Gartenkunst – Idee und Schönheit - Aus der Bundesgeschäftsstelle Berlin - 2016/2017

2017 wird das Jahr der Gartenkunst! In diesem Jahr will die DGGL eine Debatte anstoßen über aktuelle Garten- und Landschaftsgestaltung: Wie sehen unsere derzeitigen gartenkulturellen Werte aus, wie sichern wir unser gartenhistorisches Erbe, wie gelang es Gartenkünstlern früherer Zeiten, die heute hochgeschätzten Gartenparadiese zu schaffen, und warum versteht sich heutzutage eigentlich niemand mehr als ein solcher Gartenkünstler? 

Die DGGL startet vor allem über ihr diesjähriges Jahrbuch "Gartenkunst – Idee und Schönheit" (AT) eine kritische Betrachtung der aktuellen Strömungen in der Freiraumgestaltung und natürlich auch einen Rückblick auf das kulturelle Erbe in Deutschland. Und da die EU 2018 zum Europäischen Kulturerbejahr ausgerufen hat, werden die DGGL, ihre Landesverbände und Arbeitskreise ebenso wie der Bundesverband, mit ihren Veranstaltungen und dem Jahrbuch Nummer 13 im nächsten Jahr dieses Thema noch vertiefen: 2018 wird also das Jahr der Betrachtung des gemeinsamen europäischen Erbes, von Baukultur, Landschaftskultur und Gartenkultur im großen Länderverbund,  mit Blick in unsere Nachbarländer und mit hoffentlich weitem Blick in die Zukunft. 

"Gartenkunst – gestern, heute und morgen", unter diesem Motto bereitet die DGGL dazu ein internationales Symposium vor, gefördert von der VolkswagenStiftung und in Kooperation mit dem Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur (cgl) der Leibniz Universität Hannover, der Stadt Hannover und dem EGHN, dem Europäischen Gartennetz. Den Ausblick auf die Gartenkunst der Zukunft gibt es Mitte September 2018 in Schloss Herrenhausen und selbstverständlich auch in den Herrenhäuser Gärten, großes Feuerwerk inklusive!

Damit widmet sich die DGGL bereits zum zweiten Male ausdrücklich dieser Thematik – vor einer Dekade, 2007, lautete das Jahresthema "Gartenkunst im Städtebau". Ebenfalls mit dem cgl und der Förderung der Stiftung Niedersachsen wurde damals ein großes Symposium "Stadt – Garten – Kunst" organisiert und das Jahrbuch "Gartenkunst im Städtebau – Geschichte und Herausforderungen" herausgegeben. Für alle, die nicht dabei waren - Nachlesen im Buch lohnt sich. 

Genaugenommen beschäftigt sich die DGGL mit diesem Thema natürlich schon immer – seit nämlich vor nunmehr genau 130 Jahren die DGGL bzw. ihre Vorläuferorganisation, der "Verein deutscher Gartenkünstler (VdG)", gegründet wurde, zur Förderung der Gartenkultur und aus Sorge um den Verlust des gartenkulturellen Erbes, die um sich greifende Verstädterung und die mangelhaften Freiraumqualitäten. Die Geschichte lehrt: Erreicht wurde die Stärkung des Berufsstandes, die Einrichtung einer Hochschulausbildung und die Gründung der "Zeitschrift für bildende Gartenkunst" (1880), heute "Garten+Landschaft" – aber auch in unseren Tagen ist das Engagement für die Gartenkunst weiter dringend erforderlich.

Aber zurück zum Jahr 2017: Das Themenbuch "Gartenkunst" der DGGL wird wie immer im Rahmen des Gemeinsamen Bundeskongresses der Fachverbände vorgestellt. Der Kongress, unter Federführung von GALK, bdla und DGGL sowie der Senatsverwaltung, findet aus Anlass der Internationalen Gartenausstellung IGA 2017 in Berlin statt und auch dieser diskutiert mit namhaften Referentinnen und Referenten, nicht nur aus unserer Fachrichtung, zum Thema "Stadt – Grün – Kultur" (Ende Juni 2017 in Berlin).

Ein inhaltliches Schwergewicht wird in diesem Jahr von Seiten der Bundesregierung präsentiert: Das Weißbuch "Stadtgrün". Angesichts der drängenden Herausforderungen in aller Welt ist es an der Zeit, Ziele und Maßnahmen zur Sicherung der Lebensqualität in den Städten – oder gar deren Verbesserung – zu formulieren und umzusetzen. Dem vielfältigen Grün in der Stadt mit seinen unterschiedlichsten Wohlfahrtwirkungen kommt dabei eine nicht hoch genug einzuschätzende Bedeutung zu. Es ist daher der Politik sehr positiv anzurechnen, hier einen ersten Schritt getan zu haben. Am Grün- und Weißbuchprozess haben seit 2015 viele verschiedene Akteure mitgearbeitet und auch die DGGL konnte sich einbringen. Die DGGL hat dabei wieder den Fokus auf die historischen urbanen Freiräume gesetzt und die Bundesregierung aufgefordert, der Erhaltung und Entwicklung der Gartenkultur auch im Weißbuch und den daraus resultierenden Maßnahmenpaketen einen angemessenen Platz einzuräumen sowie Beispielprojekte und Forschungen zum Gesamtthema "Stadtgrün als kulturelles Erbe" durch Förderprogramme zu unterstützen (vgl. Empfehlungen für das Weißbuch Grün, Ergänzung zum Papier der Verbände BdB, bdla und BGL, April 2016, www.DGGL.org). Die öffentliche Diskussion startet auf einer Veranstaltung Anfang Mai 2017 in Essen, auf der das Weißbuch "Stadtgrün" von Ministerin Dr. Hendricks vorgestellt wird, und wird u.a. fortgesetzt auf dem schon erwähnten  Bundeskongress der Planerverbände Ende Juni in Berlin. Die DGGL wird diesen Prozess intensiv weiter begleiten, insbesondere mit inhaltlichen Positionierungen durch ihren in Gründung befindlichen Arbeitskreis "Grün in der Stadt" (AT).

