In Folge des Zweiten Weltkrieges waren in Deutschland eine Vielzahl historischer Gärten und Parks nicht nur vernachlässigt, sondern häufig schwer geschädigt und in ihrem traditionellen Erscheinungsbild mehr als beeinträchtigt.
Dies führte schon in den 50er Jahren zu ersten Diskussionen über Fragen einer fachlich angemessenen Erhaltung und Unterhaltung, mehr noch der Instandsetzung sowie von dauerhaften, fachwissenschaftlich begründeten Parkerhaltungs-
strategien.
Es waren nicht zuletzt die in der DGGL organisierten Leiter größerer staatlicher Parkverwaltungen, wie Christian Bauer in München oder Alfred Hoffmann in Bad Homburg, die schließlich 1963 den
„Arbeitskreis Historische Gärten“ seitens der DGGL gründeten. Dieser Arbeitskreis war es dann, der in den 70er und 80er Jahren maßgeblich die Entwicklung einer wissenschaftlich konservatorisch begründeten Gartendenkmalpflege initiierte und entscheidend mit dazu beigetragen hat, dass diese neue Fachaufgabe sowohl in den Denkmalfachbehörden der Bundesrepublik als auch in interessierten Kreisen eingeführt und vorangetrieben wurde.
Vor allem galt und gilt es auf den seither regelmäßig organisierten Fachtagungen, aber auch auf der jährlichen Mitgliederversammlung des kontinuierlich inzwischen auf 100 Mitglieder angewachsenen Arbeitskreises den interdisziplinären Erfahrungsaustausch, sowie methodisches Vorgehen, aber auch eine breite fachliche und gesellschaftliche Verankerung der noch jungen Denkmalpflege Disziplin zu fördern. Das Bemühen um einzelne Garten und Parkanlagen durch Erstellung von Fachgutachten und Parkpflegewerken, aber auch Beratung und Hilfestellung bei gefährdeten Anlagen durch den Monitoring-Beauftragten des Arbeitskreises sowie die Hilfe der örtlich besonders engagierten sogenannten Regionalbeauftragten ist ein ständiges Anliegen des Arbeitskreises.
Dass der Schutz, die Erhaltung und Pflege der historischen Gärten verstärkt in das Bewusstsein der Bevölkerung, der staatlichen Denkmalpflege und der politisch Verantwortlichen gerückt werden konnte, beruht sicherlich auch auf zahlreichen kritischen Stellungnahmen zu Maßnahmen in oder an historischen Gärten. Auch stieg die Zahl der Fachtagungen, die auch der Öffentlichkeit zugänglich waren, in den letzten Jahren beträchtlich.
Der Arbeitskreis hat heute mit über 100 Mitgliedern besondere Bedeutung als ein Gremium, in dem sich alle mit Gartendenkmalpflege Befassten aus den unterschiedlichsten Bereichen austauschen können. Dies sind vor allem Leiter der in der Verwaltung Historischer Gärten und Parks tätigen Landschaftsarchitekten, die in den Landesdenkmalämtern für die Gartendenkmalpflege verantwortlichen Gartenhistoriker, aber auch freischaffende Garten- und Landschaftsarchitekten mit entsprechendem Aufgabenschwerpunkt sowie Dozenten an den Hoch- und Fachhochschulen, Kunsthistoriker, Architekten, oder auch Besitzer von historischen Gärten. Die Mitglieder werden im Übrigen auf Vorschlag des Arbeitskreises durch den Präsidenten der DGGL berufen.
Der Arbeitskreis Historische Gärten in der DGGL hat sich aber auch ganz allgemein das Ziel gesetzt, das Bewusstsein für Historische Gärten in unserer wirtschaftlich geprägten, mancherorts einseitig auf Naturschutzinteressen ausgerichteten Gesellschaft nachdrücklich zu stärken. Hierzu werden in seiner Arbeit vorrangig Spezialthemen aufgegriffen, mit denen er sich in entsprechenden Arbeitspapieren auseinandersetzt, in denen vor allem Probleme der praktischen Gartendenkmalpflege diskutiert werden. Wichtig sind Begriffsdefinitionen sowie die Zusammenarbeit mit verwandten Fachdisziplinen unter besonderer Einbeziehung der Vertreter aus Forschung und Lehre, d. h. der Universitäten und Fachhochschulen. Der Schwerpunkt der Arbeit wird im Beirat unter Hinzuziehung weiterer Mitglieder thematisiert und findet seinen Niederschlag in Veröffentlichungen und Arbeitspapieren, wie z. B. dem 2006 veröffentlichten FLL-DGGL Fachbericht: Pflege Historischer Gärten – Teil 1: Pflanzen und Vegetationsflächen.
