Aus der Bundesgeschäftsstelle Berlin - 2012

Die aufmerksamen Leserinnen und Leser der Jahreshefte des Landesverbandes Hamburg-Schleswig-Holstein sind schon im letzten Heft mit der Geschichte der DGGL vertraut gemacht worden. Das Jahr 2012 stand ganz im Zeichen des 125jährigen Geburtstages der DGGL; gerne gebe ich an dieser Stelle einen kurzen Rückblick auf 125 Jahre DGGL im gesamten Bundesgebiet und die zahlreichen "Events" im Jubiläumsjahr.

Bereits zu den Anfängen der DGGL Ende der 1880er Jahre gab es ein sehr breites Meinungs- und Interessenspektrum von Aktiven, die sich für die Gründung eines Vereins zur Förderung der Gartenkunst einsetzten. Gegen die Verstädterung und den Verlust des gartenhistorischen Erbes waren vor allem die Stärkung des Berufsstandes durch fachlichen Austausch, eine qualifizierte Hochschulausbildung sowie die Herausgabe eine Fachzeitschrift gefordert. 

Im Mai 1887 waren zahllose Fachleute zur 1. Internationalen Gartenbauausstellung in Dresden angereist, und auf einer der vielen Zusammenkünfte gründeten dann nach einigem Hin und Her 37 Engagierte den "Verein deutscher Gartenkünstler (VdG)". Wie schon die Gründungstage, so waren auch die nachfolgenden Jahre des Vereins geprägt von lebhaften Diskussionen und konträren Gestaltungsauffassungen bis hin zu schweren Zerwürfnissen und der Spaltung des Vereins, der seit 1904 den Namen "Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst (DGfG)" trug. Trotzdem stieg die Zahl der Mitglieder und es wurde die Bildung von Landesgruppen beschlossen (vgl. dazu das schon zitierte Jahresheft des LV Hamburg/Schleswig-Holstein). Zur Zusammenführung aller dienten die jährlichen Bundeskongresse, wie sie auch heute noch stattfinden, sicher aber auch die Diskussionen in der Vereinszeitschrift, die 1890 gegründet wurde ("Zeitschrift für bildende Gartenkunst", ab 1899 "Die Gartenkunst" und seit 1948  "Garten+Landschaft" , von der DGGL seit 1957 beim Callwey-Verlag in München herausgegeben). 

Die Dokumentation "1887 – 1987. Ein Rückblick auf 100 Jahre DGGL" von Gerd Gröning und Joachim Wolschke-Bulmahn  spannt den Bogen von den inhaltlichen Schwerpunkten dieser frühen Vereinsarbeit der DGGL bis zum 100. Geburtstag im Jahre 1987 - Buch leider vergriffen; online nachzulesen: Hier klicken um PDF zu öffnen.

Die beiden Gartenhistoriker trugen aus Landesverbandsarchiven, Büchereien und Privatbesitz eine Fülle von Material über die DGGL, ihren gesellschaftlichen Kontext und die jeweils prägenden Persönlichkeiten zusammen und beschreiben ihre weitere Entwicklung hin zu einem Interessenverband: die Änderung der Mitgliederstruktur und die Öffnung für Laien. Neben anderem werden Wege der DGGL zur Förderung des Berufsnachwuchses und der Gartendenkmalpflege erläutert – als Reaktion auf die gesellschaftspolitischen Entwicklungen – und die Bildung von bundesweiten Arbeitskreisen: die Aufnahme des "Arbeitskreises Junger Dahlemer Gestalter" in die DGGL nach dem 2. Weltkrieg, heute "AK Junger Landschaftsarchitekten", die regelmäßige Auslobung des Förderwettbewerbs "Ulrich Wolf" seit 1971 sowie die Gründung des "Arbeitskreises Historische Gärten" im Jahr 1963 zur Stärkung der Gartendenkmalpflege.

