Neue Perspektive für Schloss Bothmer
Schloss und Park Bothmer zählen seit Jahren zu den Sorgenkindern in der deutschen Denkmallandschaft. Für das barocke Kleinod im Nordwesten Mecklenburgs nahe der Ostseeküste gibt es seit ca. 10 Jahren keine gesicherte Entwicklung. Verfall und Vernachlässigung aufgrund ungünstiger Eigentumsverhältnisse und streitbehafteter Nutzungsversuche in privater Hand prägen bis heute das Bild der für Norddeutschland bedeutenden Barockanlage. Dies betrifft den weitläufigen Gebäudekomplex ebenso wie die Parkanlage mit Ihrem Alleensystem und dem umgebenden Wassergraben. Dabei ist das Interesse an Schloss und Park mit seinem eindrucksvollen Baumbestand bei Besuchern groß. Jährlich findet der „Tag der Musik“ der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern im Schlosspark statt und zieht Tausende von Besuchern zu Musikgenuss und Picknick an.
 |
 |
| Schloss und Park Bothmer - Foto: Thomas Helms |
 |
Um den anhaltenden negativen Entwicklungen entgegenzutreten, fand im Frühjahr 2007 auf Initiative des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern der DGGL ein Werkstattgespräch vor Ort statt. Ziel war es, Beteiligte aus Verwaltung, Politik und Fachkreisen zusammenzubringen, um zu diskutieren, wie die Pflege des Parkes und des angrenzenden Umfeldes in nachhaltiger Weise verbessert werden kann, ohne dass bisher ein langfristiges Konzept zu Nutzung und Pflege existiert. Das Ergebnis liegt nun in Form von schriftlichen „Pflegeempfehlungen“ vor, die dem örtlichen Pflegepersonal des Natur- und Heimatvereins als praktische Handlungsanweisungen dienen sollen. Diese Empfehlungen sind kein Ersatz für denkmalpflegerische Zielstellungen oder ein Parkpflegewerk, können aber in einer Phase unklarer Zuständigkeiten und ungewisser weiterer Entwicklung verhindern, dass sich die Parksubstanz weiterhin schleichend negativ entwickelt oder stellenweise verlorengeht.
Derzeit zeichnet sich eine mögliche Übernahme des gesamten Ensembles durch das Land Mecklenburg-Vorpommern ab, welches noch in diesem Jahr zum neuen Eigentümer und damit zum Impulsgeber werden könnte. Angestrebt wird dabei eine Mischnutzung des Schlosses mit einem ausreichenden Anteil öffentlich zugänglicher Räume für Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen. Ebenso soll der Park zugänglich bleiben.
 |
 |
| Blick in die Festonallee - Foto: Geert Grigoleit |
 |
Schloss Bothmer wurde 1726-32 von Johann Caspar Reichsgraf von Bothmer als repräsentativer Mittelpunkt eines großen Güterkomplexes durch den Architekten Johann Friedrich Künnecke erbaut. Hier verschmelzen Gestaltungsstile unterschiedlicher europäischer Regionen in geschickter Weise zu einem beeindruckenden Ensemble, welches feinfühlig in die Umgebung eingebettet wurde. Die in die Landschaft ausstrahlenden Lindenalleen, darunter die seltene Festonallee geschnittener Linden, zeugen von der Idee, die Schönheit von Natur und Kultur künstlerisch einander durchdringen zu lassen. Dies ist den Gestaltern vor über 250 Jahren in wundervoller Weise gelungen und noch heute eindrucksvoll erlebbar. Die DGGL wird sich auch weiterhin engagiert dafür einsetzen, dass dieses Erlebnis auch den nachfolgenden Generationen erhalten bleibt.
Autor:
Geert Grigoleit, DGGL Westfalen
Weitere Informationen finden Sie auch im Bereich des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, bitte klicken Sie hier.
|