Wie ein Schlosspark verkommt!

In der „Erfassung der historischen Gärten und Parks in der Bundesrepublik Deutschland“, 2. Auflage aus dem Jahre 1988, vorgelegt vom Deutschen Heimatbund e.V. in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. – Arbeitskreis historische Gärten – wird der Schlossgarten an der Evenburg in Leer wie folgt beschrieben:

Eigentümer: Graf Wedel
Zugänglichkeit:  Öffentlich
Hinweise zur Geschichte:  Landschaftspark, z. T. noch barocke Strukturen erkennbar (Barocke Wasserschlossanlage mit Bauteilen aus dem 17. Jahrh. und frühen 18. Jahrh.; neugotische Fassaden a. d. Zeit um 1860 weitgehend zerstört).
Anmerkungen:  Z.T. 300jährige Bäume, Z.T. waldartig, Graften ums Schloss, lange gerade Wasserkanäle.

Schloss Evenburg in Leer-Loga
Bild:Schloss Evenburg in Leer-Loga

Evenburger Park Bestand 1998
Bild:Evenburger Park Bestand 1998

Zwischenzeitlich erfolgte ein Besitzerwechsel: Graf Wedel verkaufte Schloss und Garten an den Landkreis Leer.  Am Zustand änderte sich aber bis 1998 wenig.  Der Park an der Leda, einem Nebenfluss der Ems, träumte vor sich hin.  Aber inzwischen gab es einen Verein (Schutzgemeinschaft Evenburger Park), der sich um die „Erhaltung des Parks“ und einen Landschaftsarchitekten (Dr. J. Tute, Hildesheim) bemühte, ein „Parkpflegewerk“ zu erarbeiten und zwar in sehr enger Fühlungnahme mit der Niedersächsischen Denkmalbehörde (R. Schomann, Hannover, Amt für Denkmalpflege).  Dieses umfangreiche Parkpflegewerk befasste sich selbstverständlich auch mit den historischen Wasserführungen innerhalb und außerhalb des Parkgeländes und weist darauf hin, dass aufgrund historischer (ständig wechselnder) Wasserstände der historische Baumbestand viele Jahrhunderte überdauern konnte.  Das Parkpflegewerk, privat in Auftrag gegeben, blieb leider Makulatur.  Auch die vom  Landkreis selber erfolgten Untersuchungen fanden keine Beachtung.

Unterer Teichbereich mit Randzonen, zu hoher Wasserstand, dadurch Vernässung des angrenzenden Bodenbereiches (Aufnahme 26.07.2007)
Bild: Unterer Teichbereich mit Randzonen, zu hoher Wasserstand, dadurch Vernässung des angrenzenden Bodenbereiches (Aufnahme 26.07.2007)

Vielmehr wurde nun ohne eine grundsätzliche Bestandsaufnahme aller historischen Belange, aber aufgrund in Aussicht gestellter Finanzierungshilfen seitens der EU, vom Landkreis beschlossen, das gesamte Gewässersystem mit erheblichem Aufwand im Parkgelände zu erneuern.  Dabei wurde nicht mehr Rücksicht genommen auf die bisherigen, einwandfrei funktionierenden Systeme und den daraus resultierenden Gewässerhöhen, sondern mit Rücksicht auf einen allgemein geforderten sichtbaren und gleichmäßigen Wasserstand im Schlossgraben und weiter in den angrenzenden, höhenmäßig unterschiedlichen Teichen (Zingel) nicht nur ein neuer Hauptzulauf geschaffen, sondern es wurden auch die Überläufe so geregelt, dass zu jeder Jahreszeit dieser gleichmäßig hohe Wasserstand gewährleistet ist.  Gleichzeitig wurde der Park vom Unterholz befreit (Wildwuchs), Parkwege angelegt (kaum in Anlehnung an die historischen Trassen), das Schloss saniert und restauriert.  Schloss und Park sollten in „neuem Glanze“ erstrahlen.  Das alles geschah in den Jahren 1999-2001.