Im Kapitel "Die DGGL und die Landschaft" spiegelt sich die verstärkte Hinwendung zur Landschaft, beginnend um die Jahrhundertwende, ideologisch genutzt im Nationalsozialismus bis hin zum Einzug der Landschaftsplanung in die Studiengänge in den 70er Jahren, die der Gesellschaft 1995 letztendlich auch die Namensänderung in "Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL)" brachte. Seit kurzem ist auch der in diesem  Zusammenhang gegründete Arbeitskreis "Landschaftskultur" wieder aktiv.

Inhaltliche Arbeitsschwerpunkte wurden innerhalb der DGGL stets auch in temporären Arbeitsgruppen wie "Freiraumplanung", "Bundesgartenschauen" und "Spielraum" bearbeitet, auf den jährlichen Kongressen mit namhaften Fachleuten diskutiert und diverse Publikationen dazu herausgegeben. 

Die außerordentlich breitgefächerte Themenpalette spiegelt sich natürlich vor allem in den Landesverbänden der DGGL wider.  Zum  Jubiläum ist es gelungen, diese Vielfalt in eine Ausstellung zu fassen: 125 Jahre DGGL – im Spiegel der Landesverbände und Arbeitskreise. Auf insgesamt 27 Tafeln präsentieren sich die bundesweiten Akteure der DGGL und geben einen Einblick in ihre Tätigkeiten:  Von Gartenpolitik und Gartenkunst, Garten- und Landschaftskultur bis hin zu Berufsinformation und Weiterbildung, natürlich untermauert von Daten zu Mitgliederstruktur, Förderern, Publikationen und der Vereinsgeschichte.

Der Ausstellungsreigen 2012 begann  – wie könnte es anders sein – im drittgrößten Landesverband der DGGL, dem LV Hamburg/Schleswig-Holstein. Im Rahmen eines Empfanges im Hamburger Stadtmodell wurde der Startschuss gegeben zur Tournee der DGGL-Tafeln durch das gesamte Bundesgebiet. Und wir beabsichtigen, die Tafeln auch im Jahr 2013 bei zahlreichen Gelegenheiten und allerorten auszustellen.

Schon seit langem existiert der Wunsch, die Untersuchungen aus dem Jahre 1987 weiter zu vertiefen und insbesondere die neuere Geschichte der DGGL zu dokumentieren. Ein erster Ansatz dazu ging im Jubiläumsjahr vom Landesverband Bayern-Nord der DGGL aus, der in einem vielschichtigen Symposium  „Zwischen  Jägerzaun und Größenwahn“ die Zeit des Nationalsozialismus durchleuchten ließ. Gerade hier wurde deutlich, dass noch weitere Forschungen dringend erforderlich sind. Auch einige Studienarbeiten haben sich in den letzten Jahren mit der DGGL befasst- ihrer Historie oder ihrer Rolle innerhalb der Verbändelandschaft in Deutschland. Auch hier ist noch viel Handlungsbedarf – die älteren Mitglieder, die Zeitzeugen, und mit Ihnen die Erinnerungen, Dokumente  und Fotos gehen mehr und mehr verloren. Diese Quellen zu bewahren, zu erschließen und aufzubereiten ist das Ziel für die kommenden Jahre.

Alle Landesverbände setzen in jedem Jahr mit ihren monatlichen Veranstaltungen eigene Schwerpunkte, darüber hinaus werden die seit 2006 gewählten Jahresthemen vertieft. 2012  gab es natürlich besondere Jubiläumsakzente: Werkstattgespräche und DGGL-Ausstellungspräsentationen, z.B. an den Hochschulstandorten Höxter und Osnabrück, in Saarbrücken oder im Rahmen der Fachtagung "Schau an der schönen Gärten Zier" in Koblenz, die Eröffnung der DGGL-Akademie in Schloss Biebrich, die Gartenkultur auf dem Musikfestival in Bremen und die Weinkultur in Baden-Pfalz, Maßnahmen zur Wiederherstellung des thüringischen Denkmalensembles Wilhelmsthal oder das barocke Gartenfest auf Schloss Hundisburg, Pflanzaktionen am Uhland-Denkmal in Tübingen und das Rosenfest zu den Nordischen Baumtagen, die gestiftete Skulptur "Emscherbefreiung" des Landesverbandes Ruhrgebiet oder das Hörprotokoll aus Niedersachsen "Grün in den Ohren - zu den akustischen Reizen der  Stadtnatur".

