Die
mittlerweile 16. Nordischen Baumtage fanden
vom 14. bis 16. Juni 2006 in Rostock statt.
Veranstalter waren die Deutsche Gesellschaft
für Gartenkunst und Landschaftskultur,
Landesverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.
und das Amt für Stadtgrün, Naturschutz
und Landschaftspflege der Hansestadt Rostock.
Das Interesse an den Fachvorträgen,
Vorführungen und Exkursion war groß,
so dass ein neuer Teilnahmerekord zu verzeichnen
war.
Das Konzept mit einer gewissen thematischen
Vielfalt und Schwerpunkten an den jeweiligen
Tagen hat sich bewährt. Das gilt auch
für die Teilung in Vorträge am
Vormittag und praktischen Vorführungen
oder Exkursionen am Nachmittag. Die traditionellen
Abendveranstaltungen, diesmal in der Hochschule
für Musik und Theater Rostock und im
Kringelgrabenpark, boten trotz Fußball-WM
Gelegenheit zum Erfahrungs-austausch in
gemütlicher Runde.
Schwerpunkt des ersten Tages bildete das
Thema Schäden an Leitungen durch Baumwurzeln
und ihre Vermeidung. Zunächst ging
Prof. Dr. rer. nat. Stützel (Ruhr-Universität
Bochum) auf die Ursachen von Wurzeleinwuchs
in Kanalleitungen ein. Dabei stellte er
heraus, dass das bisher allgemein angenommene
Leck-Modell, also die Undichtigkeit der
Leitung in Verbindung mit der Suche der
Wurzeln nach Wasser und Nähstoffen
als Grund für Einwurzelungen, nach
neueren Untersuchungen nicht stimmen kann.
Wahrscheinlicher ist das Dichtefallenmodell.
Die Wurzeln suchen Bereiche geringer Dichte.
Diese finden sie im Bereich des Rohres und
insbesondere der Muffe. Aus diesen Bereichen
kann eine Wurzel nicht mehr heraus wachsen,
so dass sie in die Leitung eindringt.
Nachdem Herr Dr. Stobbe vom Institut für
Baumpflege Hamburg Handlungsempfehlungen
für einen fachgerechten Baumschutz
vorgestellt hat, ging Frau Helge Breloer
auf die Haftung für Schäden durch
Wurzeleinwuchs ein. Sie hat klargestellt,
dass der Baumeigentümer auch für
Schäden haftet, die die Wurzeln seines
Baumes verursachen. Auf die erneut umfassende
Darstellung der Rechtslage und der aktuellen
Rechtssprechung kann hier in der Kürze
nicht eingegangen werden.
Am zweiten Tag hat Herr Leitsch (Öbs
SV / Rüsselsheim) im Rahmen des Themas
"Aktives Baummanagement - Ein Konzept
zur Gesamtbetreuung ihrer Bäume"
einen Leitgedanken geprägt, der in
den folgenden Vorträgen aufgenommen
wurde. Man muss einen Plan haben, was ein
Baum leisten soll. Danach bestimmt sich
insbesondere der Pflegeaufwand, der betrieben
werden muss. Wenn die Pflanzung von Bäumen
auf einem kritischen Standort, z.B. in einem
engen Straßenraum mit kritischen Wuchsbedingungen,
gewollt ist, dann muss man sich über
einen hohen Pflegeaufwand und eine geringe
Lebenserwartung der Bäume im klaren
sein. So ein Plan ist auch bei vergreisenden
Bäumen oder geschädigten Altbäumen
erforderlich. Die Frage ob der Nutzen des
Baumes die dann erforderlichen hohen Pflegeaufwendungen
rechtfertigt.
Einen emotionalen Vortrag hat Herr Marik
(teamtreecare, Obergrafendorf / Österreich)
unter dem Thema "Wie gefährlich
sind Bäume wirklich?" beigesteuert.