Oberer Teichbereich mit Randzonen (Aufnahme 26.07.2007)
Bild: Oberer Teichbereich mit Randzonen (Aufnahme 26.07.2007)

Inzwischen stellt sich heraus, dass aufgrund des zu hohen Wasserstandes der Baumbestand erheblich geschädigt ist.  Das heißt:  Der Alterungsprozess hat sich so beschleunigt, dass sehr alte, aber auch jüngere Bäume im Herbst vermehrt von Pilzen befallen werden.  Nicht nur das:  Pilzbefall beweist, die Bäume sind nicht nur geschädigt, sondern widerstandslos und also krank geworden.  Es ist nicht zu leugnen, dass der zu hohe neue Wasserstand (seit 2000) zu diesem Unglück geführt hat.

An fast jedem Baum hat sich eine besondere Pilzart angesiedelt.
Bild: An fast jedem Baum hat sich eine besondere Pilzart angesiedelt. (Aufnahme 30.10.2007)

Der historische Evenburger Park stirbt und ist wohl kaum mehr zu retten.  Selbst Erlen, die doch Wasser gewohnt sind, leiden unter diesem Dilemma:  Auch hier gab es 2007 Baumpilze zu beobachten.

Alle bisherigen Hinweise, Aufrufe, Ermahnungen, Schreiben und Gespräche an und mit zuständigen Institutionen (Niedersächsischer Heimatbund, Amt für Denkmalpflege, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Niedersächsische Gesellschaft zur Erhaltung Historischer Gärten e.V.) und Behörden (Landkreis Leer) blieben erfolglos.

Auf diese Weise geht wertvolles Kulturgut verloren, weil nicht beachtet wird, was in Jahrzehnten, ja Jahrhunderten einwandfrei funktionierte.  Denn zu keiner Zeit ist nachweislich eine solch dauerhafte Vernässung der Parkanlage aufgetreten.  So wurde in einem Zeitraum von knapp 7 Jahren der Baumbestand eines historischen Parks zum Tode verurteilt.

Was schrieb mir ein fast 90jähriger Freund vor einigen Monaten (es war noch Sommer):  „… Am 1. Pfingsttag war ich mit Bekannten im Park der Evenburg.  Meine ungeschulten Augen haben an den Bäumen keine Schäden feststellen können.  Das wird wohl das Fatale sein, Eure Befunde und Befürchtungen sind noch nicht augenscheinlich, und wenn sie diese werden, mag es zu spät sein.  Die vielen Besucher bestaunten die Schönheit des Parks, und es wird demnächst von der Kreismusikschule Leer Shakespeares „Sommernachtstraum“ dort aufgeführt.  Alle Welt wird sich freuen, in dem Park ein solches Kleinod als ein Stück Kulturerbe zu besitzen, und der Landkreis Leer mit seinem Landrat wird Lob und Anerkennung einheimsen!
 So fürchte ich.  Was muss geschehen? ...“

Der DGGL-Landesverband Bremen / Niedersachsen-Nord e.V. als neutraler Verein beobachtet dieses Geschehen mit großer Sorge und sucht weiter das Gespräch mit den Verantwortlichen.  Es könnte aber soweit kommen, dass dieser historische Park, wenn sich der Niedergang laufend fortsetzt, weil alle Mahnungen und Appelle unbeachtet bleiben, von Grund auf an Hand vorliegender Pläne und Bilder mit sehr großem Aufwand wieder aufgebaut werden müsste.  Doch das wird nur gelingen, wenn grundsätzlich alles beachtet und berücksichtigt wird, was sich (historisch) in Jahrhunderten (bis zum Jahre 1999) bewährt hat, d.h. der hohe Wasserstand beseitigt wird.

Udo Rolf Gerdes
Geschäftsführer DGGL-Landesverband Bremen / Niedersachsen-Nord e.V.Im November 2007

Einen aktuellen Stand (Februar 2008) und einen Gastkommentar können Sie hier nachlesen. (PDF)


Gastkommentar

Ein seit Jahrzehnten aufmerksamer und kritischer Beobachter des Evenburger Parks hat unseren DGGL-Landesverband ange-
schrieben, diesen Kommentar möchten wir Ihnen nicht vorenthalten.

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Pressestimmen

Pro und Contra in den Medien zu diesem Thema, hier finden Sie die originalen Zeitungs-Artikel kommentiert.

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Ein Garten ist ein idealer Ort, um sich auf die großen Fragen einzulassen.
Charles Jencks