Auf Bundesebene hieß das große Rahmenthema 2012 " Kulturschutz und Naturschutz im Dialog", thematisiert auf der Auftaktveranstaltung in Berlin im Mai und dem Festkolloquium im Oktober in Dresden, am Gründungsort der DGGL, im Palais im Großen Garten  ganz in der Nähe des damaligen Versammlungsortes. Bestärkt durch die Förderung von Deutscher Bundesstiftung Umwelt (DBU), ALLIANZ Umweltstiftung und zahlreicher Sponsoren nahm die DGGL ihr Jubiläum zum Anlass, Brücken zu bauen zwischen Natur- und Kulturschutz und gemeinsame Ziele zu formulieren. Vertreter von Naturschutzverbänden und Denkmalbehörden diskutierten mit Repräsentanten der Hochschulen; die vorgetragenen Themen sind im aktuellen - mit 264 Seiten dem bislang umfangreichsten - Jahrbuch zusammen gestellt. Einige Exemplare sind noch in der Bundesgeschäftsstelle vorhanden:  "Gartenkunst und Landschaftskultur - 125 Jahre DGGL. Eine Standortbestimmung" (39 Beiträge und 144 Abbildungen, 19,95 €).

Das Buch beinhaltet im ersten Teil Texte zur schon genannten "Suche nach Gemeinsamkeit" von Naturschutz und Kulturschutz, in der zweiten Hälfte die Kapitel "Landschaftskultur" und "Gartenkunst", "Gartenkultur" und "Gartenpolitik" und schließlich "Gartenbildung". Zu jedem dieser Themenkomplexe gibt es in der DGGL Expertenwissen, Aktionen und Veranstaltungen. Beschrieben werden u.a. die "Offenen Pforten", die kurzen und die langen Reisen der DGGL vor die Haustür und in ferne Länder - immer im Blick Gartenkunst und Gartenkultur-, die Fortbildungen zu Gartenpraxis und Landschaftsarchitektur oder die Workshops zu Gartengeschichte und Denkmalpflege. Auch hier zeigt sich, dass die DGGL, ihre Landesverbände und ihre Mitglieder wie schon vor 125 Jahren auch heute noch unermüdlich dabei sind, Gartenkunst und Landschaftskultur zu vermitteln und andere dafür zu begeistern.

Dazu passt es besonders gut, dass in Dresden in diesem Jahr zwei Menschen, die es vermögen, andere für Gartenkunst und Naturschutz zu begeistern, von der DGGL besonders geehrt werden konnten:  Rudolf Schröder und Professor Dr. Siegfried Sommer, zwei profunde Vertreter des Naturschutzes, Pflanzenkenner, Wissensvermittler par Excellence und ausgewiesene Praktiker, sind vom DGGL-Landesverband Sachsen für die Kulturpreisverleihung 2012 vorgeschlagen worden. Auf  Schloss Albrechtsberg, hoch über der Elbe, wurde den beiden im Rahmen einer gelungenen Festveranstaltung vom DGGL-Präsidenten Dr. Klaus-Henning von Krosigk das Goldene Lindenblatt der DGGL überreicht. Die Laudatio von Professorin Dr. Erika Schmidt kann im Internet nachgelesen werden.

Als weitere bleibende Erinnerung wurde auf der anschließenden Exkursion ins Dresdner Umland – wie es sich für einen Verein wie die DGGL gehört - ein Baum gepflanzt: Im durch einen Tornado schwer in Mitleidenschaft gezogenen wunderbaren Landschaftsgarten Seifersdorfer Tal konnten dank der Vermittlung der DGGL, finanziert durch die ALLIANZ Umweltstiftung, Schäden beseitigt und mit allen vereinten Kräften eine neue Jahrhunderteiche gesetzt werden. Eine kleine Gedenktafel erinnert die Wanderer zukünftig an die Pflanzung zum  DGGL-Jubiläum. 