Sein Ansatz war die Angst vor großen
Bäumen, die durch die dominierenden
Themen Haftung, Verkehrssicherheit, Sorgfaltspflicht,
Fahrlässigkeit u.ä. auf Fachtagungen
suggeriert wird. Aber: Bäume sind nicht
gefährlich! Sie existieren viel länger
als die Menschheit. Wären Bäume
ihrem Wesen nach gefährlich, hätte
sich die Menschheit nie zur dominierenden
Spezies entwickeln können. Und: wie
viele Personenschäden durch Bäume
sind im Umfeld bekannt, im Vergleich zu
Autounfällen oder Krankheiten.
Und wenn Bäume eine Gefahr von Bäumen
ausgeht, können wir sie meist erkennen
oder sind sogar selber Schuld, durch Wurzelkappungen,
Einengung des Wuchsraumes etc. Da wird eher
die Gefahr für Bäume deutlich.
Zum Abschluss hat Herr Prof. Dr. Dujesiefken
Erfahrungen nach einjähriger Anwendung
der FLL-Baumkontroll-Richtlinie dargestellt.
Am Nachmittag wurde an konkreten Beispielen
die Standortanalyse von über Jahrzehnte
zugeparkten Lindenalleen im Uniklinikviertel
von Rostock, die Standortverbesserung nach
erfolgter Reduzie-rung des Parkens sowie
die Baumkontrolle nach FLL-Richtlinie vorgeführt.
Der dritte Tag stand im Zeichen der Ulme.
Herr Dr. Bilz aus Dresden hat unter dem
Thema "Resistaq - und andere Ulmen
als Strassenbaum" aktuelles zur Verwendung
von Ulmen vorgestellt. Dabei sieht er eine
gute Eignung als Straßenbaum. Mit
dem aktuellen Sortenspektrum und den bisherigen
Erfahrungen sind Ansatzpunkte für einen
sinnvollen Einsatz gegeben. Danach hat Herr
Dr. Mackenthun (Das Ulmen Büro Hamburg)
das Hamburgische Ulmenprogramm vorgestellt.
Hier wurde ein integrierter Ansatz zur Bekämpfung
der Holländischen Ulmenkrankheit entwickelt,
der im wesentlichen aus einer Bestandsaufnahme,
dem Monitoring zum frühzeitigen Erkennen
befallener Bestände, der Baumhygiene,
einer schnellen und gründlichen Sanierung,
aber auch der Neupflan-zung von Ulmen und
der Fortbildung besteht. Insbesondere durch
schnelle Maßnahmen beim Erkennen eines
Befalls kann ein Ausbreiten der Krankheit
gemindert werden. Allerdings sind die Mittel
für das Ulmenprogramm recht bescheiden.
Das kann eigentlich nur ein Anfang sein,
ist aber eine wichtige Anregung für
andere Städte und Regionen in Deutschland.
Der Baum des Jahres 2006 ist die Schwarz-Pappel.
Herr Polzin (Untere Naturschutzbehörde
Landkreis Bad Doberan) hat in einem breiten
Bogen von der griechischen Mythologie über
den starken Rückgang der natürlichen
Standorte bis hin zur Verwendung von Pappelholz
für E-Gitarren, Skateboards oder des
Pappelflaums für Bettdecken und Bekleidung
diese verallgemeinert mit einem negativen
Image behaftete Art nahe gebracht.
Zum Abschluss ging Herr Prof. Hardy Pfanz
von der Universität Essen auf die aktuelle
Diskussion zur Wirkung der Bäume bei
der Feinstaubreduktion ein. Ziel sollten
in der Höhe gut strukturierte Pflanzenbestände
aus bodennahen Gräsern und Kräutern,
einer lockeren Strauchschicht und Baumreihen
entlang von Straßen sein. Bei diesem
Thema besteht aber noch großer Forschungs-bedarf,
um die Filterleistung verschiedener Baumarten
zu klären.
Kai Lämmel
Landschaftsarchitekt
stellv. Vorsitzender DGGL LV M-V