Fachbericht der FLL und DGGL "Pflege historischer Gärten - Teil 1: Pflanzen und Vegetationsflächen"

Fachbericht der FLL und DGGL "Pflege historischer Gärten - Teil 1: Pflanzen und Vegetationsflächen"

Ausgehend davon, dass jede historische Garten- oder Parkanlage aufgrund ihrer Entstehung in einer bestimmten Stilepoche, aber vor allem auch ihrer eigenen, mit regionalen Bedingungen und bestimmten Persönlichkeiten verbundenen Geschichte einen ganz individuellen Umgang erfordert, ist es aus Sicht der Fachleute unmöglich, ein normiertes Regelwerk zur praktischen Gartendenkmalpflege zu erstellen.

Mit dem von der FLL und dem Arbeitskreis Historische Gärten der DGGL herausgegebenen und mit zahlreichen weiteren Verbänden abgestimmten "Fachbericht zur Pflege historischer Gärten - Teil 1" ist es nun aber gelungen, auf der Grundlage von Beiträgen ausgewiesener Fachleute aus ganz Deutschland die spezifischen Pflegeerfordernisse von Pflanzen und Vegetationsflächen in historischen Gärten zu konkretisieren und als fachliche Empfehlung vorzulegen.

In dreizehn Kapiteln widmen sich die Autoren der gesamten Palette des in historischen Gärten verwendeten pflanzlichen Materials in seinen unterschiedlichsten Ausprägungen, von Baum- und Strauchpflanzungen, Hecken, Rosen, Formobst und Kübelpflanzen über Parterreformen und -ornamente, Stauden und Wechselpflanzungen bis hin zu Wiesen- und Rasenflächen. Zur Sprache kommen außerdem Pflanzungen in Gewächshäusern und Pflanzensammlungen. Ergänzt wird der Bericht durch ausführliche Literaturangaben zu jedem Kapitel.

Alle Einzelkapitel sind übersichtlich in derselben Weise gegliedert: Nach einer kurzen Einführung zur historischen Entwicklung der jeweiligen Gestaltungskategorie und ihrer Bedeutung in der Gartenkunst erfolgt eine weitere Auffächerung in Gestaltungstypen und -elemente. Beispielsweise bestehen "Natürlich anmutende Baumpflanzungen in landschaftlichen Anlagen" nicht nur aus Bäumen als ihre elementaren Bestandteile, sondern es sind hier Gestaltungstypen wie Solitärbaum, Baumgruppe, Clump, Hain etc. zu unterscheiden, die jeweils kurz definiert werden. Da eine historische Garten- oder Parkanlage in ihrer ursprünglichen gestalterischen Aussage nur fortbestehen kann, wenn authentisches Pflanzenmaterial in deren Sinne erhalten und gepflegt oder gegebenenfalls auch ersetzt wird, werden als Schwerpunkt jedes Kapitels die spezifischen, über eine allgemeine gärtnerische Praxis hinausgehenden Pflegeerfordernisse differenziert für die unterschiedlichen Gestaltungstypen erläutert. Deutlich wird dabei, dass es insbesondere in historischen Anlagen nicht nur einer kontinuierlichen, sondern auch einer fachlich qualifizierten Pflege bedarf - ob es sich um Gehölzschnitt, Pflege von Parterrepflanzungen oder Wiesenmahd handelt.

Der Fachbericht kann und will nicht die gartendenkmalpflegerische Grundlagenarbeit in Form von Zielstellungen, Leitkonzeptionen oder Parkpflegewerken ersetzen, noch ist er als unmittelbar umsetzbare "Pflegeanleitung" gedacht. Er verdeutlicht vielmehr die hohen fachlichen und sehr spezifischen Anforderungen in der praktischen Gartendenkmalpflege und kann damit auch als Argumentationshilfe für die notwendigen personellen und finanziellen Voraussetzungen dienen. Zweifellos stellt er darüber hinaus eine wichtige Grundlage für alle dar, die mit der Pflege historischer Gärten betraut sind, umso mehr, als hier langjährige praktische Erfahrung von Fachleuten in all ihrer Komplexität zusammengetragen und verfügbar gemacht wird.

Informationen:

FLL und DGGL (Hrsg.) - FLL-DGGL-Fachbericht Pflege historischer Gärten - Teil 1: Pflanzen und Vegetationsflächen, 98 Seiten - A 4

22 Euro zzgl. 3,75 Euro Versandkosten, zu beziehen bei FLL, Colmantstr. 32, 53115 Bonn, info@fll.de

Autorin der Rezension: Katrin Schulze - Landschaftsarchitektin