Bericht von der Mitgliederversammlung des Ak Historische Gärten der DGGL 2008

Ausgehend von zwei Themen, nämlich dem Motto des diesjährigen Jahrbuchs der DGGL „Garten und Gesundheit“ sowie dem Umstand, dass Ostwestfalen die zweite Heimat des langjährigen Vorsitzenden des Ak Historische Gärten der DGGL ist, hatte er diesen Tagungsort für die diesjährige Mitgliederversammlung Bad Driburg - dessen Kurpark sich noch immer im Besitz der Familie der Grafen von Oyenhausen-Sierstorpff befindet - vorgeschlagen. Nicht zuletzt der Umstand, dass Ramona Gräfin Oeynhausen-Sierstorpff für Ihren jahrzehntelangen vorbildlichen Einsatz für Erhaltung, Pflege und Entwicklung eines wertvollen Kurparks aus der Zeit der Aufklärung, 2001 der Kulturpreis der DGGL, das Goldene Lindenblatt erhielt, war ein zusätzlicher Grund, nach vielen Jahren einmal wieder an diesen abseits der großen Wege im schönen Weserbergland liegenden Ort zurückzukehren.

Die sich insgesamt über drei Tage erstreckende Zusammenkunft bestand einerseits aus der am ersten Tag im Tagungshotel in Driburg stattfindenden traditionellen Mitgliederversammlung – ihren Höhepunkt in einem abendlichen Empfang im sog. Gräflichen Haus, bei Graf und Gräfin Marcus und Annabelle von Oeynhausen-Sierstorpff findend – und andererseits der eintägigen Fachexkursion am Sonnabend sowie dem Ausklang bei einem intensiven Parkrundgang in Bad Driburg am Sonntagmorgen.

Mit einer Beteiligung von über 40 Kolleginnen und Kollegen, u.a. war sogar Prof. Dr. Geza Hajos aus Wien, aber auch der Präsident der DGGL, Prof. Dr. Klaffke angereist, war für die – wegen der anstehenden Nachfolgefrage des Ak-Vorsitzenden – wichtige Mitgliederversammlung eine sehr gute Präsenz sichergestellt. Nach eingehender Diskussion der einzelnen Tagungsordnungspunkte und vertiefter Vorstellung z. B. des Monitoring-Berichtes durch Peter Jordan, aber auch von Aspekten wie der Hoch- und Fachhochschulausbildung, dem Thema Rekonstruktion in der Gartendenkmalpflege – unter Bezug auf einen gleichlautenden und sehr erfolgreichen Workshop im Dezember 2007 an der TU in Hannover - aber auch anderen Themen, wie die Aktivitäten des Präsidenten zum Jahrbuch „Garten und Gesundheit“ oder der diesjährigen Vorbereitung des Kulturpreises der DGGL, nahmen natürlich auch die sich anschließende Neuwahl des Ak-Vorsitzenden breiten Raum ein. Vorbereitet durch diverse Gespräche mit vielen Kolleginnen und Kollegen, stellte sich schließlich heraus, dass Harald Blanke – Hundisburg nicht nur in vielerlei Beziehung das fachliche Profil für einen möglichen Vorsitz mitbrachte, sondern vor allem auch Interesse an einer solchen verantwortungsvollen Aufgabe signalisierte. Da ihn fast alle Teilnehmer, schon seit Jahren nicht nur persönlich, sondern auch seine beachtlichen Forschungs- und Publikationsergebnisse, aber auch seine umfangreichen gartendenkmalpflegerischen Arbeiten zur Wiedergewinnung des wertvollen barocken Hundisburger Garten sowie des bedeutenden Landschaftsgartens von Alt-Haldensleben kannten, wurde er, bei einer Enthaltung, fast einstimmig zum Nachfolger des Unterzeichners gewählt. Hier sei daher in wenigen Worten etwas zur Vita des neuen Ak-Vorsitzenden mitgeteilt:

Harald Blanke wurde am 20. Februar 1966 in Hannover-Kleefeld geboren und wuchs in Lehrte auf, wo seine Familie seit alters ansässig ist. Er legte am Gymnasium Lehrte 1985 sein Abitur ab und begann zum Wintersemester 1986 das Studium des Landespflege (Garten- und Landschaftsarchitektur) an der Universität Hannover und konzentrierte sich schon frühzeitig bei Prof. Dieter Hennebo auf den Themenbereich Geschichte der Gartenkunst und Gartendenkmalpflege.

Nachdem ihm Prof. Dr. Jörg Gamer bereist 1988 einen Hinweis auf den Braunschweiger Landbaumeister Hermann Korb und die diesbezüglichen Forschungen von Udo von Alvensleben gegeben hatte, beschäftigte es sich aufgrund dieses Hinweises und begünstigt durch die deutsche Wiedervereinigung gezielt mit dem Hundisburger Garten, der auch das Thema seiner im Dezember 1991 abgeschlossenen Diplomarbeit wurde.

