Bildinformationen per Klick!
 
 
 
 

DGGL Jahresthema 2010

Garten und Kulturen - Gartenkulturen

Dem Graben, Düngen und Jäten, uralten Kulturtechniken, verdanken wir unsere Gärten. Das Wort "Kultur" leitet sich sogar von diesem Ursprung im Lateinischen ab: "cultura" bedeutet Bearbeitung, Pflege …, "colere" wohnen oder den Acker bestellen…. Überhaupt geht es darum, Kulturpflanzen hervorzubringen. So ist die Vielfalt der Pflanzenkulturen ein wichtiges Thema der DGGL in diesem Jahr. Land- und Forstwirtschaft dringen in die Städte vor und gleichzeitig werden Kulturevents auf dem Land inszeniert. Sichtungsgärten zeigen uns die Hochkultur der Staudenverwendung, die Popkultur der Gärten offenbart sich in den Hinterhöfen der Stadt und den Vorgärten des suburbanen Raums. Die Liebe zu bestimmten Pflanzenkulturen scheint auch ganz besondere Spezies der menschlichen Sorte hervorzubringen. Pflanzenliebhaberinnen und -liebhaber schließen sich zusammen, um seltene Märzenbecherarten zu sammeln, um die unterschiedlichsten Eichentypen zu sortieren oder um die Geschichte der Kaffeepflanze zu erforschen.

So färbt das pflanzlich-gartenkulturelle Erbe unserer Gesellschaft auf die Art wie wir Gärten und Landschaften nutzen und auf das Miteinander der Menschen selbst ab. Kulturelle Praktiken der Freiraumnutzung wie Picknicks, Konzerte, Maiwanderungen, Pilgerwanderungen oder unsere Erinnerungs- und Trauerkultur lässt sich anhand der zugehörigen Gärten und ihres Inventars gut ablesen. Und dies nicht nur hier und jetzt: Auch historisch ist es bedeutsam, wie sich freiraumkulturelle Nutzungen verändert haben und wie sich Gärten entsprechend ihres kulturellen Kontextes global voneinander unterscheiden. So wird der Garten durch die Kultur geprägt, aber auch die Kultur von den ökologischen Wuchsbedingungen und Erfordernissen des Überlebens. Die Selbstdarstellung des Ruhrgebietes mit Essen als Kulturhauptstadt 2010 umfasst selbstverständlich auch Gärten, Parks und nicht zuletzt das neue aus einem Abwasserkanal gestaltete Emschertal.

Scheinbar gedeiht Kultur besonders gut unter humösen Bedingungen der gegenseitigen Bestätigung und Zuwendung. Schrebergärtner bilden solch eine Kultur, genau wie Landadelige oder Naturschutzfreaks. Man entwickelt gemeinsame Vorlieben, Stile und Marotten. Man besucht gemeinsam die Objekte der jeweiligen Begierde, sammelt Informationen und grenzt sich von anderen Stilen und Kulturen ab. Dadurch wird man fast zwangsläufig eigen und das Heimelige der gemeinsamen Verwurzelung in einer Kultur droht sich zu verselbstständigen.

Abschottung ist deshalb nur bis zu einem gewissen Grade kulturfördernd. Wenn Migrantinnen und Migranten nicht im Schrebergartenverein aufgenommen werden, wenn Professionelle nur noch unter sich kommunizieren, wenn Fans des Landschaftsgartens nicht mehr mit den Fans des Naturgartens reden, wird es kritisch. Integration ist ein wichtiges Thema, gerade auch in der Stadtentwicklungspolitik und in der gartenkulturellen Auseinandersetzung. Die DGGL muss sich durchaus fragen lassen, wie viele Migrantinnen und Migranten, wie viele Studierende, wie viele Naturschutzfachleute sich in ihren Reihen wohlfühlen. Ein klares kulturelles Profil mit einer starken Integrationskraft gegenüber unterschiedlich Denkenden ist das Ziel. Gartenkunst und Landschaftskultur sind facettenreich, es geht um Gartenkulturen der unterschiedlichsten Art, kurz um Bereicherung, unterschiedliche Perspektiven und neue Erkenntnisse im neuen Themenjahr.

Bettina Oppermann




Jahrbuch 2010
Das DGGL-Jahrbuch 2010 "Garten und Kulturen"

»» weiter



Bildinformationen per Klick!
Bildinformationen per Klick!
 
Ein Garten ist ein idealer Ort, um sich auf die großen Fragen einzulassen.
Charles Jencks