Arbeitsgruppe „Grünes Nachkriegserbe“ auf Exkursion in Zürich

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Arbeitsgruppe „Grünes Nachkriegserbe“ beim Besuch des Archivs für Schweizer Landschaftsarchitektur an der Hochschule Rapperswil.

Die diesjährige mehrtägige Exkursion der Arbeitsgruppe „Grünes Nachkriegserbe“ führte 17 Fachleute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Kanton Zürich. Die Arbeitsgruppe entstand parallel zum Forschungsprojekt der Öffentlichen Grünanlagen der 1950er- und 1960er-Jahre (GALK-BHU-TU-Berlin) und führt das Thema inhaltlich breiter aufgestellt fort. Erste Grundlagen wurden 2014 mit der gemeinsam entwickelten „Wiener Erklärung“ anlässlich der Tagung zu den Grünräumen der 1950er- und 1960er-Jahren in Wien entwickelt. Und so versteht sich die Arbeitsgruppe ausdrücklich auch als ein Verbund von Fachleuten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, um das allen gemeinsame gartenkulturelle Erbe weiter zu erforschen.

Judith Rohrer (Gartendenkmalpflegerin bei Grün Stadt Zürich) und mehrere Schweizer Fachkollegen/innen wie Annemarie Bucher und Johannes Stoffler organisierten im August 2017 in Zürich ein äußerst interessantes Programm zu den Park- und Grünräumen Zürichs, das auch die Vorläuferanlagen aus den 1930er- und 1940er-Jahren umfasste, welche von jenen Gartenarchitekten geplant wurden, die direkt und indirekt auch die Nachkriegszeit beeinflussten. Die Besichtigung des Nachlasses von Walter Leder mit zahlreichen Originalplänen von Leberecht Migge im Archiv für Schweizer Landschaftskultur an der Hochschule für Technik in Rapperswil bildete den Auftakt der Veranstaltung. An insgesamt vier Tagen standen Exkursionen unter anderem zu den Resten der Gartenschau G59 zu beiden Seiten des Zürichsees, zum Seeuferweg am Zürichsee, zum Senkgarten von Gustav Ammann beim Museum für Gestaltung und zum von Fred Eicher gestalteten Friedhof Eichbühl auf dem Programm. Für viele war das beispielhaft sanierte Parkbad Letzigraben, geplant vom Architekten und Schriftsteller Max Frisch, der Höhepunkt der Reise.

Die auswärtigen Teilnehmer/innen würdigten beim Abschluss das hohe Niveau der Gartendenkmalpflege in Zürich, das auch auf der guten Forschung zu Grünanlagen der Nachkriegszeit basiert. Diese Forschung und eine Öffentlichkeitsarbeit für das „grüne Nachkriegserbe“ ist wichtig, um die Hauptursache für das Verschwinden zahlreicher qualitativ hochwertiger Anlagen aus dieser Zeitepoche zu beseitigen: die Unkenntnis. Dies zu ändern ist ein wichtiges Ziel der Arbeitsgruppe, dessen nächstes Treffen samt mehrtägiger Exkursion für den Spätsommer 2018 in Leipzig geplant ist.

Die im September 2014 gegründete Arbeitsgruppe steht allen Fachleuten offen, die ernsthaft am Erhalt von Freiflächen dieser Zeitepoche interessiert und zur Mitarbeit bereit sind. Interessenten wenden sich bitte an einen der drei Sprecher der Arbeitsgruppe, Christian Hlavac (christian.hlavac(at)galatour(dot)at), Klaus Lingenauber (klaus.lingenauber(at)senstadt.berlin(dot)de) und Peter Fibich (freiraumkonzepte(at)t-online(dot)de).

Text und Foto: Christian Hlavac