Bereits seit dem Studium ist er Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur (DGGL), in deren renommierten „Arbeitskreis historische Gärten“ er dann schon 2001 aufgenommen wurde. 1992 wurde er Gründungsmitglied des „Arbeitkreises Schloß Hundisburg“ e. V., aus der 1995 die „KULTUR-Landschaft Haldensleben-Hundisburg e. V.“ hervorging. Von 1995 bis 1997 gehörte er dem Vorstand an und seit 1998 leitet er seither maßgeblich die von ihm mit aufgebaute Schloss- und Gartenverwaltung Hundisburg sowie die längst nationales Interesse hervorrufende Restaurierung insbesondere des berühmten Hundisburger Barockgartens.

Ebenfalls 1992 begann er noch bei Professor Gamer (verstorben 1993) in Hannover seine Dissertation zum Großen Garten in Dresden, mit der er dann bei Professor Dr. Klaus Mertens an der Fakultät für Architektur der TU Dresden im Jahr 2000 mit magna cum laude zum Dr. Ing. promovierte.

Nicht nur alle Mitglieder, sondern auch der Präsident der DGGL, Prof. Dr. Klaffke, als auch Günther Thimm, namentlich der Unterzeichnende sind froh, in Harald Blanke einen engagierten und ausgewiesenen Gartenhistoriker und Gartendenkmalpfleger für die neue Aufgabe gewonnen zu haben. Allseits wurde ihm Glück und Segen für diese verantwortungsvolle Aufgabe gewünscht.

Die ganztägige Exkursion am Sonnabend entführte schließlich alle Teilnehmer zu bemerkenswerten privaten Schlossgärten des vormaligen Hochstifts Paderborn, eingeschlossen eine intensive Diskussion des unter Christhard Ehrig anlässlich der Landesgartenschau 1994 teilrekonstruierten Broderiegartens des Schlossgartens von Schloss Neuhaus bei Paderborn.

Alle waren im übrigen dankbar, bis heute ausschließlich privat genutzte Schlossgärten besichtigen und sich mit den Eigentümern in anregende und vertiefende Diskussion stürzen zu können. Zu nennen sind hier u.a. Jana Freifrau von Paper mit dem wertvollen und an Exoten reicher Landschaftspark von Wewer, aber auch ihre Schwester, Isa Baronin von Elverfeldt, deren wundervolle Alte Burg in Wewer das Entzücken aller Teilnehmer hervorrief sowie Freiherr von Brenken in Schloss Erpernburg mit seinen weitläufigen parkartigen Gärten. Sehr interessant war auch der nachmittägliche Besuch in das sich noch in restauro befindliche Zisterzienser Kloster Dalheim, wo Qualität und Quantität der erst in jüngster Zeit teilrekonstruierten Gärten dann auch Anlass zu Lob, aber auch zu erheblichen Diskussionen boten. Nicht zuletzt der Konventgarten hielt mehr Fragen als Antworten bereit.

Krönender Abschluss dieses unvergesslichen Ausfluges in die schon untergegangen geglaubte Adelskultur des alten Kurfürstlichen Hochstiftes Paderborn, war der Besuch von Schloss und Park Rheder, im schönen Nethegau liegend, wo uns das gastliche Besitzerehepaar Freiherr und Freifrau von Spiegel freundlich führte. Der als schönster Landschaftspark Ostwestfalens gepriesene, im Zeitalter des Biedermeiers, unter Josef Bruno Graf von Mengersen angelegte bedeutende Landschaftspark, konnten wir in Ruhe besichtigen, auch die jüngste „Setzung“ im Park bewundern, nämlich die von Jenny Holzer geschaffenen Kunstwerke.

Nach einem wundervollen und reichhaltigen Abendessen mit dem selbstgebrauten Rheder Schlossbräu in der Orangerie von Schloss Rheder galt es schließlich Abschied zu nehmen und wieder nach Driburg heimzufahren.

Am Sonntagvormittag gab es schließlich für die begeisterten Driburg-Fans nicht nur die Möglichkeit noch in Ruhe den Kurpark anzusehen, sondern auch in intensiver Diskussion mit Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff aktuelle Probleme, aber auch Erhaltungs- und Entwicklungsstrategien sowie Perspektiven für das Bad, aber auch den Park zu diskutieren.

Angefüllt mit einer Vielzahl von Eindrücken, aber auch der Freude des Wiedersehens galt es schließlich Sonntagmittag Abschied zu nehmen und wieder heimzufahren.

Dr. Ing. Klaus-Henning v. Krosigk, Gartenbaudirektor
Berlin, im April 2008