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Das große Tropenhaus im Botanischen Garten Berlin kurz vor der Fertigstellung

Ein Gewächshaus der besonderen Art ist das große Tropenhaus im Botanischen Garten, das Anfang des 20.Jahrhundert nach Plänen des königlichen Baurats Alfred Koerners auf einem ehemaligem Kartoffelacker erbaut wurde und heute als eines der größten freitragenden Denkmalgeschützen Gewächshäuser in der Welt gilt.

Der DGGL-Landesverband Berlin- Brandenburg hatte die Gelegenheit, das große Tropenhaus kurz vor der Fertigstellung unter der sachkundigen Führung des Sonderbeauftragten der Tropenhaussanierung und technischen Leiters Dr. Michael Krebs exklusiv zu besichtigen. Ein seltener Moment, die Weite des 60 m langen und teilweise 25 m hohen Glashauses ohne Pflanzen zu visualisieren und das Bauwerk mit seiner nach innen gehängten gläsernen Fassade ohne Stützen und Pfeiler als historisch architektonische und dennoch futuristisch wirkende Besonderheit wahrzunehmen.

Seit dem Herbst 2007 wird das große Tropenhaus unter der Regie von Haas, Architekten bdla, grundsaniert. Eine Sanierung war dringend nötig, um den gigantischen Energieverbrauch, teilweise verursacht durch verwitterte Dichtungen und gesprungene Acrylglasscheiben, zu halbieren. Allein dieses Gebäude verbrauchte ein Drittel der gesamten Energiekosten des Botanischen Gartens. Zudem war die veraltete nicht regelbare Gewächshaustechnik, die für eine konstante Wärme zwischen 22 und 25 Grad sorgen soll, störanfällig und erschwerte die Pflege und den Schutz der tropischen Pflanzen vor Kälte und Frost.

Bei der Führung durch das Tropenhaus fallen zwei 16 m hohe als Urwaldbäume getarnte Umluftröhren ins Auge, die senkrecht in die Luft ragen. Mit Hilfe eines großen Propellers im Inneren der Türme wird die warme Tropenluft von oben abgesaugt und unten wieder in das Gebäude eingebracht. Ein Teil der Wärmeenergie wird durch im Turm angeordnete Waben zwischengespeichert und in den Nachtstunden abgegeben. Später werden Rankpflanzen das Betonkleid der Mammutbäume verschönen. Eine weitere wichtige Neuerung ist das Ersetzen der schadhaften und stark verschmutzen Acrylscheiben durch eine hochwertige Wärmeschutzverglasung, die aus eisenoxidarmem Glas mit einer speziellen Anti-Reflexbeschichtung besteht. Die nun deutlich kleinteiligeren Fensterscheiben ähneln dem historischen Zustand vor etwa 100 Jahren. Auf den neusten Stand gebracht wurden das Heizungssystem mit einer kaum sichtbaren Fassadenheizung, die Lüftungstechnik und die für die hohe Luftfeuchtigkeit nötige Verneblungsanlage. Auch eine Optimierung der Regenwassernutzung wird erfolgen. Das rostende Stahltragwerk wurde abgestrahlt und Korrosionsschutz aufgetragen.

Fast 1400 Pflanzenarten haben im großen Tropenhaus normalerweise ihr Zuhause. Die Führung endete in einem neugebauten Gewächshaus, wo ein Teil der Pflanzen bis zur Fertigstellung untergebracht wurde. Einige Exoten, darunter auch 15 m hohe Königspalmen fanden im Tropical Island in Brand ein temporäres Quartier. Anfang September wird das große Tropenhaus in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Merkel wieder eröffnet.

Bettina la Chevallerie


Landesverband
Berlin-Brandenburg e.V.
Impressionen aus unserem Landesverband

Das Große Tropenhaus im Botanischen Garten
Berlin-Dahlem
08. März 2009

 
Ein Garten ist ein idealer Ort, um sich auf die großen Fragen einzulassen.
Charles Jencks