Symposion Stadt-Garten-Kunst und Verleihung des Goldenden Lindenblattes 2007

Das zweitägige Symposion Stadt-Garten-Kunst am 27.-29.9.2007 war thematisch prall gefüllt. Schließlich gab der Titel der Tagung bereits die Begriffe Stadt, Garten und Kunst vor, die es galt in Relation zu setzen. Wie ist Gartenkunst in Beziehung zur Stadt und Stadtbaugeschichte zu definieren?  Welche Berechtigung hat der Begriff Kunst für die Anlage von Städten - impliziert im Begriff Architektur - und welche für die Planung und Bereithaltung von Freiflächen, Plätzen, Parks und Gärten – zusammengeführt im Begriff Landschaftsarchitektur oder Gartenkunst? Die Einführungsreferate von Hubertus Fischer mit der Suche nach den Wurzeln des Begriffs Gartenkunst sowie den Ausführungen von Wolfgang Haber zur Entstehungsgeschichte von Siedlungen und der Herausbildung der Gegenpole Stadt und Land bildeten eine hervorragende erste Annährung an das Thema.

Gartenkunst unterlag immer unterschiedlichsten gesellschaftlichen und politischen Einflüssen und war beeinflusst vom Austausch von Gartenideen über Länder oder Kontinente hinweg. Den Einfluss US-amerikanischer Parkreformideen des 20. Jahrhunderts auf die Entwicklung unserer städtischer Freiflächen skizzierte Soveig Köbernick mit ihren Ausführungen über den Hamburger Gartenplaner Hugo Koch während Peter Fibich Planungsideologie wie auch Planungsalltag von Landschaftsarchitekten im Städtebau der DDR vorstellte. Am zweiten Tagungstag schweifte der Blick bei der Betrachtung aktueller Planungsansätze nochmals in die Staaten aber auch nach China und Saudi-Arabien und führte dem Publikum in fast beklemmender Dichte vor Augen, wie weit heutige, also modere Planungsansätze auseinanderweichen können: während bei allen drei amerikanischen Referenten (Mark Treib, Joe Barnes, Daniel Nadenieek) die Suche nach dem Ästhetischen, dem angenehmen Maß und letztlich auch dem historisch Bewährtem in den neuen Planungen überwog, zündete Rainer Schmidt ein Feuerwerk geradezu futuristischer Planungsidee für China. Kaum stärker könnten die Planungsansätze auseinanderweichen, als im vorgestellten amerikanischen Projekt „Celebration Florida – A New American Town“, das sich durch seinen Anspruch der Zusammenführung von best bewährten Freiraumidee, -dimensionen und -elementen auszeichnet, gesucht und gefunden entlang der Ostküste der Staaten, und demgegenüber den waagemutigen, überdimensioniert anmutenden Planungen von Megacitys für zigtausende künftige Bewohner in bislang arglos anmutenden Landschaften Chinas. Danach waren die dargestellten und dem Publikum nicht wirklich unbekannt anmutenden Beispiele von Planungsansätzen deutscher Städte - wie der Gaststadt Hannover - einfache und verdauliche Kost. Sie waren aber nicht nur das sondern auch ein besonders schönes Beispiel für die ambitionierte Grünpolitik einer Stadt, wie man sie sich anderen Orts vielleicht noch wünscht.

Der Abend des zweiten Tagungstages war der Preisverleihung des diesjährigen DGGL-Kulturpreises „Goldenes Lindenblatt“ an Dr. Dietrich H. Hoppenstedt gewidmet. Dr. Dietrich Hoppenstedt wurde persönlich und zugleich in seiner Funktion als Präsident der Stiftung Niedersachsen gewürdigt. Die Stiftung Niedersachsen fördert seit 20 Jahren Kunst, Kultur, Bildung und Wissenschaft für und in Niedersachsen. Sie engagiert sich stark für den Bereich der Garten- und Landschaftskultur und hat sich für die Erfassung und Erhaltung des reichen Gartenerbes in Niedersachsen eingesetzt. In seiner Rede führte Prof. Dr. Klaffke den Einsatz und die Leistungen Dietrich Hoppenstedts und seiner Stiftung aus. Im wunderschönen Festsaal des Galeriegebäudes der Herrenhäuser Gärten entwickelte sich dieses Ehrung zu einem stimmungsreichen Abend mit weit mehr als hundert Gästen.

Autorin: Viola Krug

 
 
Ein Garten ist ein idealer Ort, um sich auf die großen Fragen einzulassen.
Charles Jencks