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Bundeskongress und Landesverbandskonferenz vom 15. – 16.06.2007- in Gera
„Städtische Freiraumkultur. Herausforderung und Tendenzen für die Zukunft“ titelte der diesjährige Bundeskongress, der am 15.6.2007 in der thüringischen Bundesgartenschau-Stadt Gera stattfand. Alles kreiste dabei um Stadt, Freiraum und Kultur.
„Freiräume sind die prägendsten Elemente der Stadt“, durch sie entsteht die eigentliche Identifikation mit der Stadt. Die Inbesitznahme der Stadt durch den einzelnen Bürger als „meine Stadt“ wird erst durch sie möglich. Heiner Baumgarten, Vorsitzender GALK-DST lässt keinen Zweifel an der Bedeutung des Grüns im Gefüge der Stadt. Aus dieser Gewichtung resultiert aber auch, dass Landschaftsarchitekten und Grünflächenämter nicht nur große planerische, im Sinne von gestalterischer, sondern auch gesellschafts-kulturelle und soziale Verantwortung übernehmen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Planungsindividualismus der Gestalter den Ansprüchen der künftigen Nutzer konträr gegenüber steht. Heiner Baumgarten wünscht sich für die Freiflächen eine neue „Offenheitsqualität“, eine Herangehensweise, die in Planung und Ausführung noch genügend Freiheiten lässt, um spezifische Nutzungsansprüche auch später noch integrieren zu können. Neue Freiraumkultur erfordert perspektivisches Denken ebenso wie die Überprüfung bestehender Planungsansätze und -instrumente und lässt damit „Freiraumkultur zum sichtbaren Ausdruck einer modernen Stadtkultur“ werden.
Dieser These stützte Christof Luz aus Stuttgart mit seinem Statement „Lieber Gelegenheiten bieten als Gegebenheiten beheben“. Bildreich führte er den Zuhörern Beispiele von Gesellschaftskultur im Freiraum vor Augen: von Esskultur, Kommunikationskultur, über Arbeitskultur bis zu Freizeitkultur. Ein Betrag mit ironischem Unterton, der zum Nachdenken über so manche lieb gewonnene Gewohnheit bei der Nutzung unserer öffentlichen Räume anregte. „StadtLandschaft: neu denken“, dazu lud Johann Diekmann, Hagen, Akademie für Städtebau und Landesplanung ein. Gesellschaftliche Veränderungen, heute insbesondere die demografische Entwicklung, machen konsequente Anpassungen in der Stadtentwicklung notwendig, die sich in integrierten Handlungskonzepten niederschlagen müssen.
Freiflächen und ihre Qualität sind Spiegelbild der Gesellschaft und Barometer für den Zustand einer Stadt. Inwieweit sich eine Gesellschaft mit ihren Freiflächen identifiziert, kommt auch im Einsatz jedes Einzelnen für ihren Erhalt und Pflege zum Ausdruck. Zwei Vereine stellten sich und ihre Bemühungen um Parkanlagen und Gärten vor. Nach ihrer Einschätzung ist das Bewusstein für die Bedeutung von Gärten, Parks und Freiflächen vorhanden, nun sollte es in entsprechendes Engagement für ihren Schutz und Erhalt umgelenkt werden. Dass dies möglich ist, zeigen die Ergebnisse dieser beiden Vereine.
Wie moderne städtische Freiflächen aussehen können, stellten mehrere Referenten im Tagungsblock Best Practice Beispiele für Freiraumkultur in Thüringen dar.
Ein gleitender Übergang von der Theorie in die Praxis bot sich danach mit einem Besuch der Bundesgartenschau in Gera und Ronneberg an. Als Beispiel städtische Freiraumkultur zeigt sich der umgestaltete Ufer-Elster-Park in Gera, mit dem die Stadt einen attraktiven Volkspark in wunderschöner Lage zurück gewonnen hat. Landschaftsgestaltung im großen Maßstab präsentiert sehr eindrucksvoll Ronneberg auf den Flächen des ehemaligen Geländes des Uranerzbergwerkes Wismut AG als „Neue Landschaft Ronneberg“.