Wir freuen uns sehr, dass die DGGL in Zukunft eng verbunden ist mit dem Gartennetz Deutschland. Das Gartennetz beheimatet die unterschiedlichsten Initiativen, Gärten, Gartenakademien, Gartenrouten und Gartenregionen. Gemeinsam werden wir zukünftig den "Green Flag Award", eine Auszeichnung u.a. für erfolgreiches Parkmanagement, die bereits seit mehr als zehn Jahren nach britischem Vorbild auch in Deutschland vergeben wird, und den bundesweiten "Tag der Parks und Gärten", immer am zweiten Wochenende im Juni, durchführen. Öffentlichkeitswirksam werden wir auch durch diesen Zusammenschluss die Gartenkunst stärken können und wer weiß, wohin uns diese Kooperation in den nächsten Jahren noch führt.

Ein Höhepunkt mit eher festlichem Charakter steht im Gartenkunstjahr Anfang September 2017 an: Die Klosterkammer Hannover wird mit dem diesjährigen Kulturpreis der DGGL ausgezeichnet. Die Klosterkammer besitzt einen reichen Kulturgut - Schatz und natürlich auch Gärten und Ländereien aus dem ehemaligen Kurfürstentum Hannover und den Bistümern Hildesheim und Osnabrück. Die Verantwortlichen der Klosterkammer haben in den vergangenen Jahrzehnten viel Engagement und finanzielle Mittel für den Erhalt und die Sanierung der klösterlichen Kulturlandschaft in Norddeutschland einschließlich einer Vielzahl von Klostergärten aufgebracht. Es ist gelungen, die historischen Landschaftselemente herauszuarbeiten und damit die Geschichte der gesamten Region aufzuzeigen. Gleichzeitig ist eine behutsame Öffnung erfolgt, bspw. durch die regelmäßige Beteiligung an den Tagen der "Offenen Pforte in Niedersachsen" – die Erhaltung wertvoller Gartenkulturelemente ermöglicht nun das Erleben besonderer Gartenkunst vom Mittelalter bis heute.

Erlaubt sei noch ein kurzer Blick zurück: Hinter uns liegt das DGGL - Themenjahr "Landschaftskultur", der zweiten Themen - Säule der DGGL. Unser Landesverband Bayern-Nord hat mit großem Engagement unter der Federführung unseres Arbeitskreises Landschaftskultur und mit einer Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im vergangenen September in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim eine Fachtagung "Neue Sicht auf Landschaft" organisiert, auf der die Bedeutung unserer Kulturlandschaft, ihre Einzigartigkeit und gleichzeitig auch die mannigfache Gefährdung deutlich herausgearbeitet werden konnte. Unterstützend dazu erschien unser Themenbuch "Landschaftskultur - Zwischen Bewahrung und Entwicklung". Das Buch spannt den Bogen von der Charakterisierung historischer Kulturlandschaften zur aktiven Landschaftsentwicklung, ihren Möglichkeiten und Bedrohungen.

Zum Abschluss noch ein wenig Gartenkunst in Buchform: Immer im Februar findet eine Jury die 50 besten Privatgärten in Deutschland – und der Callwey - Verlag präsentiert sie in einem opulenten Fotoband als "Die Gärten des Jahres". Die ausgewählten Gärten bestechen durch eine individuelle Gestaltung und eine herausragende Qualität -  Gärten als Kunstwerke.

Und noch ein weiterer  Wegweiser zur Gartenkunst ist in diesem Jahr bei Callwey neu aufgelegt worden: Unter der Herausgeberschaft der DGGL erschien der achte GartenReiseFührer Deutschland, die schon bewährte Zusammenstellung von 1.500 Gärten und Parks in unserem Lande. Während einer etwas längeren kreativen Pause wurde er modernisiert und aktualisiert, erhielt ein neues, größeres Format und einiges mehr an Gewicht. Auf knapp 800 Seiten, vielen Karten und mehr als 200 Fotos in einem attraktiv gestalteten Layout informiert er wieder über eine Auswahl aus dem Schatz der Gärten und Parks in Deutschland als lohnendem Reiseziel für alle Gartenbegeisterte. 

Gartenkunst und Städtebau sollten zusammen gedacht werden, typische Kulturlandschaften bewahrt, regionale Gartenkunst hochgehalten und verlorengegangene ästhetische Gestaltungsansprüche wieder wertgeschätzt werden - das Wunschprogramm zum DGGL-Themenjahr 2017 "Gartenkunst".

Viele Grüße aus Berlin

Ihre Karin Glockmann
Bundesgeschäftsführerin

Alle genannten Veröffentlichungen sind in der Bundesgeschäftsstelle der DGGL in Berlin erhältlich.

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