Organe des Arbeitskreises
Der Beirat setzt sich aus dem Vorsitzenden und seinem Vertreter sowie einem erweiterten Vorstand, d. h. den Leitern der Arbeitsgruppen und den Regionalbeauftragten zusammen. Die Regionalbeauftragten wirken im Sinne des Arbeitskreises auf Länderebene. Im Benehmen mit den jeweiligen Landesverbänden der DGGL e. V. vertreten sie die Belange Historischer Gärten. Sie werden hierbei von den Arbeitskreismitgliedern der Region unterstützt.
Am Beispiel des renommierten und längst international anerkannten
„Arbeitskreises Historischen Gärten“ wird deutlich, dass durch die Beschäftigung der DGGL mit der Geschichte der Gartenkunst und Gartenkultur sowie durch die wissenschaftliche, aber auch praktische Auseinandersetzung und aktive Hilfe bei bedrohten Gärten der DGGL längst eine breite Anerkennung zuteil wird, die man sich auch für manches andere Arbeitsgebiet wünschen würde.
Für das Aufgabengebiet der Gartendenkmalpflege ist in der Tat die Kompetenz des fest in der DGGL verankerten
Arbeitskreises Historische Gärten heute nicht nur unbestritten, sondern stellt längst eine der tragenden Säulen dieser stets der Gartenkunst und dem gartenkulturellen Erbe verpflichteten Gesellschaft dar.
Weitere Ergebnisse einzelner Arbeitsgruppen
waren Programmvorschläge zur Integration
der Denkmalpflege in die Lehrpläne
der Ausbildungsstätten und die Zusammenstellung
von Leitlinien für Parkpflegewerke.
Als eines der wichtigsten Sprachrohre des
Garten-denkmalschutzes forderte der Arbeitskreis
letztlich die Einrichtung einer eigenen
Vertretung für die Belange des Denkmalschutzes
und der Denkmalpflege auf Verwaltungsebene.
Die Schaffung eigener Fachreferate für
Gartendenkmalpflege in den Denkmalfachbehörden,
in anderen betroffenen staatlichen Stellen
sowie auf kommunaler Ebene sind Ergebnisse
dieser Forderung.
Auf Vorschlag des Arbeitskreises wird seit
dem Jahr 2000 der DGGL-Kulturpreis verliehen.
Das "Goldene Lindenblatt" soll
Personen und Institutionen würdigen,
die sich um Gartenkunst und Landschaftskultur
verdient gemacht haben. Zielsetzung des
DGGL-Kulturpreises ist "
die Belebung
der öffentlichen Diskussion zu Gartenkunst
und Landschaftskultur. Dabei geht es sowohl
um die Erhaltung des garten- und landschafts-kulturellen
Erbes, insbesondere historischer Gärten,
als auch um aktuelle Entwicklungen in der
Landschafts-architektur und im Umgang mit
Kulturlandschaft. Beide Ansätze steigern
die Lebensqualität in Stadt und Landschaft
und sind darüber hinaus wichtige Wirtschaftsfaktoren.
Durch den DGGL-Kulturpreis kann auch ein
besonderes Engagement im Bereich der zeitgenössischen
Gartenkunst oder Landschaftskultur ausgezeichnet
werden."
In jedem der 18 DGGL-Landesverbände
ist ein Mitglied des AK als Regionalbeauftragter
für Historische Gärten tätig
(
hier
die Adressliste). Die Mitglieder des
AK treffen sich halbjährlich zu Fachtagungen
im gesamten Bundesgebiet; Gäste sind
herzlich willkommen.
Dr. Ing. Klaus Henning von Krosigk
Gartenbaudirektor
Leiter des AK Historische Gärten der DGGL Berlin,
im Januar 2008