Zur Landesverbandskonferenz am Tag nach dem Bundeskongress trafen sich Vertreter von 13 Landesverbänden der DGGL. Diese Zusammenkunft der Landesverbände ist immer auch ein guter Ort für eine Standortbestimmung mit Fragestellungen wie „Wer sind wir“, „Was tun wir“ und „Wo wollen wir hin“. Die Berichte aus den Landesverbänden und die Vorstellung der vielen im letzten Jahr umgesetzten Projekte und durchgeführten Veranstaltungen machte die Kreativität, den Anspruch und das Engagement der Landesverbände der DGGL deutlich. Jeder Landesverband richtet im Jahr zwischen zehn und dreißig Veranstaltungen aus. Die Bandbreite der DGGL-Aktivitäten ist ungeheuer breit und reicht von Vorträgen, Führungen durch Gärten, mehrtägigen Exkursionen bis zu Ausstellungen, Seminaren und Tagungen. Beispielhaft genannt werden sollen hier einige besonders schöne Projekte: Vom Landesverband Baden-Pfalz wurde im letzten Jahr ein Fotowettbewerb zum DGGL-Jahrethema 2006 „Regionale Gartenkultur“ ausgeschrieben. Teilgenommen haben an diesem „Viktor-von-Medem-Preis 2006/2007“ Schüler der Berufsfachschule für Fotografie der Johannes-Gutenberg-Schule in Heidelberg. Die Ausstellungseröffnung und Preisübergabe am 26.1.2007 war ein großer Erfolg. Die Auslobung des Preises für 2007/2008 beginnt im September, die Auslobung wird voraussichtlich im Mai 2008 sein. Der Landesverband Bremen eröffnete 2006 das Wall-Infocenter der DGGL in den Wallanlagen der Stadt. Hier werden künftig Ausstellungen rund um das Thema Gartenkunst und Landschaftskultur gezeigt. Inhalt der Ausstellungen sind historische wie zeitgenössische Beispiele von Gartenkunst und Freiraumgestaltung in und um Bremen. Der Landesverband Ruhrgebiet wiederum hat sich als Generalorganisator für alle Offenen Gartenpforten der Region angeboten. Die Ankündigung der einzelnen Aktionen soll künftig über ein gemeinsames Plakat erfolgen, das die DGGL den einzelnen Initiativen zur Verfügung stellt. Eine schöne Idee mit, bei der die Bündelung der Initiativen für eine bessere Wahrnehmung ihrer Aktionen sorgen wird.
Ein weiteres Thema war die Jahresplanung 2008 mit der Kulturpreisverleihung im September in München und mit dem Bundeskongress im Juni in Frankfurt am Main, der wieder zusammen mit GALK und bdla stattfinden soll. Auch das Jahresthema für das kommende Jahr ist gefunden. In 2008 geht es mit dem Thema „Gärten und Gesundheit“ weiter und wir laden schon jetzt alle ein, sich auf dieses Thema einzustimmen und interessante Aktionen zu entwickeln. Wie in den letzten beiden Jahren auch, soll zu dem Thema ein Jahrbuch entstehen. Zum Stand und Inhalt des diesjährigen DGGL-Jahrbuches informierten schließlich noch Prof. Dr. Kaspar Klaffke, Präsident der DGGL und Gesa Loschwitz von Garten + Landschaft. Das Buch wird bei der Kulturpreisverleihung am 28.9.2007 im Rahmen des Symposions in Hannover vorgestellt. Es beleuchtet „Gartenkunst im Städtebau“ von den unterschiedlichsten Perspektiven und vereint mehr als ein Dutzend hochrangiger Referenten, die für eine fachlich versierte, auch internationale Auseinandersetzung mit dem Thema sorgen. Wie im letzten Jahr auch, wird das Jahrbuch 2007 den DGGL-Mitgliedern kostenfrei zugehen, für alle Interessierten ist es über die DGGL und den Buchhandel zu beziehen.
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