan zur Entwicklung des
Stadtwaldes und der Wiederherstellung der
Wallanlagen" auf. Dieser setzt für
den Bereich Stadtwald als Entwicklungsschwerpunkt
den Naturschutz fest, während für
die Wallanlagen eine stärkere Gewichtung
auf die Anforderungen der Denkmalpflege
gelegt wird. Dennoch führten in den
letzten Jahren aus dem Leitplan heraus entwickelte
Objektplanungen im Detail zu Konflikten,
die insbesondere innerhalb der naturschutzfachlichen
Bewertungen, Arten- und Biotopschutz sowie
Landschaftsbild, lagen.
Fazit
Im Ergebnis einer sehr breit geführten
Fachdiskussion wurde der besondere Wert
der Wallanlagen als historische Kulturlandschaft
herausgearbeitet, gleichermaßen Ziel
von Denkmalpflege und Naturschutz.
Mehrheitlich empfohlen wird eine differenzierte
Behandlung der einzelnen Bastionen, wobei
der gartenkünstlerische Wert und eine
Verbindung mit bereits sanierten Anlagen
für die Festlegung von Prioritäten
ausschlaggebend sein sollte. Großer
Wert wird einer Intensivierung der Pflege
beigemessen.
Der Umgang mit den Verlandungsprozessen
der künstlich angelegten Stadtteiche
ist langfristig zu klären.
Die Hansestadt Stralsund hat sich im Rahmen
der Bewerbung zum UNESCO-Welterbe das Ziel
gestellt, die Wallanlage mit den Bastionen
als Denkmal und innerstädtischen Grüngürtel
für die Freiraum- und Erholungsvorsorge
zu entwickeln. Wichtige Schritte sind eingeleitet.
Für die Tagungsteilnehmer endete der
Rundgang Wallanlagen an der sanierten Schillanlage,
einer in hoher Qualität wiederhergestellten
denkmalgeschützten Gartenanlage der
20er Jahre.
In eindrucksvoller Weise kann hier über
die Blickbeziehungen zwischen Strelasund
und Stadtteichen die Insellage der Altstadt
Stralsunds wieder erlebt werden. Die begonnenen
Bemühungen wird die Hansestadt Stralsund
fortführen und auch zukünftig
in der Auseinandersetzung mit den verschiedenen
fachlichen Ansichten um hohe Qualität
ringen.
Zusammengestellt: E. Schubert
Quellen
Fachvorträge vom 24.09.04
Pfennig, A. "Backstein & Grün",
Edition herre, Stralsund 2003
Pulkenat, S. "Rahmenplan zur Entwicklung
des Stadtwaldes und der Wiederherstellung
der Wallanlagen", Gielow, 1996
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Abbildung 1
Rundgang am Knieperteich |
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Abbildung
2:
Die fertiggestellte Sundpromenade |
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