Und auch im Jahr 2013 hat die DGGL Grund zum Feiern: Der DGGL-Arbeitskreis "Historische Gärten", sicher der derzeit bekannteste AK, begeht sein 50jähriges Bestehen. Er wurde 1963 gegründet aus Sorge um das gartenkulturelle Erbe in Deutschland und gegen die mangelnde Wertschätzung historischer Gärten und Parks. Unter der Ägide namhafter Leiter begann der  Arbeitskreis mit der systematischen Erfassung historischer Parks und Gärten und entwickelte Leitlinien für Parkpflegewerke . Im Jahr 2000 veröffentlichte die  DGGL das Buch "Historische Gärten in Deutschland. Denkmalgerechte Parkpflege – Aufgaben, Thesen und Instrumente zur Erhaltung und zur Pflege des Gartenkulturerbes" und 2006 in Kooperation mit der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftbau (FLL) das Grundlagenheft "Pflege historischer Gärten – Pflanzen und Vegetationsflächen". Die Mitglieder werden vom Präsidenten der DGGL in den  Arbeitskreis berufen; er besteht derzeit aus rund 100 Denkmalpflegern und Gartenhistorikern und wird geleitet von Dr. Harald Blanke, Hundisburg. Das runde Jubiläum wird gefeiert in Hannover, wo der AK zusammen mit dem Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur (cgl), der Universität Hannover und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege Ende Juni 2013 ein Fachsymposium ausrichtet. Alle Interessierten sind bereits jetzt herzlich dazu eingeladen.

Bereits Anfang Juni findet der gemeinsame Bundeskongress der Planerverbände in Hamburg statt. Anlass ist die Internationale Gartenschau in diesem Jahr "In 80 Gärten um die Welt", ein sehr schönes Motto, ganz im Sinne der DGGL. Im Rahmen des Kongresses wird auch wieder das neue Jahrbuch vorgestellt werden; gemäß dem DGGL-Jahresthema 2013 trägt es den Titel "Energielandschaften". Professor Dr. Kaspar Klaffke hat vor kurzem die Federführung der Jahrbücher an Vizepräsidentin Eva Henze übergeben; er steht ihr aber, zusammen mit Dr. Bernd Modrow, im Redaktionsteam weiter zur Seite. Das Präsidium der DGGL dankt Kaspar Klaffke für sieben Jahre erfolgreiche Kuratorentätigkeit – die Jahrbücher, immerhin mit einer Auflage von rund 4.000 Exemplaren gedruckt, stellen allesamt eine gelungene Positionierung der DGGL zu jeweils aktuellen Themenkreisen dar.

Gefeiert wird dann wieder in der DGGL-Akademie auf Schloss Biebrich: Traditionell Anfang Oktober wird dort der nächste Kulturpreis vergeben. Das Festprogramm mit Tagung und Gartenreise ist bereits beim Landesverband Hessen in Vorbereitung -  näheres wird aber noch nicht verraten. Das Programm der Akademie finden sie natürlich auch auf den DGGL-Seiten im Internet.

Ein gesundes Neues  Jahr und herzliche Grüße aus der Bundesgeschäftsstelle in Berlin!

Karin Glockmann, im Dezember 2012

Quellen:

ZANDERA, Mitteilungen der Bücherei des deutschen Gartenbaues e.V., Berlin, Band 27 (2012), Nr. 2

DGGL-Landesverband Hamburg/Schleswig-Holstein: Jahresheft 2011 – 2012, Einblicke und Ausblicke. 110 Jahre DGGL Hamburg/Schleswig-Holstein

Gerd Gröning und Joachim Wolschke-Bulmahn: 1887 – 1987. Ein Rückblick auf 100 Jahre DGGL, Berlin 1987

DGGL-Jahrbuch 2012: Gartenkunst und Landschaftskultur – 125 Jahre DGGL. Eine Standortbestimmung, München 2012

DGGL-Arbeitskreis Historische Gärten: Historische Gärten in Deutschland. Denkmalgerechte Parkpflege – Aufgaben, Thesen und Instrumente zur Erhaltung und zur Pflege des Gartenkulturerbes, Neustadt 2000